Von: mk
Kyjiw – Genau heute vor vier Jahren hat der russische Überfall auf die Ukraine begonnen. Trotz kontinuierlicher Attacken auf die Zivilbevölkerung und der wankelmütigen Unterstützung seitens der US-Administration unter Präsident Donald Trump schafft es die Ukraine mit Hilfe westlicher Verbündeter der Aggression standzuhalten – ein Rückblick zum traurigen Jahrestag.
Am 21. Februar 2022 erkannte Russland die Unabhängigkeit der unter russischem Einfluss stehenden „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk an. Eine angebliche Bedrohung Russlands durch die Ukraine diente Putin als Vorwand für eine groß angelegte Invasion; diese begann am Morgen des 24. Februar 2022 gleichzeitig von Süden, Osten und Norden.
Während staatliche Medien in den Russland den von Wladimir Putin befohlenen Angriffskrieg euphemistisch „Spezialoperation“ nennen, hat der Einfall in ihr Land die Bevölkerung in der Ukraine stark zusammengeschweißt. Während Soldaten tapfer an der Front kämpfen und ein Vorrücken der russischen Truppen verhindern, geht das zivile Leben in der Ukraine weiter – trotz russischer Raketen- und Drohnenangriffe auf die Strom- und Wasserversorgung, auf Städte und Wohnungen. Kriegsverbrechen werden zum Alltag.
Statt eines Durchmarschs geht es an der Front um Abnutzung. Es handelt sich um den größten Krieg in Europa seit 1945. Gleichzeitig erweist sich der militärische Konflikt als wahrer Innovationstreiber: Drohnentechnologie und militärisches Know-how entwickeln sich rapide.
Zahlen über militärische Verluste sind unterdessen mit Vorsicht zu genießen. Die US-Denkfabrik Center for Strategic and International Studies (CSIS) geht von 500.000 bis 600.000 Verlusten, darunter 100.000 bis 140.000 Todesopfer, auf ukrainischer Seite aus. Russland habe indes laut CSIS etwa 1,2 Millionen Verluste (Gefallene, Verwundete und Vermisste), darunter bis zu 325.000 Tote, zu beklagen.
Viele Ukrainer sind müde. Auch die EU muss immer wieder diplomatische Kunststücke leisten, um das Land weiter zu unterstützen – nicht nur wegen Trump, sondern auch weil Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán und sein slowakischer Amtskollegen Robert Fico immer wieder Sanktionsmaßnahmen der Europäischen Union gegen Russland blockieren. Einen russischen Diktatfrieden will die Mehrheit in der Ukraine dennoch nicht akzeptieren.
Trotz der Schrecken des Krieges fühlen sich die Ukrainer moralisch bereits jetzt als Sieger und tragen diese Einstellung auch in den sozialen Netzwerken zur Schau – oft mit beißendem Humor. Russland bleibt dagegen weiterhin international isoliert, leidet wirtschaftlich immer deutlicher unter den Sanktionen und ist von seinen ursprünglich ausgerufenen Kriegszielen immer noch Lichtjahre entfernt. Nur knapp ein Fünftel der Ukraine ist nach vier Jahren von den Russen besetzt. Obwohl Russland die gesamten Donbass verlangt, wurden auch dort noch nicht alle Gebiete erobert.
Der ukrainische Präsident Selenskyj konnte sich ebenfalls anlässlich des Jahrestags bei seiner Videoansprache Spott über den Kremlchef nicht verkneifen: „Heute ist es genau vier Jahre her, dass Putin Kyjiw in drei Tagen eingenommen hat“, erklärte der ukrainische Präsident süffisant und spielte damit auf Aussagen aus Russland zu Kriegsbeginn an, die sich als erhebliche Fehleinschätzung herausstellen sollten.
Anton Gerashchenko, Berater des ukrainischen Innenministeriums, postete auf der Plattform X zum Jahrestag ein Video, das wichtige Siege und Errungenschaften der Ukrainer, den blutigen Horror und entscheidende Wendepunkte in vier Jahren Krieg zusammenfasst – Bilder, die für Erschütterung und Staunen zugleich sorgen.
Today marks the 1,462nd day of the full-scale war that has changed the fate of millions of people.
Ukraine has come a long way in our fight against evil – Putin’s Russia.
▪️ Day 1 – Putin announces the start of the "special military operation."
▪️ Day 2 – Russian airborne… pic.twitter.com/LfI7ja4Xte
— Anton Gerashchenko (@Gerashchenko_en) February 24, 2026
Gleichzeitig veröffentlichte Gerashenko auf X einen Clip von Ian McKellen, der ein Gedicht des ukrainischen Schriftstellers Artur Dron liest. Der Text lässt Mut schöpfen und verschafft einen kleinen Einblick in den ukrainischen Kampfgeist.
Ian McKellen reads a poem called The First Letter to the Corinthians.
It was written by Artur Dron, Ukrainian Defender, writer, poet.
Please listen to it. These words are powerful and true.
"Love digs trenches and lives in them, gnawing on ice from a hacked up plastic bottle.… https://t.co/qrsMbEwdaW pic.twitter.com/SETvrvYZjA
— Anton Gerashchenko (@Gerashchenko_en) February 24, 2026
Wörtlich übersetzt lautet der Text:
Die Liebe gräbt sich Gräben und haust darin, sie nagt an Eis aus zerschundenem Plastik. Vom Durst gepeitscht bei minus zwanzig Grad, zieht sie hinaus in den harten Dienst; bezieht Stellung mit Fieber, Knochenbrüchen und Not, erschüttert, gezeichnet, von Atemnot schwer – wohl wissend, dass ihr der Rückweg mit hoher Wahrscheinlichkeit verwehrt bleibt.
Und manchmal schließt die Liebe die Augen der Gefährten, hüllt sie in Schlafsäcke und trägt sie fort. Die Liebe hört niemals auf.
Prophezeiungen, die es gibt, werden enden. Zungen werden schweigen. Wissen wird vergehen.
Denn manchmal, wenn die Schüsse aufhören, schließen Gefährten der Liebe die Augen, hüllen sie in Schlafsäcke und tragen sie fort. Und dann geht sie über in jene, die noch atmen.




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