Deutsche Verbände melden sich zu Wort

Verklagte Pestizidgegner: Umweltschützer sprechen von „Angriff auf Meinungsfreiheit“

Montag, 14. September 2020 | 10:33 Uhr

Bozen – Am morgigen beginnt vor dem Landgericht in Bozen der Strafgerichtsprozess gegen einen Mitarbeiter des Umweltinstituts München (UIM). Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des privaten Vereins, der Buchautor und Filmemacher Alexander Schiebel sowie sein Verleger vom oekom Verlag sind ebenfalls verklagt worden. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem üble Nachrede zum Schaden der Südtiroler Landwirtschaft.

Im Raum stehen immense Forderungen nach Schadensersatz. Der Südtiroler Landesrat für Landwirtschaft, Arnold Schuler, sowie mehrere Südtiroler Landwirtinnen und Landwirte hatten Anzeige erstattet und die Südtiroler Staatsanwaltschaft erhob daraufhin Anklage.

Umweltschützer aus Deutschland melden sich nun zu Wort: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Klima-Allianz Deutschland, der Worldwide Fund For Nature (WWF) und der Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) kritisieren etwa das Vorgehen der Politik und der Anzeige erstattenden Landwirte und Grundbesitzer scharf.

„Wir erklären uns solidarisch mit den Angeklagten und sind entsetzt über die Klage. Kritik und freie Meinungsäußerung sind elementare Bestandteile einer Demokratie. Die Meinungsfreiheit ist eine wertvolle Errungenschaft für unsere Gesellschaft und ist in der Europäischen Union im Vertrag von Lissabon verankert. Versuche, Kritikerinnen und Kritiker per Anzeigen und Klagen mundtot zu machen, verurteilen wir aufs Schärfste“, betonen die Verbände.

Durch die Klagen in Südtirol werde nach Auffassung der Verbände billigend in Kauf genommen, dass Bürgerinnen und Bürger wie auch Institutionen sich aus der Diskussion über umweltpolitische Fragen aus Angst vor unabsehbaren juristischen und wirtschaftlichen Folgen zurückziehen. Die Verbände halten es für dringend notwendig, „in Europa weiter eine offene und angstfreie Debatte über die Zukunft der Landwirtschaft zu führen“. Sie fordern die Kläger auf, ihre Anzeigen zurückzuziehen und mit Zivilgesellschaft, Kommunen und Bürgerinnen und Bürger in einen offenen Dialog zu treten, um gemeinsam europäische Landwirtschaft zu gestalten und dabei Gesundheit, Klima und Artenvielfalt zu schützen. Denn die Diskussion über Alternativen zum chemisch-synthetischen Pestizideinsatz im Südtiroler Obstanbau sei angesichts von Klimakrise und massivem Artensterben dringend geboten, so die Verbände.

In Südtirol wachsen auf rund 18.000 Hektar Anbaufläche Äpfel. Rund zehn Prozent der insgesamt in Europa geernteten Äpfel stammen von dort. Teilweise wird in den Apfelplantagen mehr als 20 Mal im Jahr gespritzt. „Die vor allem im Obstbau eingesetzten Insektizide und Fungizide verbreiten sich über den Wind und finden sich noch kilometerweit entfernt auf biologisch bewirtschafteten Feldern, Spielplätzen, Radwegen und in entlegenen Bergtälern wieder. Artenvielfalt und menschliche Gesundheit werden durch diese Pestizide beeinträchtigt“, erklären die Verbände.

Das Umweltinstitut München will gemeinsam mit Verbündeten zum Prozessauftakt am Dienstagvormittag ab 10.00 Uhr vor dem Landesgericht in Bozen eine Kundgebung veranstalten. Ziel sei es, gegen diesen „Angriff auf die Meinungsfreiheit“ protestieren.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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19 Kommentare auf "Verklagte Pestizidgegner: Umweltschützer sprechen von „Angriff auf Meinungsfreiheit“"


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Diezuagroaste
Diezuagroaste
Tratscher
5 Tage 10 h

Kritik zu ertragen und sogar darüber nachzudenken wäre angebracht. Wie viel Gift brauchen wir in unseren Böden und unserer Nahrung?
Ich finde die Klage sehr provinziell und trotzig. Ja, die Landwirtschaft ist bei uns wichtig! Aber unsere Bauern machen nicht alles richtig.

sophie
sophie
Superredner
5 Tage 9 h

Diezuagroasste

Ja weniger Gift auf unserem Obst und Gemüse wäre schon angebracht

So ist das
So ist das
Universalgelehrter
5 Tage 9 h

Kritik vertragen unsere Politiker wenig, da sind sie eher dafür, den Bürger einen Maulkorb aufzusetzen.
Aber dieses Mal ging der Schuss nach hinten los. Nicht nur, dass das Thema aktueller bleibt als je zuvor, sondern auch deutlich gezeigt wird, dass Kritik am System Südtirol nicht zu erfolgen hat.

