Matthias Winterer und Jürgen Klatzer erhalten Auszeichnung

Gatterer-Preis für Recherche zu Missbrauchsfällen bei SOS Kinderdorf

Donnerstag, 04. Juni 2026 | 11:46 Uhr

Von: mk

Sexten – Die “Auszeichnung für hervorragenden Journalismus im Gedenken an Claus Gatterer” wird alljährlich in Claus Gatterers Heimatgemeinde Sexten vergeben. Damit werden journalistische Arbeiten ausgezeichnet, die im Sinne Gatterers unter anderem der Sorge um soziale Minderheiten und dem Zusammenleben in einer offenen Gesellschaft verpflichtet sind. 2026 wurde die Auszeichnung am 3. Juni den beiden Journalisten der österreichischen Wochenzeitung Falter, Matthias Winterer und Jürgen Klatzer überreicht. Für den Text “Körperliche Gewalt war gang und gäbe” sind die beiden Journalisten einem anonymen Hinweis nachgegangen, wonach es in den SOS Kinderdörfern über viele Jahrzehnte hinweg zu Gewalt und Missbrauch gekommen sei, ausgeübt von engsten Bezugspersonen der Kinder.

Durch ihre wochenlange intensive und anspruchsvolle Recherche haben die beiden Journalisten dazu beigetragen, dass sich dutzende Betroffene gemeldet haben, Staatsanwaltschaften gegen Verantwortliche ermitteln und ein umfassender Reformprozess bei SOS Kinderdorf umgesetzt wurde. “Der Artikel zeigt, wie wesentlich das kritische Auge unabhängiger Medien und des traditionell gründlich arbeitenden Journalismus für unsere Demokratie ist”, hielt dazu Laudator und Jurymitglied Franz Kössler in Sexten fest.

Ressortdirektorin Manuela Defant, die Kulturlandesrat Philipp Achammer bei der Veranstaltung vertrat, überreichte den Preisträgern die Auszeichnung und unterstrich: “Informationen zu recherchieren, zu hinterfragen, einzuordnen und dann der Öffentlichkeit zugänglich zu machen ist eine Aufgabe mit einer großen gesellschaftlichen Bedeutung und Verantwortung, gerade in der heutigen Informationsflut. Ernsthafte journalistische Arbeit heißt, die Vernunft und den Verstand der Menschen anzusprechen, nicht nur den Bauch. Kompliment daher den Preisträgern, aber auch den Schülerinnen und Schülern zu ihrer großartigen Arbeit.”

Bereits einleitend hatte Sextens Bürgermeister Thomas Summerer darauf verwiesen, wie wichtig es gerade heute sei, ein Gespür für das Anliegen der gesellschaftlich Schwächsten zu haben und damit im Sinne Claus Gatterers diesen eine Stimme zu geben. Dies wurde auch in den neun Beiträgen, die von insgesamt zwölf Schülerinnen und Schülern für den Schülerpreis CLAUS eingereicht wurden, deutlich. Mitinitiator Hermann Rogger lobte die “Vielfalt an Themen, Perspektiven und Zugängen” der eingereichten Video- und Audiobeiträge. Den Preis sicherte sich in diesem Jahr Maria Erhard, Schülerin am Kunstgymnasium Bruneck, die mit “Vergangenheit und Zukunft der ladinischen Sprache. Impressionen aus meinem Heimatdorf” aufzeigte, wie vielfältig Muttersprache sein kann.

Jurysprecherin Teresa Indjein führte aus, dass der Beitrag in vielerlei Hinsicht überzeugte, unter anderem durch die sorgfältige Recherche, die Gegenwartsbezogenheit oder den nachvollziehbaren persönlichen Bezug der Autorin. Sie lobte alle eingereichten Beiträge für deren “gute Balance zwischen jugendlicher Alltagserfahrung und analytischer Reflexion”. Lob sprach Indjein auch den Initiatoren des Schülerpreises aus: Sie sei sich in Vorbereitung des Abends bewusst geworden “was für ein Lebensgeschenk eine gute Schule doch ist, sich in Südtirol bilden und entwickeln zu dürfen, dass es Förderer und Lehrpersonen gibt, die diesen Preis ersonnen haben und weiterführen. Das ist nicht selbstverständlich, sondern bemerkenswert.”

Bezirk: Pustertal

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