Rodung von Wald

Umweltverbände kritisieren Erweiterung der Schottergrube in Kaltern

Mittwoch, 08. Juli 2026 | 07:03 Uhr

Von: luk

Kaltern – Mehrere Südtiroler Umwelt- und Heimatschutzorganisationen üben scharfe Kritik an der genehmigten Erweiterung der Schottergrube „Ziegelstadel“ in Kaltern. In einer gemeinsamen Stellungnahme werfen sie der Gemeinde Kaltern und dem Betreiber vor, den beliebten Prazollsteig massiv beeinträchtigt und Umweltbedenken ignoriert zu haben.

Unterzeichnet wurde die Mitteilung vom Verein Unser Wald, dem Dachverband für Natur- und Umweltschutz in Südtirol, dem Verein für Kultur und Heimatpflege Kaltern, der Umweltgruppe Kaltern sowie der AVS-Sektion Kaltern.

Die Organisationen verweisen darauf, dass der Kalterer Gemeindeausschuss der Firma Pertoll mit Beschluss vom 29. April 2025 den Schotterabbau für weitere zehn Jahre genehmigt habe. Besonders kritisch sehen sie, dass laut Umweltvorstudie 51 Prozent der Abbauabgabe für Ausgleichsmaßnahmen verwendet werden sollen. Dadurch würden die Folgen eines privaten Eingriffs in die Natur auf die Allgemeinheit abgewälzt.

Im Mittelpunkt der Kritik steht die Verlegung des Prazollsteigs. Nach Angaben der Verbände sei der Wanderweg mit schweren Baumaschinen neu angelegt und dafür wertvoller Baumbestand gerodet worden. Die neue Trasse sei sehr steil und nur schwer begehbar. Zudem werfen die Organisationen der Gemeindeverwaltung vor, die zugesagte Einbindung des Wegwarts der AVS-Sektion Kaltern bei der Planung nicht umgesetzt zu haben.

Die Umweltverbände kritisieren außerdem die Rodungen angesichts des Klimawandels. Der Wald erfülle wichtige Schutzfunktionen, indem er Schlamm und Geröll zurückhalte. Diese Funktion sei durch die Eingriffe weiter geschwächt worden.

Darüber hinaus bemängeln die Unterzeichner, dass ihre bereits Anfang 2026 vorgebrachten Einwände gegen die Umweltvorstudie sowie die Forderung nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung unberücksichtigt geblieben seien. Aus ihrer Sicht fehlen wesentliche Bestandteile wie eine Bewertung der ökologischen Bedeutung des Gebiets, die Prüfung von Alternativen sowie wirksame Ausgleichsmaßnahmen.

Die Organisationen appellieren abschließend an die Verantwortlichen, dem Schutz des Waldes künftig mehr Gewicht beizumessen. Gerade in Zeiten zunehmender Hitze- und Dürreperioden sei der Wald ein unverzichtbarer Verbündeter im Umgang mit den Folgen des Klimawandels.

Bezirk: Bozen

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