Messi und Argentinier jubelten

Argentinien nach 0:2 gegen Ägypten noch mit 3:2 weiter

Dienstag, 07. Juli 2026 | 22:28 Uhr

Von: apa

Mit einer dramatischen Wende hat Titelverteidiger Argentinien im Achtelfinale der Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko das Aus abgewendet. Gegen Ägypten nach fast 80 Minuten noch 0:2 in Rückstand liegend, drehten Lionel Messi und Co. die Partie in Atlanta innerhalb einer Viertelstunde und setzten sich noch in der regulären Spielzeit mit 3:2 (0:1) durch. Nächster Gegner ist am Sonntag (3.00 Uhr MESZ) der Sieger des Duells Schweiz – Kolumbien (22.00 Uhr).

Beherzt verteidigende Ägypter steuerten durch ein frühes Tor von Yasser Ibrahim (15.) und einen Konter-Treffer von Mostafa Zico (67.) schon der Sensation entgegen, ehe Cristian Romero (79.), Messi mit seinem achten Tor dieser WM (83.) und Enzo Fernandez (92.) die Wende perfektmachten. Schon vier Tage zuvor hatte man gegen Kap Verde leiden müssen und war erst in der Verlängerung weitergekommen.

“Ich kann nicht mehr. Tut mir leid. Das ist zu viel. Was für eine Gruppe von Spielern”, sagte nach der Partie Argentiniens Trainer Lionel Scaloni, der das Siegerinterview sogar abbrechen musste. Siegtorschütze Fernandez klang ähnlich: “Wir haben eine außergewöhnliche Mannschaft – eine Mannschaft, die niemals aufgibt, egal wie groß die Schwierigkeiten oder Widrigkeiten sind.”

Messi schwach vom Punkt

Vor 68.239 Zuschauern lief es alles andere als nach Plan für Argentinien. Der erste Schock kam früh, Ibrahim köpfelte nach einer kurz gespielten Ecke gegen die Laufrichtung von Goalie Emiliano Martinez ein. Die Albiceleste wirkte danach verunsichert, selbst Messi. Seinen schwach geschossenen Elfer nach Foul von Haissaem Hassan an Nicolas Tagliafico parierte Mostafa Shoubir problemlos. Schon gegen Österreich hatte Messi verschossen – nun wurde er zum ersten Spieler, der bei einer WM (exklusive Elferschießen) doppelt vergab. Insgesamt war es bereits der vierte verschossene Elfmeter des 39-Jährigen aus dem Spiel heraus bei seinen sechs WM-Teilnahmen – bei acht Versuchen.

Die Trinkpause danach veränderte das Bild deutlich. Ägypten verteidigte hochkonzentriert, bunkerte sich förmlich ein, Argentinien baute Dauerdruck auf. Doch vorerst stand Shoubir zwischen den Südamerikanern und dem Ausgleich. Er parierte einen zu direkt geköpfelten Versuch von Alexis Mac Allister (28.) und streckte sich gegen Julian Alvarez (39.) erfolgreich. Bei einem Freistoß traf Messi zudem nur die Außenstange (31.).

Ägyptens Beton bröckelte erst spät

Die zweite Hälfte brachte nichts Neues. Auch Messi rannte sich immer wieder in den dicht gestaffelten Linien fest, im Sechzehner fehlte Durchschlagskraft. Und der nächste Schock folgte prompt: Nach einem perfekten Konter und der bis dahin einzigen Offensivaktion in der zweiten Hälfte gelang Ägypten durch Zico der zweite Treffer. Doch Argentinien hatte Glück und den VAR auf seiner Seite: Das Tor wurde wegen eines Fouls in der Entstehung aberkannt (59.).

Der nächste ägyptische Konter war “sauber”, diesmal hatte Zicos Jubel Bestand. Danach rannte die Truppe von Lionel Scaloni weiter wütend gegen den langsam bröckelnden Beton an und verschaffte sich mit Romeros Köpfler nach Messi-Flanke noch einmal Hoffnung. Rund fünf Minuten später gelang dem “Fußballgott” nach einem Abpraller der späte Ausgleich, in der Nachspielzeit schlug dann Fernandez nach Flanke von Lautaro Martinez entscheidend zu.

“Seltsame Sachen passiert”

Die Ägypter waren danach außer sich – und besonders mit der Spielleitung unzufrieden. “Der Titelverteidiger ist auf allen Ebenen bevorteilt worden”, schimpfte Teamchef Hossam Hassan. “Ich habe dem Schiedsrichter gesagt, das sei einfach nicht gerecht.” Argentinien habe diesen Sieg nicht verdient, und wenn er in Ägypten zurück sei, werde er keine Minute WM mehr schauen, weil es in diesem Wettbewerb einfach keine Gerechtigkeit gebe. “Ob man einfach den Titelverteidiger weiter dabei haben wollte? Oder wollte man Messi weiter spielen sehen?”, fragte er sich. Zico war ähnlich fassungslos. “Wir haben ein Wahnsinnsmatch gemacht”, strich er heraus. “Aber in der zweiten Hälfte sind seltsame Sachen passiert, die jeder gesehen hat. Das ist sonnenklar.”

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