Von: mk
Bozen – Die Freie Universität Bozen feierte am Donnerstagabend ihren traditionellen Ehrentag. Festredner Prof. Jens Schneider, Rektor der TU Wien und Präsident der TU Austria, sprach über die Zukunft der Universitäten zwischen Bewahren, Erneuern, Hinterfragen und Wagen. Im feierlichen Rahmen wurden neue Professorinnen und Professoren begrüßt, Friedrich Schmidl geehrt und der „Best Teacher Award“ verliehen.
Der Dies academicus zählt zu den besonderen Momenten im Universitätsjahr. Er bietet Gelegenheit, auf Erreichtes zurückzublicken, die Leistungen der Universitätsgemeinschaft zu würdigen und zugleich den Blick auf kommende Herausforderungen und Chancen zu richten. Zu den Gästen der Festveranstaltung zählten neben Rektor:innen und Professor:innen anderer Universitäten auch Bildungslandesrat Philipp Achammer, Bozens Vizebürgermeister Stephan Konder sowie zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.
In seiner ersten Eröffnungsrede als Präsident der Freien Universität Bozen hob Federico Giudiceandrea die besondere Rolle der unibz als Brückenbauerin zwischen Sprachgruppen, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft hervor. Mit ihrer überschaubaren Größe müsse die unibz ihre Stärken gezielt weiterentwickeln und auch künftig auf Exzellenz in Forschung und Lehre, internationale Sichtbarkeit sowie starke Kooperationen setzen. „Wir sind eine kleine Universität – aber mit einem klaren Anspruch: eine Universität von Qualität zu sein, die in Europa für das wahrgenommen wird, was sie wirklich gut kann“, betonte Giudiceandrea. Mit Blick nach vorne ergänzte er: „Die Zukunft einer Universität entsteht nicht dadurch, dass man Veränderungen vermeidet. Sie entsteht dadurch, dass man ihnen gemeinsam begegnet – mit Mut, Augenmaß und Weitblick.“
Rektor Prof. Alex Weissensteiner griff in seiner Rede die gesellschaftliche Verantwortung der Universität auf. Mit Verweis auf den Schriftsteller und ehemaligen tschechischen Präsidenten Václav Havel betonte er die Bedeutung von geistiger Freiheit und einer offenen Debattenkultur an Hochschulen. „Wissenschaft lebt nicht von Konformität. Wissenschaft lebt von der Bereitschaft, Fragen zu stellen – auch unbequeme Fragen“, so Weissensteiner. Universitäten müssten Orte bleiben, an denen nicht Anpassung, sondern unabhängiges Denken, Dialog und gesellschaftliche Verantwortung im Mittelpunkt stehen.
Die Festrede mit dem Titel „Bewahren – Erneuern – Hinterfragen – Wagen. Die Zukunft der Universitäten“ hielt Prof. Jens Schneider, Rektor der TU Wien und Präsident der TU Austria. Er zeichnete das Bild einer Universität, die sich in Zeiten von KI, geopolitischen Umbrüchen und wachsendem gesellschaftlichem Druck neu behaupten müsse – ohne dabei ihren Kern zu verlieren. Universitäten seien Orte der kritischen Vernunft, der geistigen Freiheit und der Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Demokratie. Wissenschaft dürfe sich nicht allein an Rankings, kurzfristiger Verwertbarkeit oder technologischen Trends orientieren, sondern müsse Räume schaffen, in denen Erkenntnis entstehen, Fragen offenbleiben und unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen können. „Die Aufgabe einer Universität ist: Bewahren, was zentral ist. Erneuern, was erstarrt ist. Hinterfragen, was fragwürdig ist. Wagen, was notwendig ist.“
Im Rahmen der Feierlichkeiten wurde Friedrich Schmidl mit der Verdienstmedaille der Freien Universität Bozen ausgezeichnet. Als Ausführender Vizepräsident (1998–2002) und später als Präsident der Freien Universität Bozen (2002–2006) trug er über viele Jahre hinweg maßgeblich zu deren Entwicklung bei. Die Laudatio hielt Direktor Günther Mathà, der Schmidls großes Engagement, seinen Weitblick und seine enge Verbundenheit mit der Universität hervorhob.
Im Rahmen des diesjährigen Dies academicus wurden drei neue Professor:innen willkommen geheißen: Inge Hinterwaldner, Thomas Maran und Andrea Polo.
Ein weiterer Höhepunkt des Festakts war die Verleihung der von der Stiftung Südtiroler Sparkasse gestifteten „Best Teacher Awards“ an herausragende Lehrende. Jedes Jahr verlassen mehr als 800 gut ausgebildete junge Menschen die unibz – und viele von ihnen bringen ihr Wissen in lokale Unternehmen und Institutionen ein. Voraussetzung dafür ist eine qualitativ hochwertige Lehre. Mit den „Best Teacher Awards“ wurden Giulia Cordin, Luca Gualtieri, Prof. Andrea Polo, Prof.in Paola Rovelli und Prof. Alessandro Vietti ausgezeichnet.
Den Abschluss des Dies academicus bildete ein Moment im Zeichen der Vernetzung: Die Freie Universität Bozen und Südstern – das Netzwerk der Südtirolerinnen und Südtiroler im Ausland – unterzeichneten eine Rahmenvereinbarung. Ziel der Zusammenarbeit ist es, Menschen, Ideen und Chancen zu verbinden, neue Kontakte für Praktika und berufliche Perspektiven zu eröffnen, Forschungskooperationen zu stärken sowie den Austausch von Wissen und Erfahrungen zu fördern.
Musikalisch umrahmt wurde der Festakt vom Trompetenensemble des Konservatoriums Claudio Monteverdi Bozen unter der Leitung von Prof. Marco Pierobon.




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