Von: APA/Reuters/dpa
Das Skandal-Finale im Fußball-Afrika-Cup im Jänner hat nun gravierende Folgen: Das Berufungsgericht des afrikanischen Fußballverbandes (CAF) entzog Senegal, das Marokko im Endspiel von Rabat 1:0 nach Verlängerung besiegt hatte, den Titel und ernannte die Marokkaner zum Champion. Als Reaktion darauf kündigte Senegals Verband an, vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) ziehen zu wollen. Senegals Regierung fordert Ermittlungen wegen möglicher Korruption.
Die Cup-Gastgeber hatten die von Tumulten und Protesten begleitete Finalniederlage vom 18. Jänner angefochten, da die senegalesische Elf in der Nachspielzeit aus Protest wegen einer Elfmeterentscheidung den Platz verlassen hatte. Das deutete der CAF nun als Aufgabe und wertete die Partie 3:0 für Marokko, wie der afrikanische Verband nach einem vom CAF-Disziplinarausschuss behandelten Einspruch am Dienstag mitteilte. Das letzte Wort ist in dieser Causa damit aber nicht gesprochen, Marokkos zweiter Afrika-Cup-Sieg ist somit noch nicht in Stein gemeißelt.
Senegal will vor CAS ziehen
Geplant ist der Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS), wie Generalsekretär Abdoulaye Seydou Sow im staatlichen Rundfunk (RTS) ankündigte. “Wir werden Kontakt mit unseren Anwälten aufnehmen und Rechtsmittel einlegen. Wir werden vor nichts zurückschrecken. Das Recht ist auf unserer Seite”, sagte er. Die Entscheidung des Berufungsgerichts sei eine “Schande für Afrika”. Die staatliche Tageszeitung im Senegal titelte: “Witz des Jahrhunderts”. Senegals Ex-Teamchef Claude Le Roy sagte Folgendes: “Ich hätte mir nicht im Traum vorstellen können, dass der CAF in diesem Zirkus so weit gehen würde.”
Die Regierung des Senegal fordert Korruptionsermittlungen gegen den CAF. “Der Senegal kann nicht hinnehmen, dass eine Verwaltungsentscheidung Engagement, Verdienst und sportliche Spitzenleistungen zunichtemacht”, teilte Regierungssprecherin Marie Faye in Dakar mit. “Der Senegal lehnt diesen Versuch einer ungerechtfertigten Enteignung unmissverständlich ab. Er fordert die Einleitung einer unabhängigen internationalen Untersuchung wegen des Verdachts auf Korruption innerhalb der Führungsgremien der CAF”, hieß es weiter.
“Abend kann uns niemand nehmen”
Zuvor hatten bereits einige Spieler ihren Unmut kundgetan. “Diese Trophäe gewinnt man auf dem grünen Rechteck, aber nicht per E-Mail”, schrieb Linksverteidiger El Hadji Malick Diouf von West Ham United auf seinem Instagram-Kanal. Und Idrissa Gueye von Everton erklärte: “Wir wissen, was wir an jenem Abend in Rabat erlebt haben. Und das kann uns niemand nehmen.” Zudem ergänzte Pathe Ciss von Rayo Vallecano: “Ihr könnt den Heulsusen ruhig noch drei Tore geben.”
Das Gremium stellte sich gegen die Entscheidung des CAF, der zunächst zwar zahlreiche Geldstrafen ausgesprochen, das sportliche Ergebnis aber unangetastet gelassen hatte. So hatte Senegals Trainer Pape Thiaw vom Verband lediglich eine Sperre über fünf Spiele und eine Geldstrafe über 100.000 US-Dollar bekommen, weil er seine Spieler nach einem umstrittenen Elfmeterpfiff zum Verlassen des Platzes aufgefordert hatte. Insgesamt wurde der senegalesische Verband wegen diverser Vergehen – darunter der versuchte Platzsturm senegalesischer Fans – zu 615.000 Dollar Strafe verurteilt. Zwei Spieler wurden gesperrt.
Diese Strafen ließ das CAF-Berufungsgericht unangetastet. Marokko dagegen bekam Straferleichterungen. Statt 315.000 Dollar müssen nur 60.000 Dollar bezahlt werden. Die Sperre für Ismael Saibari wurde von drei auf zwei Partien verkürzt, davon eine auf Bewährung.
Entscheidung auf Grundlage von Artikel 82
Das Berufungsgericht entschied auf Grundlage von Artikel 82 der Regeln für den Afrika Cup, dass Senegal durch das Verlassen des Spielfeldes die Partie aufgegeben habe und als Verlierer gewertet werden müsse. Der Verband hatte in seiner Entscheidung noch geurteilt, dass das Team zurückgekommen sei und die Kriterien für eine Aufgabe deswegen nicht erfüllt wurden. Stein des Anstoßes war ein umstrittener später Elfmeterpfiff zugunsten Marokkos.
Senegals Mannschaft hatte danach fast geschlossen den Platz verlassen. Nur wenige Spieler um Sadio Mane blieben auf dem Platz. Dann lief der Kapitän in die Kabine. “Er kam rein und schrie. Schrie uns an, auf den Platz zu gehen und das Spiel zu beenden”, berichtete Mittelfeldspieler Lamine Camara später. Nach fast einer Viertelstunde wurde weitergespielt. Brahim Diaz verschoss nach Wiederaufnahme des Spiels den Strafstoß. In der Verlängerung erzielte Pape Gueye das Siegtor für den Senegal.




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