VZS gegen Freibrief für WLAN an Schulen

„Unbrauchbares Landesgutachten“

Donnerstag, 18. Mai 2017 | 11:55 Uhr

Bozen – Die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) stellte heute im Rahmen einer Pressekonferenz die Ergebnisse einer Analyse vor, welche in Zusammenarbeit mit der internationalen Verbraucherorganisation „Diagnose Funk“ und dem hiesigen Netzwerk der „Bürgerwelle“ erarbeitet wurde. Die Autoren, M.A. Peter Hensinger und Dipl.-Ing. Jörn Gutbier, kritisierten aus wissenschaftlicher wie aus pädagogischer Sicht zahlreiche Stellen des Gutachtens der Landesregierung über die vermeintliche Unschädlichkeit von WLAN-Netzen an Südtirols Schulen.

2015 hatte im Landtag eine Anhörung zum Thema Mobilfunk stattgefunden, wobei einige unabhängige Referenten von der Verbraucherzentrale und dem Netzwerk der Bürgerwelle vermittelt werden konnten. Daraufhin hatte der Landtag einen Beschluss über die Anwendung des Vorsorgeprinzips in Südtirols Schulen und öffentlichen Gebäuden verabschiedet. „Hier war auch von der Notwendigkeit einer Bestandsaufnahme der elektromagnetischen Belastung im Land durch eine Expertenkommission die Rede, aber lange Zeit hörte man nichts mehr darüber, bis gegen Ende 2016 die Landesregierung den Landtagsabgeordneten ein Gutachten vorlegte, welches gerade das Vorsorgeprinzip bei Kommunikationsinstallationen (z.B. WLAN an Schulen) als unbegründet abstempelt. Auf diesem Gutachten basiert mittlerweile ein Beschlussantrag, welcher im heurigen Frühling angenommen wurde. Dieser animiert die Landesregierung zu noch mehr Engagement in der Realisierung von Funknetzen, vor allem an Schulen“, so die VZS.

Die heute vorgestellte Expertise bringt einige Elemente ans Licht, wie VZS-Geschäftsführer Walther Andreaus formulierte: „Das Gutachten der Landesregierung gibt den Weg frei für die Einführung digitaler mobiler Medien und WLAN an Schulen, in dem es einseitig Vorteile herausstellt, Nutzen und Risiken nicht gegeneinander abwägt und alle psychosozialen und strahlungsverursachten Risiken als vernachlässigbar darstellt.“

Die Autoren belegten im Einzelnen diese Aussage. Peter Hensinger: „Das Gutachten der Landesregierung verzerrt die Studienlage, enthält kein Konzept für eine Erziehung zur Medienmündigkeit. Den Abgeordneten werden pädagogische und medizinische Studienergebnisse vorenthalten. Die Abgeordneten werden desinformiert, die Schülerinnen und Schüler schutzlos den Risiken ausgeliefert“.

Armin Sparer, vom Netzwerk der Bürgerwelle Südtirol, fügte hinzu: „Der Bürger muss noch einmal Kenntnis davon nehmen, dass die politische Regierung des Landes offensichtlich andere Interessen als den Gesundheitsschutz der Bevölkerung anstrebt“.

Verbraucherzentrale, Bürgerwelle und Diagnose Funk fordern schließlich, dass das Vorsorgeprinzip weiterhin bei jeder Entscheidung zum Thema Kommunikation und EDV-Vernetzung herangezogen werden muss. Wichtige Aufgabe der Schule bleibe die Erziehung zur Medienmündigkeit, nicht die marktwirtschaftliche Erschließung von Bildung und Familie.

VZS-Geschäftsführer Walther Andreaus fordert nun die Landesregierung auf, das Gutachten unverzüglich zurück­zuziehen und eine unabhängige Expertengruppe mit den notwendigen Kompetenzen neu einzusetzen. Die Verbraucherzentrale bietet dabei ihre Hilfe an.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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10 Kommentare auf "„Unbrauchbares Landesgutachten“"


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Kompliziert...
Kompliziert...
Tratscher
9 Tage 21 h

Totales Handyverbot in Schulen, sein amerscht schun zu viel verseucht

genau
genau
Superredner
8 Tage 22 h

jaja….wir sollten alle im wald wohnen und trachten tragen 😀

matthias_k
matthias_k
Universalgelehrter
8 Tage 49 Min

@Kompliziert… 
muss schlimm sein, wenn man einfach nicht akzeptieren kann dass sich die Welt weiter dreht und verändert, egal wieviel man sich dagegen wehrt …. ist das nicht unglaublich anstrengend? 🙂 

gauni2002
gauni2002
Universalgelehrter
9 Tage 22 h

Gutachten sind wie Gelatine, man kann sie in alle Richtungen formen. 

matthias_k
matthias_k
Universalgelehrter
9 Tage 34 Min

…. da hast du Recht … du machst es uns bei Statistiken immer perfekt vor, dass man die auch ‘interpretieren’ kann … wenn sie zu deinen Gunsten sind zitierst du sie, wenn eine Statistik jedoch nicht mit deiner totalitären Weltanschauung zusammenpasst, ist sie ganz einfach manipuliert/’systemtreu’ oder Fake-News 🙂 
jaja der gauni, wie er immer versucht hier auf nette Art den LEuten seine Trollerei zu verbergen 🙂 

Johannes
Johannes
Neuling
9 Tage 14 h

Die Diskussion um WLAN an Schulen sei dahingeglhend einfach nur heisse Luft…. Denn fast jeder hat zu Hause ein Wlan eingeschaltet, nutzt es auf freien Plätzen und kriegt einen Anfall wenn ein Hotel kein Wlan hat, die Kinder sind hier nicht in Alufolie gepackt! Jeder der sein Handy auf Wlan suche einstellt wird erkennen, wie viele Wlan Netzwerke sich in den bereichen von Schulen finden, sei es von Privaten wie von Büros, deshalb ist die Diskussion über Strahlenbelastung an Schulen Altertumsdenken!
Aber wen wunderts, sind wir doch in Bereichen der Kommunikationsinfrastruktur hier in Südtirol im Mittelalter unterwegs…

Dublin
Dublin
Universalgelehrter
9 Tage 10 h

…in Dublin hon i WLAN auf jedem Stadtbus…☺

genau
genau
Superredner
8 Tage 22 h

Wichtiger wäre es die Stinkbelastung zu untersuchen!!!!
Ich habe herausgefunden dass es im Sommer manchmal nach Gülle stinkt!!!
Das belastet mich mehr als die paar Wlan-Router!!!

wetterwachs
wetterwachs
Neuling
9 Tage 1 h

verstehe nicht, wieso sie an den schulen nicht mit festnetz arbeiten können. das ist doch viel weniger störanfällig und viel zielgerichteter als w-lan

ivo815
ivo815
Tratscher
7 Tage 22 h

Herr Andreaus pocht mit Recht darauf, das Gutachten zurückzuziehen. Sieht ganz danach aus, als ob um Geld zu sparen, irgendwelche Pseudoanalysten engagiert worden sind. Dabei wäre es doch einfach, sich am benachbarten Ausland zu orientieren, anstatt das Rad neu erfinden zu wollen. Medienkompetenz in Schulen läßt sich auch ohne WLAN unterrichten, ist halt etwas mühseliger. Für jene mit dem Aluhut: Die Strahlung von WLAN-Netzen läßt sich nicht mit jener von Umsetzern, wie für den Mobilfunk gebräuchlich, vergleichen. WLAN in Bildungseinrichtungen ist heute ein Muss, so wie die Toiletten.

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