"Ich nenne sie Geiseln. Manche Leute nennen sie Gefangene"

Trump fordert Freilassung der Kapitol-Inhaftierten

Sonntag, 07. Januar 2024 | 12:42 Uhr

In einer Wahlkampfrede im US-Staat Iowa hat der ehemalige US-Präsident Donald Trump die Freilassung der Inhaftierten gefordert, die für die Erstürmung des US-Kapitols 2021 verurteilt worden sind. “Sie haben genug gelitten”, sagte Trump vor mehr als tausend Anhängern in einer Schulsporthalle in Clinton am Samstag (Ortszeit), dem dritten Jahrestag des Sturms auf das Kapitol. “Ich nenne sie Geiseln. Manche Leute nennen sie Gefangene.”

Am 6. Jänner 2021 hatten radikale Anhänger des damals noch amtierenden Präsidenten den Sitz des US-Kongresses angegriffen, nachdem dieser sie aufgerufen hatte, dorthin zu marschieren und “auf Teufel komm raus” zu kämpfen. Mehr als 1.200 Personen wurden wegen ihrer Beteiligung an den Ausschreitungen angeklagt, und mehr als 900 haben sich entweder schuldig bekannt oder wurden nach einem Prozess verurteilt.

Trotz einer vom Obersten Gerichtshof des Landes angesetzten Anhörung zu einem möglichen Vorwahl-Ausschluss gab sich Trump siegessicher: Er werde bei der Präsidentschaftswahl im November “zum dritten Mal gewinnen”, sagte Trump am Samstag – eine Anspielung auf seine vielfach widerlegte Behauptung, die Wahl 2020 sei ihm durch massiven Betrug gestohlen worden. Der Supreme Court hatte zuvor angekündigt, sich Anfang Februar mit dem Ausschluss Trumps von der Vorwahl in Colorado zu befassen.

In seiner zweistündigen Rede vor Anhängern in Newton warf Trump dem derzeitigen demokratischen Präsidenten Joe Biden vor, für wirtschaftlichen Niedergang verantwortlich zu sein und die russische Invasion der Ukraine nicht verhindert zu haben. “Ich hätte Putin definitiv gestoppt”, sagte Trump. Bei einer Wiederwahl Bidens drohe der “Dritte Weltkrieg”, sagte Trump und ergänzte: “Das ist unsere letzte Chance, Amerika zu retten.”

Trump wurde wegen seiner Versuche, nach der Präsidentschaftswahl 2020 das Ergebnis zu kippen, zwei Mal angeklagt, von der Bundesjustiz sowie im Bundesstaat Georgia. Die Prozesse könnten in den kommenden Monaten und somit inmitten des Wahlkampfes beginnen. Trump sieht sich zudem mit weiteren Anklagen konfrontiert.

Im Dezember hatte das Oberste Gericht von Colorado zudem entschieden, dass der Rechtspopulist wegen seiner Rolle bei der Kapitol-Erstürmung nicht bei der Abstimmung der Republikaner in diesem Bundesstaat über ihren Präsidentschaftskandidaten antreten darf. Daraufhin hatte Trump das Oberste Gericht in Washington angerufen.

Der Supreme Court kündigte nun am Freitag eine mündliche Anhörung für den 8. Februar an. Der Entscheidung des Obersten Gerichts kommt weitreichende Bedeutung für die Vorwahlen zu. Denn auch in anderen Bundesstaaten gibt es Bestrebungen, Trump von den Vorwahlen zu verbannen.

So entschied im Bundesstaat Maine die Wahlleiterin, dass der Ex-Präsident dort nicht antreten darf. Auch gegen diese Entscheidung gingen Trumps Anwälte vor, allerdings zunächst beim Obersten Gericht dieses Bundesstaats. Auch in anderen Bundesstaaten waren Verfahren eingeleitet worden, um Trump von den Vorwahlen auszuschließen. In Michigan und Minnesota wurde dies jedoch abgelehnt.

