Jeder dritte Südtiroler ist ehrenamtlich aktiv

Freiwillig zu Diensten: Was sich bei der Freiwilligenarbeit ändert

Freitag, 21. September 2018 | 17:41 Uhr

Bozen – Statistisch gesehen ist gut jeder dritte Südtiroler freiwillig und ehrenamtlich aktiv. Es wird also viel Freiwilligenarbeit geleistet. Man kann aber nicht einfach erwarten, dass das immer so bleibt. Eine Tagung des Dachverbandes für Soziales und Gesundheit warf nun einen Blick auf aktuelle Entwicklungen und Perspektiven. Qualität in der Freiwilligenarbeit, so das Fazit, wird immer wichtiger.

Der Dachverband für Soziales und Gesundheit hat am Freitag in Bozen die Tagung „Qualität in der Freiwilligenarbeit – gut gerüstet für neue Entwicklungen“ organisiert. Im Pastoralzentrum haben Fachleute und Referenten aus dem Non Profit Bereich Erfahrungen und Anregungen ausgetauscht. Im Foyer stellten parallel dazu verschiedene Non-Profit-Organisationen ihre Angebote an Freiwillige vor.

Landeshauptmann Arno Kompatscher unterstrich in seiner Begrüßungsrede die Wichtigkeit des Ehrenamts, das „fundamental für Südtirol“ sei. Er bedankte sich bei den über 150.000 Ehrenamtlichen in Südtirol, die mit 650.000 geleisteten Arbeitsstunden im Jahr einen unbezahlbaren Beitrag für die Gesellschaft leisten. Auch Landesrätin Martha Stocker schloß sich diesem „Vergelts Gott“ mit bewegenden und herzlichen Worten an. Aber auch wenn freiwilliges und ehrenamtliches Engagement in Südtirol bislang noch traditionell stark verankert ist, zeigen die Entwicklungen der letzten 20 Jahre doch Umbrüche und Veränderungen.

„Es ist schwieriger geworden, Freiwillige für fixe und längerfristige Verpflichtungen zu finden. Die lebenslange Bindung an den Verein, die Kirchengemeinde, etc. wird brüchiger“, sagte die Präsidentin des Dachverbandes Dorotea Postal. Dafür nehme das kurzfristige, projektbezogene Engagement zu. „Besonders Junge sind eher zu haben, wenn das Engagement befristet ist. Und erst recht, wenn sie etwas lernen können, oder der Einsatz gut für den Lebenslauf ist“, betonte Postal. Außerdem seien Frauen wie Männer heute bis ins hohe Alter stark in Beruf und Familie eingespannt, hätten also weniger Zeit zur Verfügung. Gleichzeitig hätten sich die Möglichkeiten sich zu engagieren und die Freizeitangebote vervielfacht. „Damit sich künftig weiterhin viele Menschen mit Begeisterung freiwillig und ehrenamtlich engagieren, braucht es Qualität in der Freiwilligenarbeit“, ist Postal überzeugt und darin waren sich auch alle auf der Tagung anwesenden Experten einig. Der Dachverband bietet deshalb Unterstützung zur Stärkung der Freiwilligenarbeit an.

„Ehrenamtliche Arbeit verdient eine gute Begleitung und die Freiwilligenorganisationen müssen den interessierten Freiwilligen gute Rahmenbedingungen bieten. Zum einen, um ihnen den Einstieg zu erleichtern und zum anderen, damit die Freiwilligen auch in der Organisation verbleiben“, erklärt die Bereichsleiterin für Freiwilligenarbeit im Dachverband Simonetta Terzariol.

Das bedeutet, die Vereine müssen eine Art Aufgabenbeschreibung für die Freiwilligen erstellen, die interessierten Freiwilligen bestmöglich aufnehmen, sie aufklären über eventuelle Risiken und in die Tätigkeiten einführen. Damit die Freiwilligen aktiv mitarbeiten können, brauchen sie auch eine entsprechende Vorbereitung. Natürlich brauchen die Freiwilligen auch eine angemessene Begleitung und, nicht zu vergessen, braucht der freiwillige Einsatz auch dich richtige Anerkennung. Der Einsatz geschieht schließlich ohne Entlohnung. „Ich erhalten dafür nichts“, erzählte etwa Karl Werner, der sich in gleich drei Vereinen engagiert und Verantwortung übernimmt und zwar in der Arbeitsgemeinschaft für Behinderte, der Südtiroler Krebshilfe und im Südtiroler Chorverband.

„Trotz der vielen organisatorischen und repräsentativen Aufgaben, die teilweise auch sehr zeitintensiv sind, freut es mich, wenn Projekte gelingen und wenn in Notfällen geholfen werden kann und Menschen zusammenwachsen durch gemeinsame schöne Erlebnisse“, sagte Karl Werner. Während man in der Vergangenheit sich in den Vereinen um die Posten als Vorsitzender oder Präsident regelrecht gestritten habe, sei der Andrang heute durch die zunehmenden Angebote, die Bürokratisierung, die Zunahme der Verantwortung, welche auf den jeweiligen Amtsinhabern lastet, stark zurückgegangen. „Nichtdestotrotz empfinde ich persönlich es für mich immer noch spannend, mich gesellschaftspolitisch aktiv einzusetzen“, so Karl Werner: „Ich bin gewachsen an neuen Aufgaben und Herausforderungen, habe an Lebenserfahrung gewonnen und freue mich, wenn ich diese auch weitergeben kann. Ein bisschen mehr Altruismus würde ich mir in unserer heutigen Gesellschaft wünschen, die trotz allen Fortschrittes und der vielen Möglichkeiten, die uns heute offen stehen, mehr und mehr zum Egoismus tendiert.“

Von: mk

Bezirk: Bozen

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