Er trägt das Grüne Trikot

Pellizzari gewinnt die zweite Etappe der Tour of the Alps 2026

Dienstag, 21. April 2026 | 17:33 Uhr

Von: mk

Martell – Ein Antritt eines echten Champions, im rauen und zugleich prachtvollen Herzen des Martell: Das Talent von Giulio Pellizzari hat die Tour of the Alps mit einem Klasseakt entfacht, der ihm den Sieg auf der zweiten Etappe des euroregionalen Radrennens, das in Telfs in Tirol begann, sowie das Symbol der Gesamtführung, das Grüne Melinda-Trikot, einbrachte.

Im Ziel in Südtirol in Martell setzte sich der Fahrer aus den Marken am Dienstag, den 21. April, nach 147,5 Kilometern und einem Rennen mit vielen Anstiegen – mit den Bergwertungen Piller Höhe und Reschenpass als Vorspiel zum Schlussanstieg – im Sprint gegen die weiteren Protagonisten eines intensiven und spektakulären Finales durch, in dem wie erwartet niemand seine Karten verdeckt halten konnte.

Der Erfolg von Pellizzari ist das Signal eines Talents, das nicht auf die Zukunft wartet: Er nimmt sie sich mit kräftigen Pedaltritten auf jenen Straßen, auf denen die wahren Werte zum Vorschein kommen – ein Zeichen, das Gewicht hat, mit Blick auf die Tour of the Alps und darüber hinaus. Hinter ihm klassierten sich der Niederländer Thymen Arensman (INEOS Grenadiers), der sich auf euroregionalen Straßen stets wohlfühlt, und Mattia Gaffuri (Team Picnic PostNL), der vom ersten Moment an ein Protagonist war. Der 26-jährige Lombarde, bereits bei Kilometer 8 gemeinsam mit acht weiteren Fahrern in der Offensive, hielt bis zum Schlussanstieg stark dagegen und kämpfte bis auf die letzten Meter um den Sieg. Dafür wurde er mit einem wertvollen dritten Platz vor dem Kolumbianer Egan Bernal (INEOS Grenadiers) und dem Russen Alexandr Vlasov (Red Bull-BORA-hansgrohe) belohnt.

Platz sechs und weitere Glanzlichter setzte auch das andere italienische Nachwuchsversprechen, U23-Weltmeister Lorenzo Finn, heute wertvoller Helfer für Pellizzari, aber mit einer bereits vorgezeichneten Zukunft bei den Großen. Zeit verloren hingegen Michael Storer (Tudor Pro Cycling) und Ben O’Connor (Jayco-AlUla), beide mit 19 Sekunden Rückstand; 1:04 Minuten verlor der Kanadier Derek Gee (Lidl-Trek), während der Brite Tom Pidcock (Pinarello Q36.5) nicht den nötigen Tritt fand, um bei den Besten zu bleiben.

In der Gesamtwertung liegt Pellizzari nun 4 Sekunden vor Arensman und 6 Sekunden vor Gaffuri, während Vlasov und Bernal zehn Sekunden zurückliegen. Storer und O’Connor haben nun 29 beziehungsweise 33 Sekunden Rückstand auf den Gesamtführenden, Gee sogar 1:14 Minuten. Die Bergankunft im Martelltal hat die Gesamtwertung geändert, doch die Entscheidungen bei der Tour of the Alps sind noch lange nicht gefallen.

Pellizzari: „Ein Sieg von besonderer Bedeutung, ich widme ihn Stefano Casagranda“

„Der heutige Sieg ist etwas Besonderes: Die Tour of the Alps hat mir vor drei Jahren den Weg in den Profisport eröffnet, und in Martell zu gewinnen, hat für mich eine einzigartige Bedeutung. Heute habe ich mehr gegeben, als ich in den Beinen hatte, auch um die Arbeit meiner Teamkollegen zu vollenden, die außergewöhnlich waren.“

„Auf Teneriffa habe ich in den vergangenen Wochen gemeinsam mit Jay Hindley an meiner Explosivität gearbeitet, und die Ergebnisse sind sichtbar. Lange Anstiege sind mein ideales Terrain: Ich habe mich wohlgefühlt, auch wenn ich noch nicht in Bestform bin. Als ich zu Arensman, Finn und Storer aufgeschlossen hatte, versuchte ich den Gegenangriff, weil Finn stark unterwegs war und eine gute Alternative hätte sein können, falls sie mich wieder eingeholt hätten. Es war ein harter Tag, aber ich bin glücklich, dass alles bestmöglich gelaufen ist.“

„Das ist für mich auch eine wichtige Bewährungsprobe im Hinblick auf die Führungsrolle innerhalb des Teams: Ich spüre, dass ich in dieser Rolle wachse, ebenso wie in der Entwicklung einer Siegermentalität. Heute wollte ich gewinnen und ich habe es geschafft.“

