Von: luk
Bozen – Mit einem zweisprachigen Gottesdienst im Dom, einer Prozession durch die Altstadt und einem Begegnungsfest am Domplatz ist heute, Sonntag, 7. Juni 2026, in Bozen Fronleichnam gefeiert worden. Bischof Ivo Muser erinnerte in seiner Predigt daran, dass die Eucharistie Gemeinschaft stiftet und Menschen verbindet. Ein besonderes Zeichen war ein Holzkreuz für Betroffene sexualisierter Gewalt, das bei der Prozession mitgetragen wurde.
Fronleichnam sei weit mehr als Prozession, Musik und festliche Traditionen, betonte Bischof Muser. Im Kern gehe es um die Frage, wovon Menschen leben und was sie zusammenhalte. Die Eucharistie sei nicht etwas, das jeder und jede für sich empfange, sondern sie stifte Gemeinschaft.
In einer Zeit, in der vieles digital vermittelt werde, stehe die Eucharistie für eine andere Wirklichkeit. Wirkliche Gemeinschaft entstehe nicht durch Konsum oder virtuelle Vernetzung, sondern durch Hingabe und Beziehung. Christus bleibe nicht fern, sondern werde Nahrung, Gemeinschaft und Weg. Die Fronleichnamsprozession sei deshalb ein öffentliches Zeichen dafür, dass Christus nicht im Kirchenraum eingeschlossen bleibe, sondern die Menschen in ihrem Alltag begleite.
Kreuz als Zeichen der Erinnerung und Verantwortung
Ein besonderes Zeichen bei der Prozession setzte die Mitführung jenes schlichten Holzkreuzes, das seit März im Bozner Dom als Erinnerungszeichen für Betroffene sexualisierter Gewalt steht. Das Kreuz wurde von einem Betroffenen angefertigt und war zentraler Bestandteil eines Gedenkortes im Dom. Der Gedenkort lud dazu ein, innezuhalten, ein Zeichen der Solidarität mit den Betroffenen zu setzen und erinnerte an die Verantwortung aller, dieser Form von Gewalt entgegenzutreten. Mit Fronleichnam findet diese Initiative ihren Abschluss. Auch das diözesane Projekt „Mut zum Hinsehen“, das sich mit der Aufarbeitung und Prävention von sexualisierter Gewalt befasst, nähert sich seinem Abschluss; die Ergebnisse sollen im Herbst der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
„Menschen wurden an Leib und Seele verwundet“, sagte Bischof Muser. Das Kreuz erinnere daran, wo die Kirche hingehöre: an die Seite Christi und an die Seite jener Menschen, die schwere Wunden zu tragen haben – durch Missbrauch in der Kirche, in Familien und in vielen anderen Bereichen der Gesellschaft.
Das Kreuz habe bewusst seinen Platz mitten in der Prozession und unter den Gläubigen gehabt, um sichtbar zu machen, dass das Leid der Betroffenen, die Verantwortung für Aufarbeitung und Prävention sowie die Hoffnung auf Heilung und Versöhnung in die Mitte der Kirche gehören.








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