Von: apa
Para-Skirennläufer Johannes Aigner ist mit Guide Nico Haberl zum Abschluss der Winter-Paralympics in Italien leer ausgegangen. Im Slalom-Bewerb der sehbeeinträchtigten Klasse kam das Duo aus Niederösterreich am Sonntag in Cortina auf Rang vier. Thomas Grochar wurde im Stehend-Slalom Fünfter. Mit drei Gold- und einer Bronzemedaille kann Aigner aber ebenso positiv bilanzieren wie das ÖPC-Team, das wie vor vier Jahren mit 13 Medaillen – 7 Gold, 2 Silber, 4 Bronze – heimkehrt.
Es ist die beste rot-weiß-rote Ausbeute bei Paralympischen Winterspielen seit der Neuklassifizierung 2006 und bedeutet Rang fünf im Medaillenspiegel hinter China, den USA, Russland und Italien. Nur 2006 in Turin gab es mit 14 mehr Medaillen für Österreich, darunter waren aber “nur” drei Goldene. “Die Zielsetzung, zweistellig zu sein, haben wir deutlich übertroffen, wir können also hochzufrieden bilanzieren”, sagte ÖPC-Präsidentin Maria Rauch-Kallat.
“Wieder einmal hat sich gezeigt, was mit jahrelanger Arbeit, viel Einsatz und einer gewissen Portion Mut möglich ist.” Man sei aber stolz auf alle 19 Teilnehmer, auch auf jene die keine Medaille gewonnen hätten, so Rauch-Kallat. Sämtliches Edelmetall in Mailand/Cortina wurde durch die Sparte Para-Ski alpin eingefahren, neun der 13 Medaillen stammen aus dem Hause Aigner.
Veronika Aigner erfolgreichste Athletin in Italien
Die ebenfalls sehbeeinträchtigte Veronika Aigner ist zudem mit vier Siegen und einem zweiten Platz in fünf Starts die erfolgreichste Athletin dieser Para-Spiele und damit die Königin von Cortina. Die nun sechsfache Paralympics-Siegerin ist eine der erfolgreichsten Para-Skifahrerinnen der Geschichte seit der Klassenumstellung. Sie und ihr Bruder Johannes wurden als erfolgreichste ÖPC-Medaillenhamster zu den Fahnenträgern bei der Schlussfeier Sonntagabend im Eisstadion von Cortina ausgewählt. Veronika hatte diese Ehre bereits bei der Eröffnung gehabt, allerdings damals nicht live. “So schließt sich der Kreis bei diesen Spielen”, meinte die 23-Jährige und sprach von einem “weiteren Gänsehaut-Moment”.
Nicht den gewünschten Abschluss gab es für Johannes Aigner, dessen Medaillenserie bei Para-Winterspielen im zehnten Rennen riss. “Der vierte Platz ist immer undankbar. Wir wissen, dass wir im Slalom etwas zum Aufholen haben. Aber man kann ganz zufrieden sein mit der Woche”, sagte der 20-Jährige. Mit Blech im Slalom musste Aigner erstmals auf einem Platz neben dem Stockerl vorlieb nehmen. Zuvor hatte er in Peking in allen fünf Bewerben und in den ersten vier Rennen von Cortina jeweils Edelmetall eingeheimst – insgesamt fünfmal Gold sowie je zweimal Silber und Bronze.
Wunsch nach Weltcup-Aufwertung
Den Sieg sicherte sich bei schwierigen Bedingungen der Italiener Giacomo Bertagnolli (mit Guide Andrea Ravelli) 0,27 Sek. vor dem Polen Michal Golas (Kacper Walas) und 1,97 Sek. vor Kalle Eriksson (Sierra Smith) aus Kanada. Aigner fehlten 2,9 Sekunden aufs Podium. Michael Scharnagl mit Guide Lilly Sammer schieden im ersten Durchgang aus. In der stehenden Klasse ging der Sieg an den Russen Alexej Bugajew, hinter dem fünftplatzierten Grochar wurde Manuel Rachbauer als zweitbester Österreicher Zehnter.
Johannes Aigner äußerte nach dem letzten Rennen den Wunsch nach Aufwertung des Weltcups durch mehr mediale Präsenz und der Einführung eines Preisgelds. Das wäre eine Frage des Respekts, die FIS sei hier gefordert. “Es ist ein ernst zu nehmender Sport, es ist kein Hobbyverein mehr. Das hat hier jeder gesehen.” Ähnlich äußerte sich seine Schwester, die weltweit für Schlagzeilen sorgte. “Es wäre schön, wenn wir nicht nur alle vier Jahre ins Rampenlicht rücken. Der Para-Sport hätte sich so eine große Bühne viel öfter verdient”, meinte Veronika Aigner.




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