Wichtige Arbeit für die Ladiner

Micurá de Rü: 40 Jahre Arbeit für Sprache und Kultur der Ladiner 

Freitag, 13. Oktober 2017 | 19:00 Uhr

 

St. Martin in Thurn – Bei der Feier zum 40- jährigen Bestehen, die das Ladinische Kulturinstitut Micurá de Rü beim Tag der ladinischen Kultur am 12. Oktober in St. Martin in Thurn beging, wurde Bilanz gezogen über die Arbeit und die Initiativen der Einrichtung in den vergangenen Jahren und ein Blick in die Zukunft gemacht.

Wichtige Arbeit für die Ladiner

„Wir sind alle beeindruckt von den Leistungen des Instituts, das eine grundlegende Bedeutung für die Ladiner hat, aber auch für Südtirol“, sagte Landeshauptmann Arno Kompatscher. „Durch Sprache wird die Welt spürbar und Heimat erlebt – sie ist das Intimste das wir haben, deshalb muss Sprache gepflegt werden und wir sind stolz, auf die sprachliche und kulturelle Vielfalt in unserem Land, denn sie machen unser Land zu einem besonderen Land“, unterstrich der Landeshauptmann. Kompatscher wies darauf hin, dass längst nicht alle Sprachen eine solche beeindruckende Basis haben, wie das Ladinische und es gelte, noch mehr Bewusstsein und Freude dafür zu vermitteln, durch die Schulen, das Institut und vor allem die Menschen selbst, wobei auch der Tourismus mit eingebunden werden solle.

„Das Institut hat maßgeblich zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der ladinischen Sprache und Kultur beigetragen und somit auch die Identität der Ladiner gestützt“, sagte Ladinerlandesrat Florian Mussner bei der Feierstunde und verwies auf die vielen Möglichkeiten, die sich für Sprache und Kultur durch die neuen Medien für die Zukunft bieten würden. Am wichtigsten sei, dass die Menschen die ladinische Sprache gerne sprechen und die ladinische Kultur leben und weitergeben würden, sagte Mussner.

Auch der ladinische Parlamentarier Daniel Alfreider gratulierte dem Institut zu seiner bedeutenden Arbeit, auf die er stolz sei, wie er sagte.

Vom Wörterbuch bis zur Musik

Institutspräsidentin Erika Castlunger erinnerte daran, dass die Institution vor allem durch den Einsatz und die Unterstützung der vielen Mitarbeiter und Verwalter gewachsen sei.

Institutsdirektor Leander Moroder fasste in seiner Rede die wichtigsten Projekte des Instituts in den vergangenen Jahren zusammen, angefangen von den Wörterbüchern, über Ladinischkurse, die App „Ladin“, die Flurnamenkarten, Studien zur ladinischen Musik, archäologische Forschungen und Ausstellungen bis hin zu den rund 300 selbst erarbeiteten Publikationen. Auch zahlreiche Mitarbeiter und Partner berichteten über umgesetzte Projekte.

Forschen, dokumentieren und beraten

Das Micurá de Rü befasste sich vor allem mit wissenschaftlicher Arbeit zu ladinischer Sprache, Kultur und Geschichte. Sämtliche Studien wurden in Fachschriften sowie in 40 Ausgaben des Magazins „Ladinia“ veröffentlicht. Somit gewann das Ladinische auch an Stellenwert im Bereich der romanischen und neolateinischen Sprachen. Vor allem aber entwickelte sich das Institut zu einer Anlaufstelle für Studenten und die Wissenschaftswelt im Allgemeinen. Neben den Wörterbüchern, die besonders für die Verschriftlichung des Ladinischen bedeutend sind, hat das Institut auch eine ganze Reihe von Karten mit ladinischen Flurnamen in Gröden und im Gadertal erstellt, die an die dortigen Familien verteilt wurden. Daneben gibt es beim Micurá de Rü Beratung für Bürger in punkto ladinische Sprache. Betreut wird vom Institut auch ein Archiv mit 10.000 Fotos und anderen Dokumenten sowie eine Bibliothek mit 13.000 Publikationen zu Ladinien ebenso wie das Weiterbildungsprogramm der ladinischen Täler.

Einen Einblick in die geleistete Arbeit gibt eine Filmdokumentation von Gustav Willeit, die mit Unterstützung des Landes und der Region Trentino-Südtirol herausgegeben wurden und bei der die Mitarbeiter des Instituts mitwirkten.

Wie das Institut entstanden ist

Ende der 60-er Jahre wurde von den Kulturorganisationen angeregt, eine Kultureinrichtung zu schaffen, die neben den Vereinen und Schulen ein starker Referenzpunkt für die Sprache und Kultur der ladinischen Minderheit sein sollte und sich um Erhalt und Weiterentwicklung von Sprache, Bräuchen und Traditionen kümmern sollte. Auf Vorschlag von Lois Craffonara und der Arbeitsgemeinschaft Tirol hat sich die Landesregierung 1976 für die Einrichtung des Instituts ausgesprochen und ein entsprechendes Gesetz auf den Weg gebracht. 1977 nahm das Istitut Ladin Micurá de Rü dann seine Tätigkeit auf.

Mehr Informationen zum Institut gibt es im Web unter www.micura.it.

Von: luk

Bezirk: Bozen, Pustertal

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