Von: mk
Bozen – Die Modeindustrie steht weltweit in der Kritik: Intransparente Lieferketten, prekäre Arbeitsbedingungen, Umweltverschmutzung und die Abhängigkeit von fossilen Ressourcen prägen das System. Gleichzeitig wächst der Widerstand: Immer mehr Initiativen setzen sich für faire und nachhaltige Alternativen ein – auch in Südtirol. Diese sichtbar zu machen, zu vernetzen und Menschen zum Mitmachen zu bewegen, ist ein zentrales Anliegen von Fashion For Future.
Fashion For Future, das Festival für Mode, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Wandel lädt vom 21. bis 25. April 2026 ein, den Umgang mit Kleidung neu zu denken und aktiv mitzugestalten. Auf die Besucherinnen und Besucher wartet ein vielseitiges Programm: Workshops, Vorträge, Ausstellungen, eine Fashion Show, Atelierbesuche, eine Kleidertauschparty, Slow-Fashion-Tours und Nähcafés in Bozen, Brixen, Meran und Bruneck.
Im Mittelpunkt des diesjährigen Festivals steht ein Leitsatz der internationalen Fashion Revolution Bewegung: „First we mend our clothes, then we mend the system.“ Zuerst reparieren wir unsere Kleidung, dann das System. Reparieren wird zur Haltung – und zum politischen Akt gegen Fast Fashion und Konsumismus. Organisiert wird das Festival bereits zum vierten Mal von der OEW – Organisation für Eine solidarische Welt, der Fakultät für Design und Künste der unibz, dem Netzwerk der Südtiroler Weltläden sowie Susanne Barta – Slow-Fashion-Expertin.
Hier geht es zum Festivalprogramm: fashionforfuture.bz.it
Das zentrale Event des Festivals findet am 22. April um 16:00 Uhr im Waag Café in Bozen statt: Die international renommierte Nachhaltigkeitsberaterin Caterina Occhio analysiert globale Lieferketten und ordnet das Label „Made in Italy“ kritisch im internationalen Kontext ein. Im Anschluss eröffnet die Designerin und Researcherin Alexandra Fruhstorfer ihre Ausstellung „Inside Dust“, die zeigt, warum viele Recyclingversprechen in der Modebranche zu kurz greifen und wie eng Textilien weiterhin mit Erdöl verbunden sind. Begleitend zur Ausstellung laden tägliche Führungen, praxisorientierte Workshops und multimediale Installationen dazu ein, die kritischen Aspekte der heutigen textilen Materialkultur hautnah zu erleben.
Annalena Egger, Bereichsleiterin für bewussten Konsum bei der OEW, betont: „Wir wollen zeigen, dass Veränderung bereits stattfindet – und dass jede und jeder Teil davon sein kann. Das Festival bringt Menschen zusammen, die faire Mode erlebbar machen und gemeinsam handeln.“
Auch Aart van Bezooijen, Professor für Material Driven Design an der unibz, sieht darin einen klaren Auftrag: „Die Universität versteht sich als offener Raum für kritischen Diskurs und konkrete Lösungen. Fashion For Future verbindet Wissen mit Praxis und macht Transformation erlebbar.“
Weitere Programmpunkte greifen zentrale Herausforderungen der Branche auf: Workshops und Vorträge thematisieren Textilfasern aus Erdölprodukten, Greenwashing, Textilpflege, das Recht auf Reparatur sowie Fairtrade- und Nachhaltigkeitssiegel. Praktische Formate wie Upcycling-Workshops – etwa mit ausgedienten Fallschirmen – und kollektive Nähprojekte initiiert von Studierenden der Fakultät für Design und Künste laden dazu ein, selbst aktiv zu werden und gemeinsam Alternativen zum Konsum zu erproben. Die meisten Events finden in Bozen, sei es im WAAG Haus wie an der unibz statt.
Ein weiterer Fokus liegt auf den Nähcafés an öffentlichen Orten in Bozen, Brixen, Meran und Bruneck. Sie orientieren sich am internationalen „Mend in Public Day“ und holen das Reparieren bewusst in den öffentlichen Raum. Menschen bringen ihre Kleidung mit, flicken, nähen und stopfen sie gemeinsam und setzen damit ein unmissverständliches Zeichen: Reparieren ist keine Notlösung, sondern ein aktiver Beitrag für den notwendigen Systemwandel. Begleitet wird das Festival von einer Plakatkampagne in allen Weltläden und Städten und einer Info-Ausstellung zur globalen Textilproduktion der OEW.
„Reparieren muss wieder zum Trend werden – genauso wie Secondhand-Mode. Und wenn schon neu, dann bitte Textilien, die unter fairen Arbeitsbedingungen und innerhalb transparenter Lieferketten hergestellt wurden, sagt Brigitte Gritsch, Koordinatorin des Netzwerks der Südtiroler Weltläden. „Was auch immer wir tun: Es ist wichtig, unsere Geschichten zu erzählen und zu versuchen, etwas zu verändern – egal, wie klein unser Beitrag auch sein mag.
Ein fester Bestandteil des Festivals ist inzwischen der „Slow Fashion Walk & Talk“ durch Bozen, bei dem besser produzierende Labels und Slow Fashion Ateliers ihre Türen öffnen. „In Südtirol gibt es viele engagierte Initiativen – wir machen sie sichtbar und vernetzen sie”, sagt Slow Fashion-Expertin Susanne Barta. Ein wahrer Hingucker ist auch die Fashion Show, eine alternative Modenschau am Freitag, 24. April um 17.00 Uhr auf dem Kornplatz in Bozen. Freiwillige Models aller Altersklassen geben sich dem Catwalk hin und präsentieren ihre liebsten, fairen und nachhaltigen Styles. Reparierte, lang getragene, unter menschen- und umweltfreundlichen Bedingungen produzierte Kleidung wird hier zelebriert.
Rund 40 Freiwillige tragen in diesem Jahr zur Umsetzung des Festivals bei und machen Fashion For Future zu einem lebendigen Ort des Austauschs, der Kreativität und des gemeinsamen Handelns.
Das Festival findet rund um den internationalen Fashion Revolution Day am 24. April statt, an dem in über 75 Ländern Aktionen für eine faire und transparente Modeindustrie organisiert werden. Als Teil dieser globalen Bewegung verbindet Fashion For Future internationale Perspektiven mit lokalem Engagement – und zeigt: Jede Entscheidung im Alltag, vom Kauf bis zur Reparatur, kann Teil eines größeren Wandels sein.
Die Initiative wird vom Land Südtirol, Amt für Freiwilligenwesen und Solidarität unterstützt, genauso wie vom Competence Centre for Sustainability, dem österreichischen Bundesministerium für Kunst und Kultur, der Universität für angewandte Kunst Wien, der Europäischen Union und dem Österreichischen Kulturforum Mailand.




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