Von: apa
McLaren-Pilot Oscar Piastri hat den Großen Preis der Niederlande in Zandvoort gewonnen und seine WM-Gesamtführung möglicherweise entscheidend ausgebaut. Im ersten Formel-1-Rennen nach der Sommerpause feierte der Australier am Sonntag seinen siebenten Saisonsieg, Teamkollege Lando Norris schied sieben Runden vor dem Ende auf Position zwei liegend mit einem Defekt aus. Piastri liegt damit im WM-Duell mit Norris nach dem 15. von 24 Saisonrennen komfortable 34 Punkte voran.
“Es tut mir leid für Lando, das ist unglaublich traurig. Darüber hast du keine Kontrolle”, fühlte Piastri mit seinem Kollegen und Rivalen mit. “Ich bin sehr glücklich, dass ich mich heute durchgesetzt habe. Aber es ist noch ein langer Weg bis zum Saisonende.” Vor dem Rennen in Monza am nächsten Wochenende, dem letzten Grand Prix in Europa in dieser Saison, gelang Piastri ein großer Schritt zu seinem ersten WM-Titel.
Rückschlag für Norris im WM-Duell
Norris war niedergeschlagen. “Da kann ich nichts machen, es ist nicht meine Schuld. Das müssen wir uns als Team anschauen. So etwas darfst du dir im WM-Kampf nicht leisten”, sagte er enttäuscht. McLaren-Boss Zak Brown hatte ein weinendes und ein lachendes Auge. “Wir haben Öl verloren, jetzt müssen wir verstehen, warum das passiert ist”, klärte der US-Amerikaner auf und betonte: “Die WM ist noch offen. Man sieht ja, wie schnell etwas passieren kann.”
Weltmeister Max Verstappen steuerte seinen Red Bull beim Heimrennen auf den zweiten Platz. “Leider hatten wir nicht das Tempo, um mit McLaren mitzuhalten”, monierte der Titelverteidiger, der aber trotzdem zufrieden bilanzierte. “Hier auf dem Podium zu stehen, ist super und ein tolles Ergebnis für uns.” Im WM-Kampf liegt Verstappen auf Rang drei nun 104 Punkte zurück.
Hadjar überraschte
Racing-Bulls-Rookie Isack Hadjar wurde sensationell Dritter und schaffte es erstmals aufs Podium. “Es fühlt sich ein bisschen unwirklich an. Das war immer mein Ziel, als ich ein Kind war”, sagte der 20-jährige Franzose, der zuvor seinen vierten Platz aus dem Qualifying das ganze Rennen über verteidigt hatte. Mercedes-Pilot George Russell wurde Vierter, Ferrari hingegen erlebte durch ein Doppel-Aus einen schwarzen Tag.
Direkt an der Nordseeküste war es vor dem Rennstart wolkig, die Regenwahrscheinlichkeit lag bei 60 Prozent. Verstappen wurde in den niederländischen Dünen von einem orangenen Meer auf den Tribünen und royaler Prominenz angefeuert. “Es ist super, wie Österreich und Holland da zusammenstehen”, betonte König Willem-Alexander im ORF mit Blick auf den Austro-Rennstall des Vierfach-Champions.
Verstappen mit Strategie-Poker
Im Qualifying tags zuvor hatte sich Piastri einen entscheidenden Vorteil gesichert, weil er Norris um zwölf Tausendstelsekunden überflügelte. Während das McLaren-Duo auf den Medium-Reifensatz setzte, versuchte Verstappen auf Startplatz drei als einziger Fahrer im Spitzenfeld mit dem schnelleren Soft-Reifen sein Glück. Der Plan des Lokalmatadors ging zunächst auf, Verstappen kämpfte sich in der Startphase an Vorjahressieger Norris vorbei.
An der Spitze verteidigte Piastri seine Position souverän und zog mehrere Sekunden davon. In der 9. von 72 Runden ging Norris wegen der schneller abbauenden Reifen bei Verstappen wieder am Red-Bull-Piloten vorbei. Immer wieder zogen leichte Regenschauer über die Strecke, aber zu wenig stark für einen Wechsel auf Regenreifen. In der 23. Runde krachte Rekordweltmeister Lewis Hamilton mit seinem Ferrari in die Bande, schied erstmals seit seinem Wechsel zur Scuderia aus und verursachte eine Safety-Car-Phase. Beim Restart gab es keine Veränderungen, das McLaren-Duo zog wieder davon.
Leclerc gegen Mercedes
Dahinter überholte Ferrari-Pilot Charles Leclerc den auf Platz fünf liegenden Mercedes von Russell mit einem harten Manöver. In der 53. Runde kam es zum nächsten folgenschweren Kontakt zwischen Leclerc und einem Mercedes: Kimi Antonelli drehte den Monegassen in der Steilkurve in die Streckenbegrenzung, ein weiteres Safety Car war die Folge. Weil das McLaren-Duo auf den härtesten, aber frischesten Reifensatz wechselte und Verstappen angefahrene Soft-Reifen aufzog, bahnte sich ein spannendes Finish an. Doch Verstappen fehlte das Tempo, um einen Angriff zu starten.
Plötzlich meldete Norris eine Rauchentwicklung in seinem Cockpit, Momente später musste der Brite seinen Boliden am Streckenrand abstellen. “Es ist enttäuschend, kein Glück”, funkte Norris enttäuscht an die Box. Auch beim dritten Restart verteidigte der eiskalte Piastri seine Führung souverän.
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