Von: APA/dpa/AFP
Während die Militärschläge der USA im Iran seit nunmehr zehn Nächten andauern, bemühen sich die Vermittler Berichten zufolge um eine neue Waffenruhe. Katar, Ägypten, Pakistan und andere regionale Vermittler hätten beiden Kriegsparteien einen Vorschlag für eine zehntägige Waffenruhe unterbreitet, berichteten das US-Nachrichtenportal “Axios” und das “Wall Street Journal”. Unterdessen wehrten Jordanien, Bahrain und Kuwait erneut einen iranischen Beschuss ab.
In der Nacht auf Dienstag seien fünf iranische Drohnen abgefangen worden, teilten die jordanischen Streitkräfte mit. Zudem seien drei iranische Raketen abgefangen und zerstört worden, Schäden oder Opfer wurden zunächst nicht gemeldet. In Jordanien sind wie in den Golfstaaten US-Soldaten stationiert. Auch Kuwait meldete in der Nacht die Abwehr “feindlicher Raketen- und Drohnenattacken” auf der Onlineplattform X. Darüber hinaus habe die Luftverteidigung von Bahrain mehrere aus Iran kommende Flugkörper abgefangen. Die Streitkräfte warfen dem Iran vor, gezielt Zivilisten und zivile Einrichtungen in Bahrain anzugreifen.
Vor dem Hintergrund anhaltender gegenseitiger Angriffe zwischen den USA und dem Iran fürchten Vermittler laut “Wall Street Journal” einen Kreislauf, in dem beide Konfliktparteien keinen umfassenden Krieg führen, aber die regionalen Volkswirtschaften auf unbestimmte Zeit beeinträchtigen.
Rolle Israels im Krieg zwischen Iran und USA
Die US-Regierung prüfe den Vorschlag der Vermittler derzeit und habe Israel aufgefordert, Maßnahmen zu vermeiden, die das diplomatische Fenster schließen könnten, zitierte “Axios” US-Beamte. Denn die Führung in Teheran verlangt für ein endgültiges Abkommen zur Beendigung des Krieges mit Washington nicht nur die Kontrolle über die Straße von Hormuz, sondern auch ein dauerhaftes Ende des militärischen Konflikts zwischen dem Erzfeind Israel und der mit ihr verbündeten Hisbollah.
Israel und die USA hatten den Iran im Februar angegriffen und damit den gegenwärtigen Konflikt ausgelöst. Nach Angaben des israelischen Finanzministers Bezalel Smotrich habe sein Land aber kein Interesse daran, sich in die Auseinandersetzung zwischen USA und Iran hineinziehen zu lassen. “Die aktuelle Situation, in der es einen begrenzten Konflikt zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten gibt, ist die richtige und beste für uns”, sagte Smotrich mehreren israelischen Medien zufolge auf einer Konferenz. Israels oberstes Ziel sei die Schwächung der Führung des Irans, und der beste Weg dorthin seien wirtschaftliche Maßnahmen, so der Minister.
Zehnte US-Angriffsnacht in Folge
Vorerst aber geht die Gewalt weiter. “Jedes Mal, wenn der Iran einen amerikanischen Soldaten tötet, wird er diesen Tod um ein Vielfaches bezahlen!”, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social, bevor das US-Militärkommando die jüngste Angriffswelle am Dienstag früh für beendet erklärte. Ziel seien wieder militärische Einrichtungen gewesen, darunter Luftverteidigungssysteme, Kommandozentralen und Startanlagen für Drohnen und Raketen, teilte das für die Region zuständige US-Kommando CENTCOM mit.
Iranische Medien berichteten zuvor über Explosionen unter anderem im Raum Konarak in der südöstlichen Provinz Sistan-Baluchestan, der Hafenstadt Chabahar am Golf von Oman, der Stadt Shiraz im zentralen Süden, bei der Insel Qeshm in der Straße von Hormuz sowie der Großstadt Bandar Abbas. Das US-Militär will mit den Angriffen Irans Attacken auf Handelsschiffe in der für den globalen Energiehandel wichtigen Straße von Hormuz unterbinden.
Tanker in der Straße von Hormuz attackiert
Dennoch wurde in der Meerenge erneut ein Tanker attackiert. Er sei vor der Küste des Omans von einem “unbekannten Geschoß” getroffen worden, meldete die britische Behörde zur Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO) in der Nacht. Der Vorfall ereignete sich vor der Küste des Omans. Der Sicherheitsfirma Ambrey zufolge handelt es sich um ein kuwaitisches Schiff, dessen Tanks bei dem Angriff beschädigt worden seien. Im Maschinenraum sei ein Feuer ausgebrochen, teilte Ambrey mit. Demnach hatte das Schiff seine automatischen Schiffsidentifizierungssysteme, mit denen über Funk Navigations- und Schiffsdaten ausgetauscht werden, zum Zeitpunkt des Vorfalls abgeschaltet.
Erst am Vortag war vor der Küste des Omans ein Schiff angegriffen worden und in Brand geraten. Sicherheitsfirmen zufolge gehört der betroffene Tanker dem griechischen Unternehmen Dynacom. Ein weiterer Tanker des Unternehmens wurde vor der omanischen Küste demnach fast zur selben Zeit angegriffen.
Der Iran verlangt, dass Schiffe eine Route entlang der eigenen Küste nehmen. Teheran hatte wiederholt erklärt, nur die vom Iran vorgegebene Route durch die Straße von Hormuz sei sicher.
Hungerkrise im Schatten der Blockade der Straße von Hormuz
Vor dem Hintergrund der Blockade in der Straße von Hormuz warnte das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt vor einer internationalen Hungerkatastrophe. Denn die Blockade betreffe nicht nur Öl- und Gasexporte, sondern auch die industrielle Landwirtschaft. Mit dem Gaspreis würden auch die Kosten für Kunstdünger steigen, der aus fossilen Rohstoffen gewonnen wird. Schon moderate Düngerpreissteigerungen würden bäuerliche Betriebe zwingen, weniger zu düngen. In der Folge würden Ernten schrumpfen und Lebensmittelpreise steigen.
“Es ist ein Déjà-vu von 2022, als mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine die Energiepreise und in der Folge die Nahrungsmittelpreise gestiegen sind”, erklärte Maria Katharina Moser, Direktorin von Diakonie Österreich und Brot für die Welt. “Die Landwirtschaft im globalen Süden ist nach wie vor von fossiler Energie und Düngemittelimporten abhängig – und die Menschen von Nahrungsmittelimporten. Dabei ist der Weg aus globalen Hungerkrisen längst bekannt: Investitionen in organische Dünger, Saatgut und agrarökologische Beratung.”
Aussichten auf Frieden ungewiss
Die USA und der Iran hatten Mitte Juni ein Rahmenabkommen vereinbart, das den Weg zur Beendigung des Krieges ebnen soll. Seit April galt zudem eine Waffenruhe, die Trump kürzlich aber für beendet erklärte. Auch Teheran fühlt sich inzwischen nicht mehr an die vorläufige Absichtserklärung gebunden. Somit bleiben die Aussichten auf Frieden im Krieg zwischen den USA und dem Iran ungewiss.
Unklar ist auch, ob eine der beiden Seiten bereit sein wird, eine erneute Einstellung der Kämpfe zu akzeptieren. US-Medien berichten, dass die USA vielmehr weitere Kampf- und Tankflugzeuge in die Region verlegen. Der iranische Chefverhandler Mohammad Baqer Qalibaf schrieb dazu auf X, dies zeige, dass es den USA nicht ernst damit sei, den Krieg beenden zu wollen.




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