Sorge vor großangelegter Bodenoffensive im Libanon

Westliche Staaten: Libanon-Bodenoffensive ist abzuwenden

Montag, 16. März 2026 | 21:43 Uhr

Von: APA/AFP/dpa

Fünf westliche Staaten haben Israel zum Verzicht auf eine großangelegte Bodenoffensive im Libanon aufgerufen. “Eine signifikante israelische Bodenoffensive hätte verheerende humanitäre Folgen und könnte zu einem langwierigen Konflikt führen. Dies gilt es abzuwenden”, hieß es in einer Montagabend veröffentlichten gemeinsamen Erklärung der Staats- und Regierungschefs und -chefinnen Deutschlands, Frankreichs, Italiens, Kanadas und Großbritanniens.

Die Entscheidung der Hisbollah, sich seit Beginn des Iran-Kriegs den Angriffen Teherans auf Israel anzuschließen, gefährde “den Frieden und die Sicherheit in der Region”, betonten die westlichen Verbündeten. Sie verurteilten die Angriffe der Hisbollah auf Israel ebenso wie die Angriffe, die sich gegen die Zivilbevölkerung, medizinisches Personal und die UNO-Mission im Libanon richteten. Außerdem bekräftigten sie ihre Forderung nach einer Entwaffnung der Hisbollah.

Unterdessen kündigte ein israelischer Militärsprecher an, den Einsatz von Bodentruppen im Süden des Libanon auszuweiten. Die Armee mobilisiere weitere Reservisten, sagte Sprecher Effie Defrin. Gegenwärtig seien bereits mehr als 100.000 Reservesoldaten an allen Fronten im Einsatz.

Nach Vereinbarung einer Waffenruhe nach einem einjährigen Krieg mit der libanesischen Hisbollah-Miliz im November 2024 hatte die israelische Armee sich zunächst zurückgezogen. In fünf Posten im Südlibanon blieben jedoch weiterhin Truppen stationiert. Nach Beginn der Raketenangriffe der Hisbollah nach Beginn des Iran-Kriegs habe Israel weitere 15 Positionen im Südlibanon eingenommen, sagte Defrin.

Schutz der Einwohner als Ziel

“Wir haben im Norden die Truppen verstärkt und werden den Einsatz in den kommenden Tagen vertiefen”, sagte er. Israels Armee hatte eigenen Angaben zufolge in den vergangenen Tagen bereits “begrenzte und gezielte Bodeneinsätze” im Süden des Nachbarlands Libanon begonnen. Ziel seien aktive Hisbollah-Mitglieder sowie die Infrastruktur der Miliz. Es sei die Intention, die Einwohner des Nordens vor den Hisbollah-Angriffen zu schützen. Im Libanon besteht die generelle Sorge einer großangelegten Bodeninvasion Israels mit anschließender Besatzung im Süden des Landes.

Nach dem Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar hatte die vom Iran finanzierte Hisbollah den Norden Israels unter Beschuss genommen. Seither nimmt die israelische Armee Ziele im Libanon ins Visier, insbesondere in Gebieten, die als Hisbollah-Hochburgen gelten. Dazu zählen der Süden des Landes, die südlichen Vororte der Hauptstadt Beirut und die ostlibanesische Bekaa-Ebene.

Bei den israelischen Angriffen wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums 886 Menschen getötet und mehr als 2.100 weitere verletzt. Mehr als eine Million Menschen seien seit dem Wiederaufflammen des Konflikts zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon vertrieben worden, erklärten die libanesischen Behörden am Montag.

Bereits während des Gazakriegs nach dem Hamas-Großangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 hatte die Hisbollah den Norden Israels unter Beschuss genommen. Daraufhin verließen in Israel 60.000 Menschen infolge einer Evakuierungsaufforderung der Behörden ihre Häuser.

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