Russische Angriffe treffen immer wieder Wohnhäuser wie hier in Dnipro

Umfangreiche, wechselseitige Luftangriffe Russland-Ukraine

Dienstag, 19. Mai 2026 | 15:44 Uhr

Von: APA/Reuters/dpa/AFP

Das russische Militär hat erneut über einen großflächigen ukrainischen Drohnenangriff in der Nacht auf Dienstag berichtet. 315 feindliche Flugobjekte seien abgefangen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Die Abschüsse erfolgten über fast allen Regionen des westlichen und zentralen Russlands einschließlich der Hauptstadtregion um Moskau. Die Zahl spricht für einen großen Angriff. Bei russischen Angriffen auf die Ukraine starben mindestens fünf Menschen.

Die russische Militärstatistik lässt aber – anders als die ukrainische Zählung – keine Rückschlüsse auf die Abfangquote zu. Ein Angriff zielte nach übereinstimmenden Angaben auf das Gebiet Jaroslawl an der Wolga nordöstlich von Moskau. Gouverneur Michail Jewrajew teilte mit, Drohnentrümmer hätten einen Brand in einem Industriebetrieb ausgelöst. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur Tass. Dem ukrainischen Generalstab zufolge wurde die Pumpstation einer Ölpipeline im Ort Semibratowo beschädigt. Dieser Ort liegt an der Fernstraße von Jaroslawl nach Moskau.

Außerdem sei die Raffinerie von Kstowo im Gebiet Nischni Nowgorod angegriffen worden. Dort sei ein Brand beobachtet worden. Zu diesem angeblichen Angriff gab es von russischer Seite keine Informationen. Der Generalstab der Ukraine hatte zuvor die Angriffe in den Regionen Nischni Nowgorod und Jaroslawl bestätigt.

Die ukrainische Armee beschießt seit Monaten systematisch Raffinerien, Pumpstationen und Exporthäfen der russischen Ölindustrie. So soll die Treibstoffversorgung der russischen Armee gestört werden, die Exportausfälle sollen die Kriegskasse des Kremls schmälern. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte auf X, die russische Raffineriekapazität sei in den vergangenen Monaten um zehn Prozent gesunken. In der Nacht auf Sonntag hatte ein massiver ukrainischer Drohnenangriff erstmals Schäden in Moskauer Vorstädten angerichtet.

Tote und Verletzte bei russischen Luftangriffen auf Ukraine

Durch russische Raketen- und Drohnenangriffe wurden im Nordosten der Ukraine mindestens fünf Menschen getötet und mehr als 20 verletzt. In dem Eisenbahnknotenpunkt Pryluky sei eine russische Rakete eingeschlagen, teilte der Gouverneur des Gebietes Tschernihiw, Wjatscheslaw Tschaus, auf Telegram mit. Es habe drei Tote und mindestens 21 Verletzte gegeben. Ein Toter war ein 15-jähriger Bub. Der Angriff habe einem Industriebetrieb gegolten. Ein Einkaufszentrum und ein benachbarter Supermarkt seien beschädigt worden.

In der Kleinstadt Hluchiw im Gebiet Sumy kamen nach örtlichen Angaben zudem zwei Menschen durch Drohnenangriffe ums Leben. Drei weitere Personen seien verletzt worden. Hluchiw liegt nur wenige Kilometer von der russischen Grenze entfernt.

Die ukrainische Luftwaffe meldete in der Früh, Russland habe über Nacht mit 209 Drohnen verschiedener Typen angegriffen. Davon seien 180 abgefangen worden. Ein Ziel war demnach der Donauhafen Ismajil. Dabei wurden nach Angaben örtlicher Behörden Hafenanlagen beschädigt. Fast alle Flugkörper seien abgeschossen worden, es gebe keine Opfer. Zudem wurden aus den Regionen Dnipropetrowsk, Mykolajiw und Saporischschja Angriffe gemeldet.

Russland beginnt großes Manöver seiner Streitkräfte

Parallel zum Besuch von Kremlchef Wladimir Putin in Peking begann Russland ein dreitägiges Großmanöver mit Zehntausenden Soldaten und Übungen seiner Nuklearkräfte. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, 64.000 Soldaten und 7.800 Stück Technik kämen zum Einsatz, darunter mehr als 200 Raketenabschussvorrichtungen.

An der Übung nähmen auch 140 Flugzeuge, 73 Marineschiffe und 13 U-Boote teil. Acht dieser U-Boote seien Träger von Nuklearraketen, meldete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass. Von den Seestreitkräften seien die Nordflotte im europäischen Norden Russlands und die Pazifikflotte im Fernen Osten beteiligt.

Tests mit ballistischen Raketen und Marschflugkörpern

Ziel sei, die Einsatzbereitschaft von Kommandostrukturen wie der Truppen bei der Abschreckung eines möglichen Gegners zu überprüfen, teilte das Militär mit. Es werde Tests mit ballistischen Raketen und Marschflugkörpern auf Zielgelände in Russland geben.

Schon am Vortag war mitgeteilt worden, dass auch der Einsatz der in Belarus stationierten Nuklearwaffen trainiert werde. Das Außenministerium der Ukraine erklärte dazu, Moskau mache Minsk zum Komplizen seiner Atomdrohungen. Putin wird am Dienstag zu einem zweitägigen Besuch in Peking erwartet – kurz nach einer Visite von US-Präsident Donald Trump.

Russland führt seit mehr als vier Jahren einen verheerenden Krieg gegen das Nachbarland. Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Rüstungshilfe, aber zunehmend auch mit eigenen Waffen.

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