„Ich widme diesen Sieg dem Vater meiner Freundin, Stefano Casagranda (lange Präsident des Veloce Club Borgo, eines der traditionsreichsten und bedeutendsten Nachwuchsteams im Trentino, Anm. d. Red.), der im vergangenen Oktober verstorben ist. Ganz in der Nähe, in Meran, gewann er 1998 eine Etappe des Giro del Trentino. Damals war ich noch nicht geboren. Dieser Sieg ist für ihn.“

Nach dem Start in Telfs entwickelte sich der erste Teil des Rennens entlang des Inntals, wo die ersten Attacken zur Bildung der Tagesfluchtgruppe begannen. Die entscheidende Aktion entstand bei Kilometer 8, als sich eine neunköpfige Gruppe – Stockwell (Bahrain Victorious), Gaffuri (Picnic-PostNL), Verrando (Solution Tech), Davide Bais (Polti-Visit Malta), Röber und Zangerle (Vorarlberg), Eckerstorfer, Paumann und Poschacher (Österreich) – vom Feld absetzen konnte. Ihr Vorsprung wuchs bis Kilometer 63 auf maximal fünf Minuten an.

Dahinter ließ die Reaktion des Feldes nicht lange auf sich warten: Red Bull-BORA-hansgrohe und Tudor, das Team des Tour-of-the-Alps-Siegers 2025 Michael Storer, erhöhten das Tempo und reduzierten den Rückstand nach und nach am Anstieg zur Piller Höhe. Auf den gut fahrbaren Rampen des Reschenpasses und im anschließenden Flachstück des Vinschgaus sank der Vorsprung der Ausreißer auf unter zwei Minuten.

Das Rennen explodierte endgültig am Schlussanstieg nach Martell. Einer nach dem anderen wurden die Ausreißer durch das Forcing von INEOS Grenadiers und Tudor gestellt – außer Gaffuri, der sich entschlossen wehrte und allein an der Spitze blieb, während dahinter der Kampf der Klassementfahrer entbrannte.

Der Erste, der angriff, war Thymen Arensman, gefolgt von Storer und dem jungen Lorenzo Finn. Pellizzari, zunächst noch abwartend, zeigte auf dem härtesten Abschnitt des Anstiegs seine starke Form, schloss zu den drei Kontrahenten auf und setzte sofort nach. Zwei Kilometer vor dem Ziel forcierte der Fahrer aus den Marken erneut und erreichte Gaffuri an der Spitze des Rennens.

Dahinter führte Arensman die Verfolgung an, mit Finn direkt an seinem Hinterrad und der Unterstützung eines starken Egan Bernal, während Storer für seine Anfangsbemühungen bezahlte und zunehmend zurückfiel. Unter dem roten Dreieck des letzten Kilometers schloss sich die Gruppe der Besten wieder zusammen: Neben Pellizzari und Gaffuri kamen auch Finn, Arensman, Bernal und Alexandr Vlasov zurück.

An diesem Punkt opferte sich Finn für seinen Teamkollegen auf, erhöhte das Tempo und bereitete den Sprint vor. Im Finale fand Pellizzari den entscheidenden Antritt: ein kraftvoller Sprint, mit dem er den zurückkommenden Arensman abwehrte und die Arbeit seiner Mannschaft vollendete, während Gaffuri nach einem Tag als Hauptdarsteller Dritter wurde.

#TOTA 2026 Trikots

Melinda Grünes Trikot – Gesamtwertung: Giulio Pellizzari (Red Bull–BORA–hansgrohe)
Gruppo Cassa Centrale Blaues Trikot – Bergwertung: Emanuel Zangerle (Team Vorarlberg)
Caffè Bocca della Verità Rotes Trikot – Punktewertung: Giulio Pellizzari (Red Bull–BORA–hansgrohe)
FORST Weißes Trikot – Bester Nachwuchsfahrer: Giulio Pellizzari (Red Bull–BORA–hansgrohe)
eVISO Giro Trikot – Ausreißerkönig: Emanuel Zangerle (Team Vorarlberg)

Längste Etappe am Mittwoch – von Latsch nach Arco

175,1 Kilometer umfasst die dritte Etappe am Mittwoch, den 22. April, von Latsch (Südtirol) nach Arco (Trentino), die längste dieser Tour of the Alps. Nach 26 flachen Kilometern wartet der lange Anstieg der ersten Kategorie hinauf aufs Hofmahdjoch (22,2 km bei 5,7 Prozent), dem höchsten Punkt der #TotA 2026, gefolgt von der Abfahrt ins Nonstal und der Bergwertung in Andalo (14,4 km bei 5,4 Prozent).

Danach folgt die Abfahrt bis Terme di Comano/Ponte Arche, bevor ein technisches Finale mit den Anstiegen zum Passo del Ballino, der Abfahrt zum Tennosee und dem Schlussrundkurs mit der Sprintwertung in Tenno ansteht. Nach Abschluss der Runde, etwa 15 Kilometer vor dem Ziel, fährt das Feld Richtung Riva del Garda und anschließend zum Ziel in Arco, dem historischen Sitz von Sport Alto Garda, dem veranstaltenden Verein der Tour of the Alps.

 

 

Bezirk: Vinschgau

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