Von: mk
Bozen – Wie hat sich der ethnische Proporz in Südtirol in den vergangenen fünf Jahrzehnten entwickelt? Welche Herausforderungen bestehen heute bei seiner Anwendung? Und welche Perspektiven ergeben sich für seine Zukunft in einer zunehmend pluralen Gesellschaft? Eine Tagung von Eurac Research geht diesen Fragen nach und bringt Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis zusammen. Die Veranstaltung findet am 22. April ab 9.00 Uhr im Forschungszentrum Eurac Research in Bozen statt.
Mit der Einführung des ethnischen Proporzes wurde vor fünfzig Jahren ein Regelwerk geschaffen, das weit über eine verwaltungstechnische Maßnahme hinausging. Ziel war es, Vertrauen zwischen den Sprachgruppen zu stärken, Teilhabe zu sichern und ein ausgewogenes Kräfteverhältnis in der öffentlichen Verwaltung zu gewährleisten.
Gemeinsam mit der Sprachgruppenzugehörigkeitserklärung und der Verpflichtung zur Zwei- bzw. Dreisprachigkeit im öffentlichen Dienst bildet der Proporz bis heute eine zentrale Grundlage für Minderheitenschutz und friedliches Zusammenleben in Südtirol. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich seither deutlich verändert: demografische Entwicklungen, zunehmende Mobilität und neue Formen von Mehrsprachigkeit stellen das System vor neue Anforderungen. Die Tagung nimmt diese Veränderungen zum Anlass, die historischen und rechtlichen Grundlagen des Proporzes ebenso zu beleuchten wie seine praktische Umsetzung und aktuelle Kritikpunkte.
Im Rahmen von drei Panels werden unterschiedliche Perspektiven diskutiert – von der Ideengeschichte und internationalen Vergleichsmodellen über Konfliktlinien und Kritik bis hin zur Rolle des Proporzes im Kontext von Migration, Diversität und gesellschaftlichem Wandel. Den Abschluss bildet ein runder Tisch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Forschung und Gesellschaft, der sich der Frage widmet, wie sich der ethnische Proporz weiterentwickeln kann, um auch künftig Ausgleich, Gerechtigkeit und Zusammenhalt zu gewährleisten.
Die Veranstaltung findet auf Deutsch, Italienisch und Englisch statt; alle Teilnehmenden sprechen in ihrer jeweiligen Sprache, eine Simultanübersetzung ist nicht vorgesehen. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist erforderlich unter info@autonomyexperience.org.




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