Von: apa
Die neuerliche Überraschung im Bruderduell ist ausgeblieben. Österreichs Handballmänner konnten am Donnerstag in Herning zum Auftakt der EM in Dänemark/Schweden/Norwegen Titel-Mitfavorit Deutschland zwar bis zum Finish ins Schwitzen bringen, mussten sich schließlich aber mit 27:30 (8:12) geschlagengeben. Damit steht man im Kampf um den Sprung unter die Top zwei von Gruppe A und den Hauptrundenaufstieg gegen Spanien am Samstag (18.00 Uhr) schon unter Druck.
Die Iberer feierten am Donnerstag mit etwas Mühe einen 29:27-Erfolg über Serbien. Die Balkantruppe ist am Montag (18.00/beide live ORF eins) der abschließende Gegner von Österreich.
Das Duell präsentierte sich im Vorfeld von seiner brisanten Seite. Zweimal hatte die ÖHB-Auswahl den Deutschen in den jüngsten vier Pflichtspielen ein Remis abgetrotzt, für Extramotivation sorgte zu Wochenbeginn DHB-Goalie Andreas Wolff mit seiner Aussage, Österreich spiele “Anti-Handball”. Dazu hatte Rot-Weiß-Rot am Vormittag eine Hiobsbotschaft erreicht: Defensivspezialist Michael Miskovez musste nach einer am Sonntag im Test gegen Slowenien erlittenen Rippenverletzung aus dem Kader gestrichen und durch Emanuel Petrusic ersetzt werden.
Defensive stark, Offensive mau
Die Abwehr war aber ohnehin kein Sorgenkind, sie unterband das schnelle deutsche Spiel immer wieder erfolgreich. Dennoch lag der mehrfache Medaillengewinner bei Endrunden in der elften Minute mit 4:1 in Front. Das war vor allem den offensiven Mühseligkeiten geschuldet, erst mit dem 2:4 durch Sebastian Frimmel wurde es besser. Österreich stellte auf das in den vergangenen Jahren erfolgreich praktizierte 7:6-Überzahlspiel um und arbeitete sich peu a peu bis auf 6:6 (18.) zurück.
Danach schlichen sich aber einige Ungenauigkeiten ein, manche davon nutzten die Deutschen eiskalt aus. Fünf Minuten vor der Pause lagen Wolff und Co. erstmals mit vier Treffern vorne (11:7) und brachten diesen Vorsprung auch in die Pause. Die ÖHB-Auswahl blieb nach Wiederbeginn dran, kam auf 11:13 (36.) heran, lag aber ebenso schnell wieder in alter Distanz zurück (16:12/39.). Das 17:12 (39.) nach einem der – insgesamt zu oft unterlaufenden – technischen Fehler im Angriff brachte Deutschland dann sogar das erste Fünf-Tore-Plus.
Österreich, zum Teil auch nicht mit Glück gesegnet, warf die Flinte weiter nicht ins Korn. Wieder kam man auf drei Tore heran (20:17/44.) und ließ die Equipe von Trainer Alfred Gislason nicht richtig davonziehen. Im Gegenteil: Im Finish hieß es plötzlich wieder 24:26 und 25:27 (55.). Als der an diesem Abend wieder starke Wolff bei 25:28 dann einen Siebenmeter von Frimmel parierte (58.), war die Partie aber gelaufen.
Romero nicht unzufrieden
Dennoch war ÖHB-Teamchef Iker Romero im ORF-Interview alles andere als enttäuscht. “Ich bin mit allen zufrieden, alle haben über 60 Minuten ein richtig gutes Spiel gemacht. Aber wenn du gegen eine Toptoptop-Mannschaft gewinnen willst, muss alles klappen”, sagte der Coach und blickte bereits auf die anstehenden Partien gegen Spanien und Serbien. “Wir haben jetzt zwei Finalspiele.”
Ähnlich äußerte sich Lukas Hutecek. “Es war ein gutes Spiel mit einem guten Kampf von uns. Unser Ziel hat sich nicht geändert, wir wollen in die Hauptrunde.” Goalie Constantin Möstl sprach von einer verdienten Niederlage. “Wir waren auf jeden Fall die schlechtere Mannschaft heute.”
Selbstkritisch gab sich auch Tobias Wagner. “Ich habe heute nicht mein bestes Spiel gemacht. Das tut mir sehr leid, weil die Mannschaft alles gegeben hat. Ich glaube, wenn ich besser spiele, können wir gewinnen.” Die ÖHB-Abwehr sei “unglaublich” gewesen, betonte Wagner. “Potenzial haben wir wahrscheinlich im Abschluss, und unser Konterspiel können wir eine Spur verbessern, aber dafür waren wir noch nie berühmt.”
Ergebnis Handball-Männer-EM: Deutschland – Österreich 30:27 (12:8). Beste ÖHB-Werfer: Frimmel 9, Nigg 7, Hutecek 6




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