Bozens Zivilgesellschaft bleibt länger im Einsatz

Winterhäuser verlängern Öffnungszeit bis Ende März

Donnerstag, 13. Februar 2020 | 17:13 Uhr

Bozen – Ein Dach über dem Kopf und ein Leben in Würde: Das schenkt Bozens Zivilgesellschaft seit 10. Dezember 50 obdachlosen Frauen und Männern im Winterhaus I in der Carduccistraße in Bozen. Im Winterhaus II im ersten Stock des Zeilerhofes in Gries hingegen wohnen drei Familien und zwei Frauen mit insgesamt 14 Mitgliedern. Ursprünglich war vorgesehen, die beiden Einrichtungen bis 10. März 2020 offen zu halten. Doch die vermutete Kälte im März und die mangelnden Alternativen für obdachlose Menschen haben die 100 Freiwilligen bewogen, die beiden Winterhäuser bis 31. März zu betreiben. Danach ist die Politik in der Pflicht.

Seit 10. Dezember 2019 schlafen im Winterhaus I (des Unternehmers Heiner Oberrauch) in der Carduccistraße in Bozen 50 Menschen und seit 21. Jänner 2020 im Zeilerhof in Gries im Winterhaus II (des Unternehmers Hellmuth Frasnelli) 14 Menschen auf einem Stockwerk und 20 eingewanderte Männer mit Arbeitsvertrag auf zwei Stockwerken im Rahmen des Projektes „Living in dignity“. Sie alle mussten bis Dezember entweder im Freien schlafen oder waren in einem einzigen großen Schlafsaal in der Comini-Straße untergebracht. Die beiden Winterhäuser sind kleinstrukturiert und schenken Schutz und Würde. Gestern wurde entschieden, dass sie nicht bereits am 10. März 2020 ihre Tore schließen, sondern erst drei Wochen später am 31. März.

In Bozen haben sich die Rahmenbedingungen für obdachlose Menschen nicht verändert, bedauern die Betreiberinnen und Betreiber der beiden Winterhäuser. Es seien keine alternativen Unterkünfte für sie entstanden und die Tage im März können bitterkalt sein. Es sei daher nicht zu verantworten, die obdachlosen Menschen einfach in der Kälte sich selbst zu überlassen, sagen die engagierten Freiwilligen rund um Paul Tschigg, Federica Franchi und Cornelia von Hohenbühel. Heiner Oberrauch hat sein Bauvorhaben aufgeschoben und stellt die Einrichtung bis Ende März bereit.

100 Freiwillige haben seit Eröffnung des Winterhauses I in der Carduccistraße in Bozen Nachtdienst geleistet: Sie öffnen das Haus abends um 20.00 Uhr auf, schlafen dort und sperren es in der Früh wieder zu. Bis 22.00 Uhr können die Gäste ins Winterhaus kommen, am Morgen verlassen sie es innerhalb 8.00 Uhr. Bis heute gab es keine Schwierigkeiten beim Finden von Freiwilligen, im Gegenteil: Sie tun jeweils zu zweit Dienst, kochen Tee, nehmen die Registrierung vor und haben ein offenes Ohr für die Anliegen der Gäste. Auch die obdachlosen Menschen haben sich an den Rhythmus gewöhnt: Sie kommen abends pünktlich ins Winterhaus I, sind froh um ein warmes Bett und verlassen es am Morgen wieder. Sie sorgen selbst für die Sauberkeit in den Zimmern. Auch verschiedene Betriebe haben sich in den vergangenen Wochen eingebracht, haben Pölster, Betten und Wäsche zur Verfügung gestellt, das Waschen der Bettwäsche kostenlos übernommen, Tee und Kekse bereitgestellt.

Insgesamt haben 70 Gäste bisher im Winterhaus ! in der Carduccistraße übernachtet. Nach der Eröffnung des Zeilerhofes am 21. Jänner sind einige eingewanderte obdachlose Männer dorthin übersiedelt, weil sie sich im Projekt „Living in dignity“ mit einem gültigen Arbeitsvertrag um eine Unterkunft beworben haben. Vom Winterhaus I in der Carduccistraße in das Winterhaus II in den Zeilerhof sind zwei Frauen und drei Familien übersiedelt, weil sie sich dort auch tagsüber aufhalten können und nicht um 8.00 Uhr verlassen müssen. Die drei Familien aus dem Libanon, aus Irak und Kolumbien haben insgesamt sechs kleine Kinder, vier davon sind schulpflichtig und gut in Bozner Schulen integriert.

Trotz allem sind in Bozen weiterhin mindestens zwei Dutzend Menschen auf der Straße. Sie schlafen in Parks, am Flussufer und unter Brücken. Bei einem Treffen mit dem Bozner Sozialassessor Juri Andriollo und Vizebürgermeister Luis Walcher haben die Verantwortlichen der beiden Winterhäuser auf die prekäre Lage der obdachlosen Menschen in Bozen aufmerksam gemacht. Es dürfe nicht sein, dass die Zivilgesellschaft einspringen müsse, weil Politik und Verwaltung versagen, betonten sie. Die beiden Winterhäuser seien schnell und unbürokratisch entstanden und würden von engagierten Freiwilligen sicher und mit viel Einsatz geführt. Die Zivilgesellschaft habe gezeigt, was mit gutem Willen und tatkräftigem Tun möglich ist. Die Betreiber der beiden Winterhäuser hoffen, dass ab April die Politik die Verantwortung übernimmt.

Von: mk

Bezirk: Bozen

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