Von: importer
Binnen 24 Stunden sind laut offiziellen Angaben rund 49.000 Migranten in die Exklave Ceuta in Nordafrika gelangt. Sie seien von Marokko aus auf dem See- und Landweg in das Gebiet gekommen, teilte das spanische Innenministerium am Freitag mit. Das an der Küste gelegene Ceuta ist immer wieder Ziel von Migranten, die von Marokko aus die EU erreichen wollen. Nach dem jüngsten Massenandrang hat Spaniens Regierung zur Unterstützung der örtlichen Polizei Militär entsandt.
Schätzungen aus Polizeikreisen waren zuvor von mehr als 20.000 Menschen ausgegangen, die überwiegend schwimmend nach Ceuta gelangt seien, wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtete. Mindestens 16 Menschen seien bereits tot aus dem Wasser geborgen worden, hieß es.
Auch in der zweiten Exklave Melilla hatten zuletzt Hunderte Migranten die Grenze überwunden. Etwa 400 Menschen seien über zwei Grenzübergänge von Marokko aus auf dem Landweg und über einen Damm im Süden der Stadt in das Gebiet gelangt, sagte der Präsident der autonomen Stadt, Juan José Imbroda, dem Radiosender Cope am Donnerstagabend. Die Sicherheitskräfte hätten die Lage unter Kontrolle gehalten. Wie Medien berichteten, habe es zuvor Gerüchte gegeben, denen zufolge die Grenze zu Ceuta Donnerstagfrüh geöffnet werden sollte.
In der Nacht auf Freitag übernachteten in Ceuta hunderte junge Migranten auf den Straßen, berichtete die Zeitung “El País”. Viele von ihnen trügen kaum etwas am Leib. In der Nacht und auch am Freitagmorgen kamen dem Bericht zufolge weiter Hunderte Menschen über die Grenze. Die Zentralregierung in Madrid ordnete Medienberichten zufolge den Einsatz von in Ceuta stationierten Armee-Einheiten zur Unterstützung der Grenzbeamten an. Ministerpräsident Pedro Sánchez reist heute in das Gebiet.
Italien fordert Ausschluss Spaniens aus Schengen-Raum
Aufgrund der Ereignisse in Nordafrika forderte Italien den Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum. Ihre Regierung sei dabei, “die zuständigen Stellen zusammenzubringen”, erklärte Italiens Ministerpräsidentin Georgia Meloni. “Sobald diese Treffen abgeschlossen sind, sind wir bereit zu handeln, auch durch außergewöhnliche Maßnahmen (…) wie etwa das Aussetzen des Schengen-Abkommens mit Spanien.” Die Bilder aus Ceuta nannte Meloni am Donnerstag im Onlinedienst X “schockierend”. “Italien wird nicht tatenlos zusehen”, kündigte sie an.
Auch aus Österreich gab es bereits Reaktionen über die dramatischen Ereignisse in den nordafrikanischen Exklaven. Europa- und Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) wollte am Freitagnachmittag mit ihrem spanischen Amtskollegen Fernando Mariano Sampedro Marcos telefonieren, teilte ihr Kabinett mit.
Der ÖVP-Europaabgeordnete Lukas Mandl machte die Politik der spanischen Regierung für die Ereignisse verantwortlich: “Die Bilder aus Spanien machen betroffen. Sie sind das Resultat einer völlig verfehlten Migrationspolitik der spanischen Regierung. Was illegal ist, kann niemals legitim sein. Europa hat genug zu tun mit der Integration jener Migranten, die da sind, sowie mit dem Mangel an legaler Arbeitsmigration. Dass die spanische Regierung aus rein ideologischen Gründen die Umsetzung der europäischen Migrationspolitik verweigert, darf nicht zu einem Problem für ganz Europa werden. Das werden wir zu verhindern wissen”, teilte Mandl am Freitag mit.
Die FPÖ-Europaabgeordnete Petra Steger bezeichnete die Ereignisse als “vollständige Bankrotterklärung der europäischen Migrationspolitik”: “Die Bilder aus Ceuta zeigen, was passiert, wenn ein Staat seine Grenzen nicht mehr verteidigen darf: Tausende illegale Migranten stürmen gleichzeitig auf europäisches Gebiet, die Polizei verliert die Kontrolle und die Bevölkerung wird mit den Folgen alleingelassen. Das ist keine funktionierende Asylpolitik, sondern die organisierte Kapitulation vor illegaler Massenmigration”, so Steger in einer Aussendung vom Freitag.
Bilder wecken Erinnerungen an 2021
Die Bilder aus Ceuta wecken Erinnerungen an die Ereignisse vor fünf Jahren. Im Mai 2021 waren innerhalb von 36 Stunden mehr als 8.000 Menschen von Marokko aus in die Exklave gestürmt.
Obwohl Marokko 1956 die Unabhängigkeit von Frankreich und Spanien erlangte, hat Spanien dort weiterhin zwei Exklaven, Ceuta und Melilla. Beide werden von Marokko beansprucht. In der Nähe beider Gebiete warten oft Tausende Menschen – vorwiegend aus Ländern südlich der Sahara – auf eine Gelegenheit, in das zur EU gehörende Gebiet zu kommen.




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