Die tagelangen Trauerzeremonien begannen am Samstag

Trauerfeiern für Khamenei in Teheran

Sonntag, 05. Juli 2026 | 09:49 Uhr

Von: APA/dpa/AFP

Im Iran hat ein hochrangiger Geistlicher das Totengebet für den im Krieg gegen Israel und die USA getöteten obersten Führer Ali Khamenei geleitet. Am zweiten Tag der öffentlichen Trauerfeiern trat der 97-jährige Großayatollah Jafar Sobhani dabei als Vorbeter auf, wie auf Aufnahmen des Staatsfernsehens zu sehen ist. Auch Khameneis drei Söhne Masoud, Mostafa und Mejsam nahmen an den Gebeten teil, sein Sohn und Nachfolger Mojtaba fehlte dagegen.

Anwesend in der Moschee war am Sonntag zudem der iranische Präsident Masoud Pezeshkian. Auch weitere ranghohe Vertreter der iranischen Führung nahmen an der Zeremonie teil, darunter der iranische Parlamentspräsident und Chefunterhändler Mohammad Baqer Qalibaf und Al-Quds-Befehlshaber Esmail Qaani, wie Aufnahmen des staatlichen Fernsehens zeigten. Vor der Moschee wurde der mächtige Revolutionsgardenchef Ahmad Wahidi auf dem Weg zur Moschee gesehen, der öffentlich so gut wie nie in Erscheinung tritt.

Straße voller Trauender

Der Mosalla-Komplex und die umliegenden Straßen waren am Sonntag voller Trauernder. Wegen der erwarteten hohen Temperaturen von mehr als 35 Grad wurden den Trauernden auf ihrem Weg zur Moschee Erfrischungen gereicht. Insgesamt rechnen die Behörden in Teheran mit mehr als zehn Millionen Teilnehmern an den Trauerzeremonien. Der Sonntag wurde im Iran zum öffentlichen Feiertag erklärt.

Khamenei stand seit 1989 an der Spitze des klerikalen Systems im Iran und war damit der mächtigste Mann im Staat. Der erzkonservative oberste Führer war am 28. Februar am ersten Tag des US-israelischen Krieges gegen den Iran bei einem Angriff auf seine Residenz in Teheran getötet worden. Mit dem 86-Jährigen zusammen wurden mehrere seiner Angehörigen und weitere ranghohe Vertreter der iranischen Führung getötet.

Khameneis anschließend zum Nachfolger ernannter Sohn Mojtaba trat bisher nicht öffentlich in Erscheinung. Er wurde vermutlich bei dem Angriff am 28. Februar verletzt. Iranischen Medien zufolge ist nicht vorgesehen, dass der 56-Jährige ein Gebet leitet.

Beisetzung in Heimatstadt

Khameneis Leichnam bleibt noch bis Montag in Teherans Mosalla-Komplex aufgebahrt, dann ist ein Trauerzug durch die Hauptstadt geplant. Am Dienstag soll der Sarg in die schiitische Gelehrtenstadt Qom gebracht werden, am Mittwoch in schiitische Heiligtümer im Nachbarland Irak. Die Beisetzung ist für Donnerstag in Khameneis Heimatstadt Mashhad im Nordosten des Iran vorgesehen. Dort soll er zusammen mit seinen getöteten Familienmitgliedern begraben werden. In Qom soll der einflussreiche Ayatollah Makarem Shirazi (99) das Gebet leiten, in Mashhad Noori Hamedani (101).

Die Tötung Khameneis nach mehr als dreieinhalb Jahrzehnten an der Macht hat in der Islamischen Republik eine neue Ära eingeläutet, die jedoch von Ungewissheit geprägt ist. Nach der gewaltsamen Niederschlagung der Massenproteste im Jänner mit tausenden Toten gelten die Trauerfeierlichkeiten für Khamenei als Test, wie stark die Unterstützung für die Führung ist.

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