Von: apa
Österreichs Fußball-Nationalteam geht ohne Gernot Trauner und Maximilian Wöber in die WM in Nordamerika. Die beiden in dieser Saison lange verletzten Innenverteidiger stehen nicht im 26-köpfigen Aufgebot, das Teamchef Ralf Rangnick am Montag in Wien bekanntgegeben hat. Dem WM-Kader gehören dafür wie zuletzt im März Michael Svoboda und David Affengruber an. Auch Alessandro Schöpf ist dabei. Als dritten Torhüter entschied sich Rangnick für Florian Wiegele statt Tobias Lawal.
Trauner und Wöber hatten, wenn fit, in den vergangenen Jahren zum ÖFB-Stamm gezählt. Nach langwierigen Verletzungspausen gaben die Legionäre von Feyenoord Rotterdam bzw. Werder Bremen aber jeweils erst im April ihr Pflichtspiel-Comeback. Wöber habe sich laut Rangnick zudem zuletzt erneut verletzt. “Die Anhäufung von Verletzungen, die er zuletzt hatte, ist schon bitter. Bei so einem Turnier gibt es dann auch die Wahrscheinlichkeit, dass es nochmal passiert”, meinte der Teamchef.
Rangnick führte auch die Reisestrapazen und die Zeitverschiebung ins Treffen. “Wir hoffen, dass das Turnier für uns länger geht. Da wollten wir möglichst viele Spieler dabeihaben, die fit bleiben und auch durchspielen können.” Bei Trauner schien es lange Zeit “fraglich bis ausgeschlossen”, ob es sich überhaupt ausgehen könnte. “Er war in den letzten eineinhalb Jahren öfter verletzt, als er gespielt hat”, sagte Rangnick, betonte aber auch Trauners Wert, wenn dieser fit wäre. Für Notfälle würde der 34-Jährige daher “Gewehr bei Fuß” stehen und könnte nachnominiert werden.
Torhüterfrage offen, Rangnick-Lob für Wiegele
Der WM-Kader entspricht weitestgehend dem Aufgebot, das Rangnick vor den Testspielen im März gegen Ghana (5:1) und Südkorea (1:0) einberufen hatte. Einzig der damals als Trainingsgast nominierte Wöber und Lawal wurden gestrichen. Lawal hatte bereits bei der EM 2024 durch die Finger geschaut, als Rapids Niklas Hedl den Vorzug erhalten hatte. Im März brachten Lawal Adduktorenprobleme um seinen eigentlich geplanten zweiten Länderspiel-Einsatz. Seither hat der Genk-Profi kein Pflichtspiel mehr bestritten.
Wiegele dagegen beeindruckte den Teamchef bei seiner ÖFB-Premiere im März. “Er hat ein völlig anderes Profil als alle anderen Torhüter”, lobte Rangnick neben der Körpergröße des 2,05-Meter-Mannes von Viktoria Pilsen auch dessen Fähigkeiten am Ball. “Meine Feldspieler konnten es gar nicht glauben, wie er in den ersten Trainings bei der ‘Hösche’ mitgespielt hat. Ich weiß nicht, ob es so einen Torhüter noch einmal gibt in Österreich.”
Rangnick schloss nicht einmal aus, dass Wiegele bei der WM zum Einsatz kommt. In der Favoritenrolle sind aber Alexander Schlager, im Großteil der Quali die Nummer eins, und Patrick Pentz. “Wenn morgen oder übermorgen schon das erste WM-Spiel wäre, wäre es schon relativ wahrscheinlich, wer spielt”, sagte Rangnick. “Die Entscheidung müssen wir aber jetzt noch nicht treffen. Da soll ruhig auch ein bisschen die Konkurrenz das Geschäft beleben.”
Kein Grüll, kein Wurmbrand, kein Florucz
Auf einen zusätzlichen Offensivmann im Aufgebot – etwa Werder Bremens Marco Grüll, Rapid-Youngster Nikolaus Wurmbrand oder Belgien-Legionär Raul Florucz – verzichtete Rangnick. Das Sturmtrio bilden Rekordnationalspieler Marko Arnautovic, WM-Quali-Held Michael Gregoritsch und mit Sasa Kalajdzic wie erwartet ein frisch gebackener Meister vom LASK.
WAC-Mittelfeldmann Schöpf ist neben Kalajdzic und Salzburg-Goalie Schlager der dritte Kicker aus der heimischen Bundesliga, der es in den WM-Kader geschafft hat. Der WM-Traum erfüllt sich auch für die im Frühjahr vom deutschen bzw. englischen Verband zum ÖFB gewechselten Zukunftshoffnungen Paul Wanner und Carney Chukwuemeka. Besonders groß war das Gedränge in der Innenverteidigung. Dort ist wie für Wöber und Trauner auch für Leopold Querfeld oder Samson Baidoo kein Platz.
Im Gegensatz zur EM 2024 in Deutschland, als neben Goalie Schlager mit Kapitän David Alaba und Xaver Schlager auch zwei Schlüsselspieler verletzt fehlten, stehen für Österreichs erste WM-Teilnahme seit 28 Jahren alle wesentlichen Akteure zur Verfügung. Einzig Florian Grillitsch und Patrick Wimmer plagten zuletzt Muskelverletzungen. “Bei beiden ist es aber höchstgradig wahrscheinlich, dass sie in zwei Wochen wieder voll belastbar und fit sind”, sagte Rangnick.
ÖFB-Team will weiter kommen als bei EM
Auch die Routiniers Alaba und Arnautovic scheinen voll fit. Arnautovic habe aus eigenem Antrieb als Vorsichtsmaßnahme das letzte Saisonspiel von Roter Stern Belgrad auf Kunstrasen ausgelassen. “Für beide ist es mit ziemlicher Sicherheit nicht nur die erste, sondern auch die letzte Chance, eine WM zu spielen. Das wissen beide ziemlich genau”, meinte Rangnick. Alaba mache bei Real Madrid derzeit jede Einheit mit. “Trotzdem müssen wir auch bei der WM schauen, dass wir den Jungs immer wieder die Chance geben, sich zu regenerieren.”
Er macht derzeit bei allen Akteuren, die noch im Wettkampfbetrieb stehen, nach jedem Spiel “einen kleinen Stoßseufzer”, erzählte Rangnick. “Wenn alle gesund bleiben und wir tatsächlich mit diesem Kader rüberfliegen, ist viel möglich.” Man wolle weiter kommen als bei der EM vor zwei Jahren, als im Achtelfinale gegen die Türkei (1:2) Endstation war. “Wir wollen zeigen, was in der Mannschaft steckt, und so weit wie möglich kommen. Das ist das Ziel.” Aus den Erfahrungen bei der EURO wolle man “die richtigen Schlüsse ziehen”.
Im Gegensatz zu 2024 legte sich Rangnick schon vor der endgültigen Nennfrist am 1. Juni auf seinen endgültigen 26-Mann-Kader fest, um dann keine Spieler mehr enttäuschen und streichen zu müssen. Seine Auswahl trifft sich am 27. Mai auf dem ÖFB-Campus in Wien-Aspern, ehe am 1. Juni im Ernst-Happel-Stadion gegen Tunesien die WM-Generalprobe auf dem Programm steht. Ein weiteres geplantes Testspiel am 10. Juni (Ortszeit) in Kalifornien gegen Guatemala wurde ersatzlos gestrichen. Der WM-Auftakt erfolgt am 16. Juni (17. Juni, 6.00 Uhr MESZ) in Santa Clara gegen Jordanien. Die weiteren ÖFB-Gruppengegner sind Weltmeister Argentinien und Algerien.




Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen