Neues Lehrwerk: Grammatik lernen in vier Sprachen

Los geht’s – Junde! Erste ladinische Grammatik für Grundschulkinder

Montag, 22. Oktober 2018 | 16:07 Uhr

Bozen – Grammatik lernen in vier Sprachen: Nach einer solch integrierenden Sprachdidaktik arbeitet ein 12-bändiges ladinisches Grammatiklehrwerk, das von einem Team der Freien Universität Bozen und des ladinischen Schulamtes erarbeitet wurde und im Universitätsverlag bu,press erscheint.

In Sachen mehrsprachiges Lernen hat die ladinische Sprachgruppe traditionell die Nase vorne. Mit dem bisher umfangreichsten Publikationsprojekt des Universitätsverlages bu,press wird diese Vorreiterrolle nun ausgebaut: „Auf, auf, los geht’s!“, lautet die Übersetzung des Titels Junde!, unter dem in diesem Herbst die erste didaktisierte ladinische Grammatik für den Grundschulunterricht erschienen ist. Vorerst gibt es die 12 Bände auf Gadertalisch, ab Mitte 2019 wird die grödnerische Ausgabe unter dem Titel Jonde! verfügbar sein. Am Montag wurde die mehrsprachige neue Reihe vorgestellt – von den Autorinnen Ruth Videsott (unibz) und Veronica Rubatscher (ladinisches Schulamt), dem Dekan der Fakultät für Bildungswissenschaften Paul Videsott, der die didaktische und linguistische Qualität der Lehrbücher gemeinsam mit Rico Cathomas über einen wissenschaftlichen Beirat gewährleistet, der Leiterin der Universitätsbibliothek Gerda Winkler, der Prorektorin für Lehre der unibz Stefania Baroncelli sowie der ladinischen Schulamtsleiterin Edith Ploner.

„Diese Publikation ist ein schönes Beispiel für den Mehrwert, den eine Universität dem Land bringen kann“, sagte Dekan Paul Videsott. Das gelte er recht, wenn eng mit lokalen Institutionen zusammengearbeitet wird – wie in diesem Fall mit dem ladinischen Schulamt. Mit ihrer ladinischen Abteilung hat die Freie Universität Bozen ein Alleinstellungsmerkmal, erinnerte der Dekan der Fakultät für Bildungswissenschaften. Neben der Erforschung und Dokumentation der Ladinischen Sprache und Kultur zähle die mehrsprachige Didaktik zu den Schwerpunkten dieser Abteilung der bildungswissenschaftlichen Fakultät, so Paul Videsott.

Für das ladinische Schulamt, wo man schon vom Kindergarten weg einen Ansatz der integrierten Mehrsprachigkeit verfolgt, ist die Universität somit ein wichtiger Partner, unterstrich Schulamtsleiterin Edith Ploner. Die zwölf Junde!-Bände sind der beste Beweis, wie fruchtbar die Zusammenarbeit zwischen den beiden Institutionen ist. Drei Jahre lang arbeitetet das Team der unibz und des ladinischen Schulamtes an der Reihe, die aus einem Grammatik- und einem Konjugationsband sowie je einem Übungsband und einem Lehrhandbuch für jede der fünf Grundschulstufen besteht. „Das Ergebnis ist eine anschauliche und leicht verdauliche Grammatik, die abwechslungsreiche didaktische Vorschläge enthält und den Ladinisch-Unterricht erleichtert, für den wöchentlich nur zwei Stunden vorgesehen sind“, so Schulamtsleiterin Edith Ploner.

Bislang gab es für diesen Unterricht kein eigenes Grammatiklehrwerk mit didaktischen Anregungen, erklärten die Autorinnen Ruth Videsott, Forscherin und Dozentin der unibz und Veronica Rubatscher vom ladinischen Schulamt. Gemeinsam mit Daria Valentin (ladinisches Schulamt) schlossen sie diese Lücke und legten damit auch erstmals mögliche Kompetenzstandards für Ladinisch als Muttersprache fest. Eine Besonderheit der Grammatikreihe, die auch für den Sprachunterricht in den beiden anderen Landessprachen neue Wege weisen könnte, ist die angewandte integrierende Sprachendidaktik. In allen Junde!-Bänden werden dem Ladinischen die Sprachen Deutsch, Italienisch und Englisch gegenüberstellt. „Ladinisch bleibt aber immer die Metasprache“, unterstrichen die Autorinnen. Ein klares Farbkonzept erleichtert den mehrsprachigen Spracherwerb, indem jede der Sprachen durchgehend mit einer Farbe gekennzeichnet wird. Auch darüber hinaus sind die Lehrbücher grafisch ansprechend und kindgerecht gestaltet – ein Werk der Illustratorinnen von marameolab, einem Kollektiv von Absolventinnen der Fakultät für Design und Künste von unibz.

Für jeden Band wurde versucht, die vier Fertigkeiten Schreiben, Lesen, Sprechen, Hören einzubinden und die Sprachreflexion zu fördern. „Somit könnte Junde! könnte auch als Hilfsmittel für Ladinisch L2 dienen“, meinten Ruth Videsott  und Veronica Rubatscher. Das Lehrwerk eigne sich darüber hinaus auch für den Montessori-Unterricht, zumal die Wortarten mit den entsprechenden Montessori-Symbolen verknüpft sind.

Sichtlich stolz auf die Neuerscheinung zeigte sich die Leiterin der Universitätsbibliothek Gerda Winkler, die Junde! erst vor wenigen Tagen am Stand des Universitätsverlages bu,press auf der Frankfurter Buchmesse vorstellte. „Die ladinische Schulgrammatik ist mit insgesamt 24 Bänden das umfangreichste, kostenintensivste und ungewöhnlichste Publikationsprojekt, das bisher im Universitätsverlag realisiert wurde“, erklärte Winkler. Sie freut sich darüber, dass die gadertalische Version Junde! schon seit wenigen Wochen im Schulsprengel Abtei und St. Vigil im Unterricht eingesetzt wird. „Im kommenden Jahr wird dann die grödnerische Version Jonde! folgen“, so Gerda Winkler.

Von: mho

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