Von: ka
Sexten/Monte Carlo – Viel früher als von vielen Experten erwartet, konnte Jannik Sinner den Tennisthron zurückerobern. Seit seinem Sieg in Monte Carlo – es war sein vierter Sieg in Folge bei einem Masters 1000 – ist er wieder die Nummer 1 der Tenniswelt.
Aus der Sicht des Sextner Champions ist jedoch noch viel erfreulicher, dass er den kleinen Rückstand auf dem klassischen roten Sand – die harten und schnellen Plätze sind seit jeher Janniks Stärke – gegenüber seinem ewigen Rivalen Carlos Alcaraz in Monte Carlo aufholen konnte.

Jannik betonte immer wieder, dass er besonders aus Niederlagen lerne. So war es auch seine Finalniederlage bei den US Open, die ihn und seine Coaches dazu veranlasste, einige kleine, aber wichtige Details seines Spiels zu verändern. „Er hat seine Rückhand geändert und gibt den Gegnern nie Anhaltspunkte. Ich bin beeindruckt von den rasanten Fortschritten auf Sand“, enthüllt sein Trainer Simone Vagnozzi. Carlos Alcaraz hingegen scheint sich seit der Trennung von seinem Erfolgstrainer Juan Carlos Ferrero nicht weiterentwickelt zu haben. Unter Samuel López unterlaufen ihm zu viele Fehler.
Jannik Sinner genoss seinen Sieg beim Rolex Monte-Carlo Masters 1000 in vollen Zügen. Im Fürstentum, das er als seine zweite Heimat betrachtet, hat er „Frieden” mit dem früher nicht ganz so geliebten roten Sand geschlossen. Er und seine Trainer Darren Cahill und Simone Vagnozzi haben große Pläne. Sie wollen, dass sich zum Erfolg auf dem roten Sand von Monte Carlo weitere hinzugesellen.

Nach ein paar Tagen Erholung mit seiner Familie, die er schon lange nicht mehr gesehen hat, wird Sinner im Country Club von Monte Carlo wieder mit dem Training beginnen – mit unveränderter Motivation und ganz klaren Vorstellungen. Während Carlos Alcaraz in Barcelona sein Versprechen einlöst, an einem ATP-500-Turnier teilzunehmen, an das er große Erinnerungen aus seiner Jugend knüpft, wird die neue Nummer 1 wieder zu seiner Trainingsroutine zurückkehren, um sich den marginalen Vorteil zu erhalten, der es ihm ermöglicht hat, im Tennis und im Duell mit Carlitos zweimal die Oberhand zurückzugewinnen.
Nach der Niederlage bei den US Open im vergangenen Jahr – Janniks verbesserter Aufschlag geht auf diese Enttäuschung zurück – und nach der Niederlage gegen Novak Djokovic im Januar in Australien war die erneute Niederlage gegen den Routinier ein Weckruf. Sie rückte die Hierarchien in diesem erhabenen Zweiersport, in dem Sinner und Alcaraz die Hauptrolle spielen, während die anderen in einer eigenen Liga antreten, in ein neues Licht.

„Niederlagen sind viel wichtiger als Siege“, sagt Jannik gerne, denn sie zeigten ihm, an welchen Details er arbeiten müsse. Es ist ein Satz, den auch Alcaraz hin und wieder sagt, aber vielleicht glaubt er selbst weniger daran. Während des amerikanischen Sunshine Doubles und in Monte Carlo, insbesondere im Finale, wirkte der Spanier beim Aufschlag zurückhaltend, unsicher in seinen Entscheidungen und wenig effektiv in den entscheidenden Phasen des Spiels.
Es war, als hätte Jannik die Niederlagen genutzt, um Fortschritte zu erzielen, während Carlos sich ein wenig zu sehr in sich selbst verliebt hätte. Eine Haltung, die Juan Carlos Ferrero ihm nicht erlaubt hätte. „Das Team, mit dem er sich umgibt, lässt ihm hingegen in allem seinen Willen“, betonte der Meistertrainer Riccardo Piatti gegenüber dem Mailänder Corriere della Sera.

