Von: mk
Bozen – Die Katholische Männerbewegung Südtirol (kmb) erweitert ihr hauptamtliches Team. Mit Matthias Oberbacher übernimmt ein erfahrener Soziologe, Bildungsreferent und Männerbildner künftig die Betreuung der östlichen Landesteile. Die kmb reagiert damit auf gesellschaftliche Veränderungen und auf die wachsende Nachfrage nach Angeboten für Männer, Väter und Familien, erklärt der Diözesanvorsitzende Edl Huber. Die Katholische Männerbewegung wolle Männer dort erreichen, wo sie im Leben stehen, und Räume für Austausch, Orientierung und Gemeinschaft schaffen.
Die gesellschaftliche Rolle von Männern verändert sich seit Jahren tiefgreifend. Klassische Rollenbilder geraten ins Wanken, Erwartungen an Väter, Partner und Arbeitnehmer steigen, gleichzeitig nehmen Themen wie psychische Belastung, Einsamkeit und Orientierungslosigkeit zu. Zugleich kann die Weiterentwicklung der Gesellschaft nicht gelingen, wenn man(n) die Visionsarbeit ausschließlich den Frauen überlässt und dann nur noch reagieren kann. „Wenn sie ehrlich sind, geben auch viele Männer zu, dass sie sich eine bessere Vereinbarkeit von Partnerschaft, Familie und Beruf wünschen. Der alltägliche Druck lastet allerdings stärker auf den Frauen und daher sind diese meist aktiver. Wir Männer sollten aber raus aus der Komfortzone und unsere eigene Vision entwickeln, wie es besser laufen könnte”, meint Matthias Oberbacher. Genau dort sieht die Katholische Männerbewegung ihren Auftrag: „Viele Männer suchen echte Begegnung, Zuhören und Begleitung auf Augenhöhe“, sagt Edl Huber. Es brauche Orte, an denen Männer offen über ihr Leben sprechen können, ohne bewertet zu werden. Die Unterstützung durch Landesrat Philipp Achammer über das Amt für Kultur und vonseiten der Diözese Bozen-Brixen macht diesen Ansatz erst möglich und zeigt, wie wichtig er ist.
Matthias Oberbacher bringt langjährige Erfahrung aus der Bildungsarbeit mit. Bereits 2011 beschäftigte er sich gemeinsam mit den (inzwischen verstorbenen) Wissenschaftlern Lothar Böhnisch und Armin Bernhard in einer Studie mit der Frage, warum Männer klassische Bildungsangebote oft meiden. Später setzte er sich als Bildungsreferent der Cusanus-Akademie immer wieder mit Themen rund um Männlichkeit, Vaterschaft und gesellschaftliche Rollenbilder auseinander. Besonders prägend war für ihn die Mitarbeit an zwei europäischen Erasmus+-Projekten zum Thema Männergesundheit und Grundbildung. Bei seiner neuen Aufgabe möchte Matthias Oberbacher gesellschaftliche Fragen rund um das Mannsein lebensnah aufgreifen. Im Mittelpunkt stehen Identität, Verantwortung, Beziehungen, Spiritualität und die Rolle der Väter. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Weiterentwicklung der „Väter-Werkstatt“ und der Umsetzung männerspezifischer Angebote.
„Vaterschaft hat sich stark verändert. Viele Männer wollen heute präsente Väter sein und Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig fehlen oft Orientierung und Austauschmöglichkeiten“, sagt der dreifache Vater Matthias Oberbacher. „Genau dort möchten wir als Katholische Männerbewegung ansetzen.“ Gemeinsam mit dem langjährigen kmb-Mitarbeiter Hannes Rechenmacher wird Matthias Oberbacher künftig die Bezirks- und Ortsebene betreuen. Während Rechenmacher die westlichen und zentralen Landesteile begleitet, übernimmt Oberbacher die Dekanate Innichen, Taufers, Bruneck, Gadertal, Brixen-Rodeneck, Sterzing, Klausen-Kastelruth und Gröden.
Ein wichtiges Anliegen bleibt für ihn die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen und Verbänden. Männerarbeit könne nur gelingen, wenn unterschiedliche gesellschaftliche Kräfte zusammenarbeiten. „Die Herausforderungen von Männern betreffen Familie, Arbeit, Gesundheit, Beziehungen und Spiritualität zugleich“, erklärt er. „Deshalb braucht es einen ganzheitlichen Blick und starke Netzwerke. Männer und Frauen dürfen dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden. Es geht darum, gemeinsam Lösungen zu finden.“ Auch die Kirche sieht er in einer wichtigen Rolle. Sie könne Gemeinschaft, Orientierung und Sinn vermitteln, müsse dafür aber zeitgemäße und glaubwürdige Angebote schaffen, die auch jüngere Männer ansprechen.
Zur Person
Matthias Oberbacher lebt in Stegen bei Bruneck, ist verheiratet und Vater von drei Kindern (Zwillinge, 18 Jahre und Tochter, 15 Jahre). Matthias Oberbacher hat Soziologie in Trient studiert und mehr als zwanzig Jahre als Bildungsreferent an der Cusanus-Akademie gearbeitet. Er betreut die Bildungsausschüsse im Eisack- und Wipptal. 2023 wirkte er gemeinsam mit dem Landesinstitut für Statistik ASTAT und der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen an der Studie „Spiritualität und Nachhaltigkeit“ mit. Zudem ist er Wander-, Pilger- und Dialogbegleiter sowie Mentaltrainer.




Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen