Rettungs- und Aufräumarbeiten in Kiew

Über ein Dutzend Tote in Ukraine bei russischen Angriffen

Donnerstag, 16. April 2026 | 10:21 Uhr

Von: APA/Reuters

Russland und die Ukraine haben einander in der Nacht auf Donnerstag massiv angegriffen. In der Ukraine wurden nach Behördenangaben 16 Menschen getötet – das ist die höchste Zahl an Todesopfern in diesem Jahr. Unter den Toten sei ein zwölfjähriges Kind. Rund 100 Menschen seien verletzt worden. Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, sie habe in den vergangenen 24 Stunden 31 russische Raketen und 636 Drohnen abgefangen; zwölf Raketen und 20 Drohnen seien jedoch eingeschlagen.

Das Verteidigungsministerium in Moskau wiederum sprach von mehr als 200 abgeschossenen ukrainischen Drohnen. Trümmerteile stürzten nach Behördenangaben auf die Hafenanlage in Tuapse in der südrussischen Oblast Krasnodar und lösten einen Brand aus. Zwei Kinder im Alter von fünf und 14 Jahren seien ums Leben gekommen, teilte der Gouverneur der Oblast Krasnodar, Wenjamin Kondratjew, mit.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj appellierte an die Verbündeten seines Landes, den Druck auf Russland aufrechtzuerhalten und seinem Land die zugesagte Hilfe umgehend zukommen zu lassen. “Der Druck auf Russland muss wirken”, erklärte er auf der Online-Plattform X. Es könne keine Normalisierung geben. “Eine weitere Nacht hat bewiesen, dass Russland weder eine Lockerung der globalen Politik noch eine Aufhebung der Sanktionen verdient.”

Der ukrainische Vizeregierungschef Olexij Kuleba erklärte, die Rettungsarbeiten dauerten an. Die Zahl der Opfer könne daher noch steigen. Außenminister Andrij Sybiha forderte die internationale Gemeinschaft zum Handeln auf. “Alle Entscheidungen, die erforderlich sind, um den Druck auf den Aggressor zu erhöhen, müssen jetzt freigegeben werden”, schrieb er auf X. “Es ist unmoralisch, kontraproduktiv und gefährlich, Sanktionen gegen Russland oder Unterstützungspakete für die Ukraine zu verzögern.”

TOTE UND VERLETZTE IN KIEW, ODESSA UND DNIPRO

Unter den vier Toten in Kiew sei ein zwölfjähriges Kind, sagte der Bürgermeister der Hauptstadt, Vitali Klitschko. 54 Menschen seien verletzt worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Klitschko zufolge wurden etliche Gebäude schwer beschädigt. Die Stadt sei am frühen Donnerstagmorgen erneut angegriffen worden, sagte er. Eine sehr niedrig fliegende Drohne sei in einem 18-stöckigen Gebäude eingeschlagen. Zudem seien Raketentrümmer auf den sechsten Stock eines Wohnhauses im zentralen Bezirk Podil gestürzt. Rettungskräfte hätten eine Mutter und ihr Kind aus einem Gebäude befreit. In einem nördlichen Stadtteil sei ein Großbrand ausgebrochen, bei dem vier Mitarbeiter des Rettungsdienstes verletzt worden seien.

Auch andere Landesteile waren Ziel der russischen Angriffe, so die Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer. “Die Stadt wurde in der vergangenen Nacht in mehreren Wellen mit Raketen und Drohnen angegriffen”, schrieb der Leiter der örtlichen Militärverwaltung von Odessa, Serhij Lyssak, auf Telegram. Dort seien neun Menschen getötet und mehr als 20 verletzt worden. In Dnipro kamen dem Regionalgouverneur Olexander Ganscha zufolge zwei Menschen ums Leben, 30 wurden verletzt. Lyssak veröffentlichte Bilder von brennenden Wohngebäuden. Aus der nach Kiew zweitgrößten ukrainischen Stadt Charkiw im Nordosten wurden zwei Verletzte durch Drohnenangriffe gemeldet.

In den vergangenen 24 Stunden habe der Feind “zwei Wellen kombinierter Angriffe auf ukrainisches Territorium mit bodengestützten und luftgestützten Raketen sowie Kampfdrohnen” gestartet, teilte die ukrainische Luftwaffe auf Telegram mit. Insgesamt seien 703 Luftziele der Russen erfasst worden.

BRAND IN WICHTIGEM RUSSISCHEN ÖLHAFEN TUAPSE

Die russischen Streitkräfte haben nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau in der Nacht 207 ukrainische Drohnen abgefangen. Wie viele Drohnen die Ukraine tatsächlich abgefeuert hat und wie viele Ziele getroffen haben, teilt Russland in der Regel nicht mit. Unabhängig überprüfen lassen sich solche Angaben nicht. Trümmer abgeschossener Drohnen stürzten nach Angaben örtlicher Behörden auf die Hafenanlage von Tuapse und lösten einen Brand aus.

In Tuapse seien bei einem ukrainischen Drohnenangriff ein fünfjähriges und ein 14-jähriges Kind getötet worden, teilte der Gouverneur der Oblast Krasnodar, Wenjamin Kondratjew, mit. Er sprach von einem massiven Angriff auf die Stadt, der einen großen Brand ausgelöst habe. Tuapse ist einer der wichtigsten Häfen im Süden Russlands und dient als Drehscheibe für den Export von Erdölprodukten, Kohle und Düngemittel. Zudem befindet sich dort eine große Ölraffinerie gleichen Namens, die Rosneft, Russlands größtem Ölproduzenten, gehört.

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