Bitte nicht in unsere sensiblen Gewässer!

Wohin mit dem (verschmutzten) Räumschnee?

Donnerstag, 21. Januar 2021 | 17:22 Uhr

Bozen – In schneereichen Wintern wie dem heurigen wird das Problem mangelnder Räumschneekonzepte offensichtlich: Die Gemeinden wissen nicht wohin mit den Schneemassen und wählen den einfachsten Weg – die Entsorgung in unsere Bäche und Flüsse, auf Kosten der Umwelt. Darauf macht der Fischereiverband Südtirol in einer Presseaussendung aufmerksam.

Während das Einbringen von Räumschnee in die Gewässer in Deutschland sowie Oberösterreich verboten und in Tirol und der Schweiz zumindest genau geregelt ist, hinkt Südtirol hinterher. Bei uns sind die Regelungen zum Umgang mit Räumschnee derzeit zu unspezifisch und unverbindlich gehalten.

Im Band B des Entwurfes zum Gewässerschutzplan heißt es etwa recht schwammig, dass die Einbringung von Räumschnee in Fließgewässer nur in Ausnahmefällen zulässig ist, und zwar bei außergewöhnlich starken Niederschlägen, wenn die Lagerflächen, welche die Gemeinden ausweisen “sollen”, ihre maximale Kapazität erreicht haben und sofern es sich um “geeignete” Fließgewässer handelt (im Sinne des Abflussverhaltens des Gewässers, wohlgemerkt, nicht etwa aus ökologischer Sicht). Der Fischereiverband stellt sich nun die Frage: Aber wie sind “außergewöhnlich starke” Niederschläge definiert? Werden Gemeinden Lagerflächen ausweisen, wenn sie es nur “sollen”?

Aus ökologischer Sicht gebe es keine Fließgewässer, die für das Einbringen von Räumschnee “geeignet” sind. Der übermäßige Eintrag von verunreinigtem Räumschnee wirke sich durch mechanische und chemische Belastungen negativ auf den ökologischen Zustand eines Gewässers aus, insbesondere auf die Fischfauna und die Fischnährtiere. Die chemische Belastung auf die Ökologie in den Gewässern werde bis dato in der Bewertung von Räumschnee komplett unterschätzt. Neueste Erkenntnisse, auch im Zusammenhang mit dem Abrieb von Reifen, würden aber aufzeigen, wie stark chemische Verunreinigungen auf Fische und Fischeier wirken.

„Hinlänglich bekannt ist hingegen, dass der mit dem Schnee eingebrachte Streusplitt problematisch ist. Das scharfkantige Material besitzt andere Ablagerungseigenschaften als z.B. Kies. Es ist davon auszugehen, dass sich der Splitt im Lückensystem des Gewässergrundes dauerhaft hält. Davon sind sowohl Laichplätze von Fischen betroffen als auch Jungfischlarven, die einen Teil ihrer Entwicklung im Lückensystem der Gewässersohle verbringen. Beim Schlagen der Laichgruben können sich Fische am scharfkantigen Splitt Haut- und Flossenverletzungen zufügen, was wiederum Pilzerkrankungen fördern kann. Wird das Lückensystem verstopft, droht eine Unterversorgung der Fischlarven mit Sauerstoff. Auch das Schlüpfen der Fischlarven ist nicht mehr oder nur mehr erschwert möglich“, erklärt der Fischereiverband Südtirol.

Die schabende Wirkung der abdriftenden Eis- und Schneeschollen könne außerdem zum Abrieb des Aufwuchses auf der Sohle, zur Beeinträchtigung des Fischlaiches und zu einer ausgedünnten Besiedelung durch Makrozoobenthos sowie Phytobenthos führen.

„Die Folge wäre eine nur sehr dünne Besiedelung vor allem der flachen Uferbereiche und Schotterbänke durch Fischnährtiere. Ein weiterer negativer Aspekt kommt bei Kleinstgewässern zum Tragen. Werden große Schneemengen eingebracht, wird das Gewässer oberhalb zumindest teilweise zurückgestaut, unterhalb fällt es trocken. Bei zahlreichen Gräben im Etschtal und im Vinschgau ist dies leider Realität“, erklärt der Präsident des Fischereiverbandes Südtirol, Markus Heiss.

Sein Fazit lautet: „Zahlreiche unserer Fließgewässer sind bereits heute einer Häufung von unterschiedlichen Beeinträchtigungen ausgesetzt: harte Uferverbauungen, nicht fischpassierbare Querbauwerke, fehlende Habitats-Strukturvielfalt, hydrologische Belastungen wie Schwall und Restwasser, Einträge von chemischen Substanzen wie Hormone und Medikamente, die durch Kläranlagen nicht entfernt werden, sowie Fischprädatoren.“

Eine weitere Verschärfung der Situation in unseren Fließgewässern sollte unterbleiben, auch weil sie sich im Fall von Räumschnee vermeiden lasse.

