Vor rund 400 Jahren von einem unbekannten Künstler geschaffen worden

Buch enthüllt Geheimnisse des besterhaltenen Fastentuchs Südtirols

Freitag, 17. März 2017 | 15:47 Uhr

Gröden – Eine neue Publikation zur Geschichte und theologischer Botschaft des Fastentuchs von St. Jakob wurde vor kurzem in St. Ulrich vorgestellt.

Das Fastentuch von St. Jakob in Gröden ist ein besonderes Zeugnis barocken Volksglaubens. 400 Jahre alt, vollständig erhalten und mit 24 Bildern versehen, die die Leidensgeschichte Jesu nachzeichnen, hängt es heute im Museum Gherdëina. Die Geheimnisse des Fastentuchs hat Verena Niederegger Senoner gelüftet. Die Publikation mit den im Zuge ihrer Recherchen gemachten Erkenntnissen wurde am 15. März im Pfarrsaal von St. Ulrich vorgestellt.

Fastentücher waren im Mittelalter aufgekommen, um den Altarraum in der Fastenzeit zu verhüllen, ihn also den Blicken der Gläubigen zu entziehen. Nach und nach wurden sie aufwändiger geschmückt und mitunter mit Szenen aus der Leidensgeschichte Jesu bemalt. Sie dienten den meist leseunkundigen Gläubigen damit auch als bebilderter Leitfaden durch die Fasten- und Osterzeit. Das einzige vollständig erhaltene dieser bebilderten Fastentücher in Südtirol stammt aus der Kirche im Weiler St. Jakob in Gröden. Es ist vor rund 400 Jahren von einem unbekannten Künstler geschaffen worden, war bis in die Nachkriegszeit in Gebrauch und hängt nun seit rund 50 Jahren im Museum Gherdëina in St. Ulrich. Dort ist es in den letzten Jahren aufwändig restauriert worden, sodass es heute in seinem ursprünglichen Glanz bestaunt werden kann.

Die Geschichte, vor allem aber die Botschaft des Fastentuches hat Niederegger Senoner im Zuge einer aufwändigen Recherche für ihre Masterarbeit entschlüsselt. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse können nun allerdings auch von Nicht-Fachleuten nachgelesen werden, und zwar in einem 80-seitigen, reich bebilderten Büchlein, das in Zusammenarbeit zwischen dem Institut Ladin Micurà de Rü und dem Museum Gherdëina entstandenen ist. Es enthält alle wichtigen Informationen zu Herkunft und Geschichte des Fastentuchs und entschlüsselt dessen theologische Botschaft. Zudem erläutert Paulina Moroder, Direktorin des Museum Gherdëina, in einem Gastbeitrag die vorbildhafte Restaurierung. Außerdem sind auch meditative Überlegungen von Ulrich Fistill enthalten.

Die Publikation „Das Fastentuch von St. Jakob in Gröden“ ist im Ladinischen Kulturinstitut in Wolkenstein und in St. Martin in einer deutschen und italienischen Ausgabe für 10 Euro erhältlich. Zudem bietet das Museum Gherdëina jeweils donnerstags um 16 Uhr Führungen zum Fastentuch an, und zwar am 16., 23. und 30. März sowie am 6. April. Die Termine im März übernimmt Paulina Moroder, jenen am 6. April Verena Niederegger.

Von: luk

Bezirk: Salten/Schlern

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