Das erwartete Urteil des Supreme Court in Washington zu Colorado hätte landesweit verbindliche Gültigkeit. Der Supreme Court in Washington ist mehrheitlich mit konservativen Richtern besetzt.

Seine juristischen Verstrickungen haben Trump im Präsidentschaftsrennen bisher nicht geschadet. Er ist im Rennen um die Kandidatur der Republikaner der haushohe Favorit und führt die Umfragen mit großem Vorsprung vor seinen sechs parteiinternen Konkurrenten an. Die Republikaner-Vorwahlen beginnen am 15. Jänner in Iowa.

Der Sieger wird bei der Präsidentschaftswahl am 5. November gegen Amtsinhaber Biden antreten. Zwar gibt es auch bei dessen Demokraten Vorwahlen. Da der 81-Jährige keine ernsthafte Konkurrenz hat, steht er als Präsidentschaftskandidat jedoch bereits so gut wie fest.

Biden hatte Trump am Freitag in scharfen Worten attackiert. In einer Rede warf der Demokrat dem Rechtspopulisten vor, Nazi-Rhetorik zu verwenden und eine Gefahr für die Demokratie darzustellen. “Er ist bereit, unsere Demokratie zu opfern, um an die Macht zu gelangen”, sagte Biden.

“Er nennt diejenigen, die gegen ihn sind, Ungeziefer”, sagte der 81-Jährige mit Blick auf Trump. “Er spricht davon, dass das Blut von Amerikanern (durch Migranten) vergiftet wird, und wiederholt exakt dieselbe Sprache, die in Nazi-Deutschland verwendet wurde.”

Von: APA/Reuters/AFP

Kommentare

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22 Kommentare auf "Trump fordert Freilassung der Kapitol-Inhaftierten"


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Oracle
Oracle
Kinig
1 Monat 26 Tage

… geisteskrank, nicht alle Tassen im Schrank, sehr gefährlich…

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 26 Tage

Dir ist klar aus welcher Ecke er kommt? Welche Thesen er vertritt? RECHTS!

Oracle
Oracle
Kinig
1 Monat 26 Tage

…. rechts von rechts. ultrarechts! Jenseits der Grenze, wenn man mal hört, was er da verzapft…

pfaelzerwald
1 Monat 26 Tage

@N.G.
Rechts zu sein ist genauso legitim wie Links zu sein.
Nur, Trump ist nicht rechts, der Mensch ist wahnsinnig und verblendet.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 26 Tage

@Oracle Nun, dir ist nicht bewußt das die Rechten heutzutage früher rechtsradikal genannt worden wären und den Vorwurf mach ich dir. Nur weil du bzw. sich viele daran gewöhnt haben und sich einlullen haben lassen macht die Sache nicht besser.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 26 Tage

@pfaelzerwald Falsch, denn viele Thesen die Trump verbreitet findest du in Deutschland AFD genauso wir in Italien Fratteli.. Das ist Quatsch und gefährlich nicht sehen zu wollen, dass es Gemeinsamkeiten gibt. Davon leben diese Leute und diese Parteien! Du verharmlost und spielst das Problem herunter.

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Universalgelehrter
1 Monat 26 Tage

@Oracle: die Grenzen sind oft fließend, und wir Menschen gewöhnen uns selbst an das Unaussprechbare. Und dann gibt es oft genug kein Zurück mehr. Deckel zu und Schluss mit Demokratie! Daher müssen wir wachsam bleiben, genau hinschauen und Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Gewaltenteilung und freie Wahlen wie einen heiligen Gral hüten!

pingoballino1955
pingoballino1955
Universalgelehrter
1 Monat 25 Tage

Bei Trump sollte man mal seinen Geisteszustand überprüfendass er Psycho ist weiss man an seinen Äußerungen.

pfaelzerwald
1 Monat 25 Tage

@N.G.
In Ihrer Antwoert ist ein Satz richtig: “Das ist Quatsch”.
Selbsterkenntnis ist halt auch ein guter Weg!