„Jannik ist der Spieler, von dem jeder Trainer träumt. Jeden Morgen wacht er mit dem Willen auf, ein besserer Tennisspieler zu werden“, so Simone Vagnozzi über Jannik Sinner.
Aber damit nicht genug. Reife und Erfahrung helfen Jannik, sich immer weniger auf die Anweisungen aus der Box zu verlassen. Alcaraz hingegen wurde am Sonntag während des Finalduells in Monte Carlo von seinem Trainer Samuel López, der Juan Carlos Ferrero beerbt hat – von dem wir uns nicht wundern würden, wenn er früher oder später auf seinen Platz zurückkehren würde – und seinem Manager, der neben ihm saß, mit einer Flut wirrer Ratschläge überhäuft.

„Meine Aufgabe und die von Cahill besteht auch darin, Jannik selbstständiger zu machen“, sagte Vagnozzi. „Er versteht zum Beispiel immer besser, wann er einen Stoppball spielen muss, und beginnt auch, mit der Rückhand zu spielen, indem er die Hand abhebt. Und dann die Position beim Return: Früher spielte er ein ganzes Spiel einen Schritt zurück oder mit den Füßen auf der Grundlinie, jetzt variiert er und gibt den Gegnern damit nie Anhaltspunkte.“
Die Spielstatistiken, in denen Alcaraz gut abschneidet, die aber hinter denen des Sextner Champions zurückbleiben, lassen sich auch so erklären. „Ich bin beeindruckt von dem Niveau, das Jannik in so kurzer Zeit auf Sand erreicht hat“, sagte Vagnozzi. „Es stimmt, dass Spitzenathleten von Erfolgen leben, und er war voller Selbstvertrauen hierhergekommen. Sein Selbstvertrauen war grenzenlos. Doch nichts von dem, was er in dieser Woche geleistet hat, war selbstverständlich. Seine Fähigkeit, Spiele zu lesen, überrascht mich immer wieder. Gegen jeden Gegner macht er andere Dinge.“

Ausschlaggebend für die Wende seit Januar war die Trainingspause zwischen Doha und der unerwarteten Niederlage gegen Jakub Mensik. Diese alarmierte viele, aber nicht Jannik. Zudem kam er sehr früh nach Indian Wells, um die Möglichkeit zu nutzen, in der Hitze der Wüste zu trainieren. Auch in Monte Carlo hatte er einen Leistungseinbruch gegen Tomas Machac, was den Trainer jedoch nicht beunruhigte: „Wir machen uns darüber keine Sorgen, wir konzentrieren uns auf den langen Weg. Es gibt Tage mit Höhen und Tiefen, das ist ganz normal.“

Und dann waren da noch die Herausforderungen, die ihm das Fürstentum stellte: 2023 schied er gegen Rune aus, 2024 wurde er durch einen Schiedsrichterfehler von Tsitsipas eliminiert und 2025 war er nicht teilnahmeberechtigt. „Irgendwann habe ich zum Team gesagt: Er spielt fast besser auf Sand als auf Hartplatz …“, erzählt Vagnozzi. Es war ein zutreffendes Gefühl, wie aus den genannten Gründe hervorgeht.

Nach seinem grandiosen Sieg auf dem roten Sand in Monte Carlo richten Jannik Sinner und sein Trainerteam den Blick auf die kommenden Herausforderungen: das Masters 1000 in Rom und Roland Garros in Paris. Da er beide Turniere – ebenso wie Monte Carlo bis zum letzten Sonntag – noch nie gewinnen konnte und im letzten Jahr beide Male im Finale gegen Alcaraz verloren hat, dürfte Jannik besonders motiviert sein, dieses Jahr im letzten Match als Sieger vom Platz zu gehen.

Nach einer Besprechung am Mittwoch wird das Team entscheiden, ob in Madrid gespielt wird, wo die Höhenlage für Rom als wenig vorteilhaft gilt. „Es ist schwer, von einem Spieler, der gerade so viel Selbstvertrauen hat, zu verlangen, dass er pausiert“, merkt Vagnozzi an. Doch Carlos Alcaraz wird aus seiner Niederlage in Monte Carlo seine Lehren ziehen. Das Duell zwischen „Jannik“ und „Carlitos“ geht in die nächste Runde.












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