Südtiroler Jugendarbeitende auf Studienreise in der Schweiz

Gemeinsam unterwegs für Demokratiebildung und Extremismusprävention

Freitag, 05. Juni 2026 | 09:06 Uhr

Von: mk

Bozen – Knapp 20 Vertreterinnen und Vertreter der Jugendarbeit aus Südtirol nahmen an einer Studienreise in die Schweiz teil. Organisiert wurde die Fahrt vom Bildungshaus Jukas in Zusammenarbeit mit dem Amt für Jugendarbeit. Im Mittelpunkt standen Fragen der Demokratieförderung und Extremismusprävention. Die Teilnehmenden setzten sich mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen auseinander und sammelten Impulse für die Weiterentwicklung der Jugendarbeit in Südtirol.

Die Initiative entstand im Arbeitskreis Fortbildung, der sich für die Stärkung der Aus- und Weiterbildung im Jugendbereich einsetzt und Fachkräfte dabei unterstützt, ihre Kompetenzen kontinuierlich weiterzuentwickeln. Im Arbeitskreis vertreten sind das Amt für Jugendarbeit der Deutschen und Ladinischen Kultur, die Arbeitsgemeinschaft der Jugenddienste, das Bildungshaus Jukas, das Forum Prävention, netz | Dachverband Offene Jugendarbeit, das Netzwerk der Eltern-Kind-Zentren, der Südtiroler Jugendring sowie Vertretungen der Deutschen und Ladinischen Jugendarbeit.

Aus der Praxis heraus entstand der Wunsch, sich über Landesgrenzen hinweg zu Themen wie Extremismus, Diskriminierung und Radikalisierung fachlich auszutauschen. Ziel der Studienreise war es, aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen gemeinsam zu reflektieren und neue Anregungen für die Jugendarbeit in Südtirol mitzunehmen.

In Chur fand ein Fachaustausch mit Jugendarbeitenden aus Graubünden statt. Im Mittelpunkt standen Best-Practice-Beispiele aus Südtirol und Graubünden zu Partizipation und Demokratiebildung. Rasch zeigte sich, dass die Herausforderungen auf beiden Seiten ähnlich sind. Unterschiede bestehen vor allem in den politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen. Deutlich wurde dabei, wie wichtig die Jugendarbeit als Ort gelebter Demokratie ist.

In Winterthur und Zürich setzten sich die Teilnehmenden intensiv mit Präventionsansätzen zu Extremismus und Radikalisierung auseinander. Im Workshop zum Videospiel „Radical Choices: Gaming against Extremism“, entwickelt von der Stiftung Risiko-Dialog und dem Verein Dezentrum, lernten sie innovative Methoden kennen, um Jugendliche spielerisch für die Themen Extremismus und Radikalisierung zu sensibilisieren. Die Fachstelle für Extremismus & Gewaltprävention Winterthur beleuchtete Radikalisierungsprozesse auf digitalen Plattformen, mögliche Warnsignale sowie Handlungsmöglichkeiten für den Arbeitsalltag. Ergänzt wurde dies durch einen Vortrag des Instituts für Delinquenz und Kriminalprävention Zürich zur Jugendradikalisierung in der Schweiz.

Praxisnahe Einblicke boten die Mobile Jugendarbeit Winterthur, die OJA Zürich sowie das Jugendkulturhaus Dynamo. Im Fokus standen Projekte zu Wandmalerei und Graffiti gegen Hassrede, die Arbeit von Jugendtreffs in den Quartieren sowie Initiativen gegen Diskriminierung und zur Förderung von Partizipation.

Darüber hinaus tauschten sich die Teilnehmenden mit der okaj Zürich, dem kantonalen Dachverband der Offenen, verbandlichen und kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit, aus. Vorgestellt wurden unter anderem das Projekt „Euses Züri“, Initiativen zum interreligiösen Dialog und zu kinder- und jugendfreundlichen Gemeinden sowie die Fachstelle für Männer- und Jungenarbeit „OH BOY*“.

„Es war interessant zu sehen, dass viele Ansätze der Jugendarbeit über Ländergrenzen hinweg ähnlich funktionieren und wir uns mit denselben Fragen beschäftigen. Gleichzeitig wurde deutlich, wie wichtig es ist, aktiv zu werden, Brücken zwischen Generationen und unterschiedlichen Gruppen zu bauen und gegenseitiges Verständnis zu fördern. Demokratie lebt davon, im Austausch zu bleiben“, betont eine Teilnehmerin der Studienreise.

Die Studienreise machte deutlich, dass Jugendarbeit rassistischen und extremistischen Tendenzen aktiv entgegenwirken kann. Sie fördert Dialog, Beteiligung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Besonders wichtig bleibt dabei, junge Menschen mit ihren unterschiedlichen Chancen und Potenzialen ernst zu nehmen, sie aktiv einzubeziehen und ihnen verlässliche Beziehungen anzubieten – oft sind es gerade die kleinen Schritte, die langfristig Wirkung zeigen.

Neben zahlreichen fachlichen Impulsen entstanden neue Kontakte und Vernetzungen zwischen Südtiroler und Schweizer Jugendarbeitenden. Der Austausch mit den Partnerorganisationen soll auch künftig fortgeführt werden.

Bezirk: Bozen

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