Toto und Susie Wolff sind im Motorsport vielfältig aktiv

Wirbel um Ermittlung gegen Formel-1-Teamchef Wolff und Frau

Mittwoch, 06. Dezember 2023 | 20:28 Uhr

Ermittlungen gegen Mercedes-Teamchef Toto Wolff und seine Frau Susie wegen des Verdachts auf Geheimnisverrat sorgen in der Formel 1 für Wirbel. Der Rennstall wies die Vorwürfe in einer scharf formulierten Erklärung als grundlos zurück und attackierte den Weltverband FIA, der Mercedes nicht im Voraus über die Untersuchung informiert habe. Susie Wolff schrieb in einem Statement, sie sei “zutiefst beleidigt, aber traurigerweise nicht überrascht” über die Anschuldigungen.

Die FIA hatte am Dienstagabend durch ein knappes Statement eine Compliance-Prüfung von Vorwürfen in Medienberichten, unter anderem von www.motorsport.com, gegen einen – namentlich nicht genannten – Formel-1-Teamchef angekündigt. Hintergrund ist der bereits seit einiger Zeit vorliegende Bericht des Fachjournals BusinessF1 über einen angeblichen Interessenskonflikt des Österreichers Wolff und seiner Frau, über den sich andere Formel-1-Funktionäre bei FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem beschwert haben sollen.

Demnach soll Susie Wolff als Geschäftsführerin der Frauen-Rennserie F1 Academy Zugang zu vertraulichem Wissen aus der Spitze der Formel 1 haben und dies angeblich mit ihrem Mann geteilt haben. Bei einem der kürzlich abgehaltenen Teamchefmeetings soll Toto Wolff laut BusinessF1 derartige Insiderinformationen aus Formel-1-Kreisen ausgeplaudert haben. Er soll im Gegenzug seine Frau über Gespräche zwischen den Teamchefs in Kenntnis gesetzt haben, sodass diese Informationen wiederum zum Rechteinhaber Liberty Media gelangt seien. Darüber habe sich ein anonymer Teamchef beschwert.

Am Mittwochabend bestritten alle Rivalen des Mercedes-Rennstalls in einem ungewöhnlichen Schritt, die Untersuchungen ausgelöst zu haben. Die neun anderen Teams der Motorsport-Königsklasse veröffentlichten weitgehend gleichlautende Mitteilungen, in denen sie versicherten, dass sie keinerlei Beschwerden wegen eines möglichen Interessenskonflikts bei der FIA eingelegt hätten. Alle Rennställe bekräftigten zudem ihre Unterstützung für die Formel-1-Akademie und deren Geschäftsführerin Susie Wolff.

“Wir haben eine große Rivalität auf der Rennstrecke, aber wir haben keine offizielle Beschwerde bei der FIA eingereicht. Weder über Susie, noch Toto oder Mercedes”, sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner bei Sky Sports. “Wir waren, wie andere auch, ziemlich überrascht von der Erklärung. Sie wurde sicherlich nicht von Red Bull veranlasst, gefordert oder ausgelöst.”

Susie Wolff wies “diese Anschuldigungen auf das Schärfste zurück”, wie sie in einem Statement in den sozialen Netzwerken schrieb. Die Vorwürfe “scheinen auf einschüchterndem und misogynem (frauenfeindlichem) Verhalten zu basieren und fokussieren sich mehr auf meinen Familienstand denn auf meine Fähigkeiten”. In ihrer Laufbahn im Motorsport habe sie bereits “zahlreiche Hindernisse überwunden, und ich weigere mich, meine Hingabe und Leidenschaft für die F1-Academy durch diese haltlosen Anschuldigungen überschatten zu lassen”.

Auch der Mercedes-Rennstall betonte, man weise die Anschuldigungen zurück. Es sei “hochgradig überraschend” gewesen, von der FIA-Ermittlung über die Medien erfahren zu haben, hieß es in einem Statement vom Dienstagabend, das mit dem Satz abschloss: “Selbstverständlich bitten wir die FIA-Compliance-Abteilung um eine umfassende, prompte und transparente Korrespondenz zu dieser Untersuchung und ihren Inhalten.”

Das Formel-1-Management teilte mit, nicht im Voraus Kenntnis von der FIA-Erklärung gehabt zu haben und drückte sein “volles Vertrauen aus, dass die Anschuldigungen falsch sind” und kein Mitglied des Teams unbefugt Informationen an einen Teamchef weitergegeben habe. Weiters verfüge die Formel-1-Führung über “robuste Prozesse und Verfahren”, die “die Trennung von Informationen und Verantwortlichkeiten im Falle eines potenziellen Interessenskonflikts sicherstellen”.

Der 51-jährige Toto Wolff ist seit 2013 Teamchef bei Mercedes und auch Mitbesitzer des Rennstalls. Seit 2011 sind der Wiener und die Schottin Susie Wolff verheiratet, sie haben einen sechs Jahre alten Sohn. Die 41-jährige Ex-Rennfahrerin Wolff war zuletzt auch mehrere Jahre Teamchefin beim Formel-E-Team Venturi.

Von: APA/dpa/Reuters