So sig holt is
So sig holt is
Universalgelehrter
5 Tage 8 h

es kimmp af die Art der Kritik un… freie Meinungsäußerung jo, ober des mittn plakar in München usw isch nimmer lei kritik, zumal es a bio dynamischer betrieb wor der abgebildet wor… i konn a nit zb zu an Politiker oder sonst wem olls sogen, ohne worscheinlich anzeige zu kriagen… und bei die biologen isch kupfer, schwefel im boden woas nit ob hel iaz wirklich besser isch…

Spiegel
Spiegel
Superredner
5 Tage 8 h

Die Klage ist absolut richtig. Rufschädigung soll man sich nicht gefallen lassen. Und ihr Kommentar über GIFT ist so was von unrecherchiert. Ein Jahr ohne PSM auf der Welt und ihr bettelt um Essen. Die NGO wie Global 2000 sind Blender und verbreiter von Lügen.

Spiegel
Spiegel
Superredner
5 Tage 8 h

Seit Bio eingeführt wurde steigt der verbrauch von PSM.

Brixbrix
Brixbrix
Superredner
5 Tage 9 h

wos regen sich der guate Schuler und die Bauern so au??
sie spritzen jo extrem viel is gonze Johr!!
die Wohrheit vertrogn se net leicht

luki
luki
Grünschnabel
5 Tage 10 h

i kaf zu 100% lei bio gemüse und obst von lokalen londwirten. de gspritzte sch… wur i nitemol in schweine zun fressen gebm!

sophie
sophie
Superredner
5 Tage 6 h

@luki

Wer glaubt wird selig sagt man.
BIO ahaaaa ???

Reitiatz
Reitiatz
Superredner
5 Tage 8 h

zearsch stelln sie a gonzes lond blous und wenn sie zu recht verklogg wearn plerrn sie wia kloane kindr umanond 🤷🏼‍♂️

traurig
traurig
Tratscher
5 Tage 8 h

De solln schaugn dass sie‘s draussn drschissln und net ba ins do gscheide sein. Vor dr eigenen Haustir kehrn!!!!! Zem hobm sie Orbeit genue…..

Maurus
Maurus
Tratscher
5 Tage 9 h

Man muss über alles reden. Aber so wie der Ösi Scheibel vorgeht ist nicht korrekt.

Reingefallen sind die Malser Bürger, welche nun zerstrittener den je sind

So sig holt is
So sig holt is
Universalgelehrter
5 Tage 5 h

hel denk i a

Neumi
Neumi
Kinig
5 Tage 9 h

Wenn sie unschuldig sind, wird’s das Gericht schon bestätigen.
Freie Meinungsäußerung und üble Nachrede sind zwei verschiedene Dinge.

Zufällig Radfahrer in Schutzkleidung zu fotografieren, ist eine Sache. Sie vor Ort hinzubringen, damit sie fotografiert werden können, ist eine andere. Klar wird dagegen geklagt und damit haben sie auch gerechnet.
Eine “Diskussion” wie von den Umweltverbänden gefordert, geht anders.

Das Ganze war von Anfang an eine Schmierenkomödie, warum sollte sich jetzt was daran ändern?

meinungs.freiheit
5 Tage 9 h

In Südtirol ist noch einiges Verbesserungsbedürftig, sogar der Proporz wird ausgehebelt in der weltbesten (Fantasie) Autonomie mancher Politiker.

Parteikartl
Parteikartl
Tratscher
5 Tage 9 h

Da hmma den Salat….
Doch die SVP (des Südtirolers Vertreter Partei) fühlt sich über dem Gesetz.
Daher die unteren “Reihen” haben zu kuschen, auch wenn sie im recht sind.
Das ist auch in verschiedenen “Verwaltungen” dasselbe Bild ´, entweder es wird mit dummen Ausdrücken geantwortet oder ignoriert und ausgesessen…
Unsre besten SVP Mitglieder können wir nicht (fallen) dem Schicksal überlassen…..

Rockdaflow
Rockdaflow
Neuling
5 Tage 6 h
Ich bin Befürworter freier Meinungsäußerung und der Demokratie. FALSCHMELDUNGEN und POPULISMUS sollten aber nicht eingesetzt werden, um funktionierende Systeme aus Missgunst zu schädigen. Wir hinterfragen auch nicht die Finanzierungsquellen verschiedener Nichtregierungsorganisationen, welche vielleicht auf “Menschenfang” mit “populistischen” Unwahrheiten basieren?? In Südtirol wird gesundes Obst produziert auf höchster Qualität, in den Feldern gibt es eine große Artenvielfalt und gute Bodenqualität. Viele der Kritiker mögen zwar studiert sein, aber haben nie einen Schritt in ein Apfelfeld gemacht. Die Technik der Analyseverfahren hat sich so verfeinert, dass man ALLES findet im Mikrobereich, was man sucht. Wo die Freiheit des einen beginnt, hört die… Weiterlesen »
Tratscher
5 Tage 7 h

Sudtirol zeigt sich mal wieder als engstirnig Dorf wo Kritik nicht geduldet wird. Peinlich.

nini
nini
Neuling
5 Tage 6 h

des isch natürlich viel die bessere werbung fir südtirol🤣🤣🤣

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