Von: APA/dpa
Nach Inkrafttreten einer Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah haben sich seit den frühen Morgenstunden des Freitags tausende Menschen im Libanon auf den Weg zurück in ihre Heimatorte gemacht. Auf den Straßen in Richtung Süden bildeten sich Augenzeugen zufolge lange Staus. Zahlreiche Fahrzeuge waren dicht bepackt und mit Matratzen und weiteren Habseligkeiten beladen. Einige schwenkten Hisbollah-Fahnen aus dem Fenster, andere zeigten das Siegeszeichen mit den Händen.
“Ich bin so glücklich”, sagte Mahmud, der sich auf den Weg in seine Heimatstadt Nabatiya gemacht hat. “Ich werde mein Zelt auf meinem zerstörten Haus aufstellen und wieder zu Hause wohnen.” Eine andere Rückkehrerin sagte der Deutschen Presse-Agentur: “Wir wissen, dass die Waffenruhe auf zehn Tage begrenzt ist, aber wir müssen zurückgehen und sehen, was von unseren Häusern übrig ist.”
Großflächige Zerstörung, mehr als eine Million Vertriebene
Im Südlibanon und in denen als Dahiya bekannten südlichen Vororten Beiruts herrscht nach Wochen des Kriegs großflächige Zerstörung. Viele Verbindungswege in Richtung Süden wurden während des Kriegs vom israelischen Militär angegriffen und zerstört. Die libanesische Armee kündigte am Morgen an, an der Wiedereröffnung einer wichtigen Brücke in Richtung Süden zu arbeiten.
Nach mehr als sechs Wochen Krieg trat um Mitternacht eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah in Kraft. Mehr als eine Million Menschen wurden durch die jüngste Eskalation vertrieben.
Israels Armee hatte kurz nach Inkrafttreten die Bewohner im Libanon dazu aufgerufen, sich nicht südlich des Litani-Flusses – etwa 30 Kilometer von der israelischen Grenze entfernt – zu begeben. Ein Großteil der Binnenvertriebenen stammt aus dem betroffenen Gebiet.
Hisbollah behält “Hände am Abzug”
Die Kämpfer der vom Iran unterstützten Hisbollah im Libanon werden nach eigenen Angaben “ihre Hände am Abzug” behalten. In einer Stellungnahme der Schiitenorganisation hieß es, man bleibe wachsam gegenüber “dem Verrat und der Heimtücke des Feindes.”
Seit Beginn des Krieges habe die Miliz der Organisation durchschnittlich 49 Operationen pro Tag durchgeführt. Mehr als 2.000 Militäroperationen seien veröffentlicht worden, hieß es weiter. Dabei handle es sich um Konfrontationen mit israelischen Truppen im Südlibanon sowie um Angriffe auf deren Stellungen und Militärstützpunkten in Israel. Ihre Operationen hätten auch auf israelische Orte und auf Städte wie Tel Aviv abgezielt.
Israel: Entwaffnung der Hisbollah bleibt zentrales Ziel
Israel pocht trotz der Waffenruhe darauf, dass die Hisbollah-Miliz entwaffnet wird. “Das von uns definierte Ziel – die Entwaffnung der Hisbollah mit militärischen oder politischen Mitteln – war und bleibt das Ziel des Einsatzes”, sagte Verteidigungsminister Israel Katz in einer Videobotschaft. Der Vorstoß israelischer Bodentruppen sowie die Luftangriffe auf die vom Iran unterstützten Hisbollah-Kämpfer hätten viele Erfolge gebracht, seien aber noch nicht abgeschlossen.
Libanon meldet Tote von Angriffen
Bei israelischen Angriffen auf die südlibanesische Küstenstadt Tyrus sind kurz vor Eintritt der Waffenruhe mit der Hisbollah nach libanesischen Angaben 13 Menschen getötet worden. Vier Gebäude im Zentrum der Stadt seien bei den Angriffen getroffen worden, bestätigte der libanesische Zivilschutz der Deutschen Presse-Agentur. Auf Bildern von Anrainern waren die komplett zerstörten Häuser zu sehen.
“Wir haben bisher 13 Leichen geborgen und gehen davon aus, dass sich noch mehr als 20 Menschen unter den Trümmern befinden”, sagte der Leiter des Zivilschutzes in Tyrus, Musa Nasrallah, der dpa. Es seien bisher mehr als 35 Verletzte gezählt worden. Die Suche nach weiteren Opfern dauere noch an. Die Angriffe erfolgten Nasrallah zufolge kurz vor Inkrafttreten der Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah. Auch kurz danach habe noch ein Angriff eines der Gebäude getroffen. Das israelische Militär äußerte sich zunächst nicht.




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