Dem Fischereiverband Südtirol sei durchaus bewusst, dass die Gemeinden eine Verpflichtung haben, innerörtliche Straßen, Gehsteige und Parkplätze zu räumen und dies zurecht auch als geschätzten Dienst an ihren Bürgern sehen. „Straßen laufen meist entlang von Gewässern und die Entsorgung von Räumschnee in diese bietet sich an, da es immer schon so gemacht wurde und da die Schneeräumung dadurch zweifelsfrei beschleunigt wird und zudem kosteneffizient ist. Allerdings sollten wir uns in einem Südtirol, das gerne zum grünen Vorzeigeland werden möchte, schon fragen, ob die derzeitige gelebt Praxis des Entsorgens von verschmutztem Räumschnee in unsere Gewässer noch zeitgemäß ist. Vor allem da die Öffentliche Verwaltung in diesem Fall der Hauptakteur ist“, so der Fischereiverband Südtirol.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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18 Kommentare auf "Wohin mit dem (verschmutzten) Räumschnee?"


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Mikeman
Mikeman
Kinig
1 Monat 4 Tage

Fischereiverband ? ist doch ein Witz wenn bald die ganzen Gewässer mit Fischbestand zugrunde gerichtet worden sind.

Plodra
Plodra
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

So kompliziert ist Natur! Da kann nicht einfach alles in den Bach gebaggert werden. Und was tut sich jetzt? Gibt es sofort eine entsprechend angepasste Regelung? Werden die Räumdienst angewiesen, solche Praktiken zu vermeiden?

geforce
geforce
Tratscher
1 Monat 3 Tage

ja umbedingt, das ist das wichtigste jetzt

Lana2791
Lana2791
Tratscher
1 Monat 3 Tage

In Schnea liegn lossn, sou wia frier und zem wor wesentlich mear! Der dergeat alluan ober a zem rinnt s Schmelzwosser über die Oberflächenentwässerung in die Bäche inni!

eineins
eineins
Grünschnabel
1 Monat 3 Tage

An Meter und mehr Schnee liegen lassen wo wonsch du Unterlond zem isch fein reden😳🤔

PuggaNagga
1 Monat 3 Tage

Irgendwo muss er hin, der Schnee!
Und sonst muss man halt die harte Tour gehen. In einer Halle zum Schmelzen bringen, das Schmelzwasser filtern und kontrolliert und sauber abfliessen lassen.
Kostet natürlich unmengen Geld und der Transport mit LKW ist auch nicht ökologisch.
Sehr, sehr schwierig die beste und sauberste Lösung zu finden.
Evtl. mit Pferden und Kutschen, das wäre eine grüne Lösung, aber da muss einer die Pferdeäpfel beseitigen…

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

So geht´s auch “Sage und schreibe zwei Tonnen stehen für Selbstabholer zum Verkauf parat, ordentlich auf große Haufen zusammengeschoben, gut aufladbar, direkt an der Straße vorm Grundstück.”
https://www.kurier.de/inhalt.issigau-mann-will-schnee-auf-ebay-verkaufen.765cd221-3d3f-4eaf-94d2-223701f63e7d.html

onassis
onassis
Tratscher
1 Monat 4 Tage

Schnee ist und bleibt Wasser

PuggaNagga
1 Monat 3 Tage

… in einem anderen Agreggatzustand!
Der Schnee ist aber verschmutzt.
Mit Salz, mit Partikeln von Reifenabrieb und Abgasen

Oma
Oma
Superredner
1 Monat 4 Tage

Den schnee in Säcke packen und die müllabfuhr holt ihn😂

Mezcalito
Mezcalito
Superredner
1 Monat 3 Tage

Schützt unsere Gewässer!

fritzol
fritzol
Superredner
1 Monat 3 Tage

in sterzing wird aller schnee in den eisack gekippt🤮🤮

inni
inni
Superredner
1 Monat 3 Tage

… und in Schnea am Stroßnrond oanfoch liegn lossn und wortn, bis er von alloan schmilzt 🤔

smith.
smith.
Neuling
1 Monat 3 Tage

habe mal irgendwo gehört , dass die Mitglieder des Fischereiverbandes ihre Häuser bzw Wohnungen nicht verlassen , bevor der Schnee nicht geschmolzen ist

lupusviride
lupusviride
Neuling
1 Monat 3 Tage

In Moskau und ondra skandinavischa Städte gibs an jedo Ecke an Containa wo die Schnia innehekippt werd, gschmolzn und es saubre Wosso in nächsten Kanal oddo Fluss geleitet werd.
Solzwosso tat in de Fische obbo schun guit, so behondlt man Pilzbefoll bei Suesswossofische

Harri Hirsch
Harri Hirsch
Grünschnabel
1 Monat 3 Tage

De poor Mol woses bei ins lei schneib hebs des schun sem megn sie in ondre Orte unfo gen die Umwelt schonen.

anniho63
anniho63
Grünschnabel
1 Monat 3 Tage

wern woll ah plotz fentn wo se schnea hin tian kennen u sem lossn bis er schmilzt u net in boch oi fir ah Fliegerbombe zu entschärfen hobnse ah an plotz sollnse sem in schnea hintian wenn man will findet man an plotz uhne schnea in Fluss boch werfn

Einheimischer
Einheimischer
Tratscher
1 Monat 3 Tage

Wahnsinnig….
Meistens sind es die was dich dann beim kleinsten Schneefall aufregen weil die Straße und der Gehsteig nicht sofort Freigeräumt werden….

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