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 26 Tage

…da gibt es wohl kaum Zweifel, dass der 🏀 sie aufgestachelt hat…

So ist das
1 Monat 26 Tage

Die Dummheit der Amis ist leider unendlich 😂

Reitiatz
Reitiatz
Universalgelehrter
1 Monat 26 Tage

Der tat guat zun Kim Jong-Un und zun Putin passn. ☠️

Faktenchecker
1 Monat 26 Tage

Putin unterstützt ihn schon seit Jahren.

“Putin, der in der Vergangenheit seine politischen Gegner verfolgt hat, behauptete am Dienstag, die Strafverfahren gegen Trump seien Teil der „Verfolgung eines politischen Rivalen aus politischen Gründen“.”

https://www.fr.de/politik/krieg-donald-trump-wladimir-putin-buendnis-russland-usa-republikaner-ukraine-zr-92519006.html

Tigre.di.montana
Tigre.di.montana
Universalgelehrter
1 Monat 26 Tage

Trump fordert die Freilassung der Inhaftierten? Wir fordern die Inhaftierung des Verbrechers.

faif
faif
Superredner
1 Monat 26 Tage

…der isch und bleib a gefohr!!

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Universalgelehrter
1 Monat 26 Tage

Das Tragische ist, dass er und seine Ideologie auch bei uns immer noch viel Zustimmung finden. Es gibt in Europa viele ähnlich tickende Parteien, mit mehr oder weniger gleichem Gedankengut, gleicher Anhängerschaft, gleicher Methodik, nur eben mit einer anderen Bezeichnung.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 26 Tage

Oh ja und gerade hiet liest man die jeden Tag und sie wissen nicht mal wen sie da ideologisch vertreten. Man kann sogar Sätze Trumps fast 1 zu 1 lesen. Alles unter der Prämisse Meinungsfreiheit.

Orch-idee
Orch-idee
Universalgelehrter
1 Monat 26 Tage

@N.G… Wir sind eben alle verschieden🙃….zum Glück gibt es noch die Meinungsfreiheit. 🤗

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Universalgelehrter
1 Monat 26 Tage

@Orch-idee: einen blutigen Putschversuch gutzuheißen und die Strafverfolgung zu verteufeln ist eines Präsidentschaftskandidaten eines Staates der westlichen Staatengemeinschaft zumindest unwürdig. Genauso unwürdig ist es, solche Angriffe auf die Demokratie als Meinungsfreiheit zu relativieren. Da gibt es nichts schönzureden. Wir alle müssen froh sein, dass dieser Anschlag durch die Geistesgegenwart einiger noch rechtzeitig vereitelt werden konnte, ohne deutlich mehr Blutvergießen. Aber dieser Geist ist leider immer noch in den Köpfen so mancher.

Buergerle
Buergerle
Tratscher
1 Monat 26 Tage

Trump gehört selbst da rein, nachdem er das ja heraufbeschworen hat.
Seife nicht vergessen!

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Universalgelehrter
1 Monat 26 Tage

Mit anderen Worten bestätigt er erneut und trotz laufender Verfahren gegen ihn, dass man ungestraft gewaltsam das Kapitol stürmen darf…..von Einsicht also keine Rede. Er würde wohl alles wieder gleich machen! Damit unterstützt zum ersten Mal in der Geschichte ein ehemaliger Präsident einen gewaltsamen Putsch. Und viele applaudieren ihm weiterhin zu. Wie tief sind manche, nein, viel zu viele, gefallen?!

Grantelbart
Grantelbart
Universalgelehrter
1 Monat 25 Tage

Nicht zu vergessen es gab Tote, also nicht nur eine kleine Sonntagsdemo wie man im Nachhinein gern suggeriert. Und das im Moment der Vereidigung des gewählten Siegers der mächtigsten Nation der Erde. Aber was solls Schwamm drüber, die nächste Wahl steht an.

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