Der Graf ist mit Unheilig wieder im Geschäft

Unter anderen Bedingungen: Der Graf ist mit Unheilig zurück

Dienstag, 10. März 2026 | 10:12 Uhr

Von: apa

Er hatte selbst mit keinem Comeback gerechnet: Der Graf, Sänger von Unheilig, zog sich vor rund zehn Jahren zurück. Jetzt ist er mit dem am Freitag erscheinenden Album “Liebe Glaube Monster” wieder da. Er habe in den letzten Jahren erneut begonnen, Lieder zu schreiben, zunächst nur für sich selbst, erzählt der Künstler im APA-Interview. Bei Gesprächen mit seiner Frau und seinem Manager über eine mögliche Karriere-Fortsetzung sei klar gewesen: “Dann aber anders als früher.”

Eine seinerzeitige Abschiedstour sollte wirklich eine solche sein, eine Rückkehr keine Option. “Bis zum Jänner 2025 habe ich wirklich noch gedacht, das mache ich nicht”, betonte Der Graf. “Ich konnte es mir einfach nicht vorstellen.” Er habe zunächst “die Musik auch nicht vermisst”. Ab dem vierten, fünften Jahr fing er in seinem “Exil”, wie er sagt, wieder mit dem Texten an, ohne an Veröffentlichung zu denken. “Denn ich wollte nicht mehr dort weitermachen, wo ich aufgehört habe.”

Dann wurde bei ihm bei einer Vorsorgeuntersuchung hoher Blutdruck festgestellt, der Arzt schickte den Grafen zum Durchchecken in eine Klinik. Ein stiller Herzinfarkt war es zum Glück nicht. “Aber ich habe mir gesagt: Wenn ich hier rauskomme und alles ist gut, dann überlege ich wirklich noch mal, ob ich in meinem Leben wirklich alles so lasse oder ob wir nicht doch was ändern.”

Nicht mehr alles selbst machen

Und er wollte wieder Musik machen, aber unter anderen Bedingungen: “Wir machen nicht mehr alles selbst. Früher haben wir die Konzerte alleine veranstaltet. Bei mir waren 70 Mann angestellt. Wir hatten mehrere Sattelschlepper. Ich hatte Verantwortung für so viele Menschen, die alle davon lebten, was ich mir einfallen ließ. Dieser Druck war enorm.”

Außerdem habe er sich eingeschnürt gefühlt, erzählte Der Graf. “Wenn du Erfolg hast, kriegst du ein Korsett angezogen mit den Befindlichkeiten aller Menschen in deinem Umfeld: Radio, Fernsehen, Plattenfirma, Medien, Fans und dir selbst. Dieses Korsett wird, je erfolgreicher du wirst, immer enger geschnürt. Dann geht es plötzlich nicht mehr darum, ob du Musik schreibst, sondern welche du schreibst.” Er habe ganz oft gehört: “Schreib doch noch mal so was wie ‘Geboren, um zu leben’. Das läuft dann auch im Radio. Da wirst du erfolgreich mit sein.” Da habe er gemerkt, nicht mehr Musik machen zu können, wie er eigentlich wollte.

Ein ganz großer Unterschied zu früher: “Meine Frau ist jetzt immer dabei. Sie bleibt nicht mehr zu Hause alleine, und ich bin unterwegs, sondern wir machen das alle zusammen mit der ganzen Familie. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.”

Spagat zwischen den Genres

Gleich ist die musikalische Ausrichtung geblieben: “Ich kann ja nichts anderes machen”, beteuert der Graf. “Dieser Spagat von Pop, Schlager bis quasi Metal ist bei Unheilig immer in der DNA gewesen. Es war mir klar, dass es auch so bleiben würde. Ich kann nur die Musik machen, die ich selber gut finde. Ich bin halt einer, der alles hört. Aus dem Grunde können wir bei Schlagershows auftreten, aber auch bei großen Metal-Festivals.”

Natürlich polarisiert das, weiß Der Graf. “Aber ich gehe auch ganz offen damit um. Ich habe keine Berührungsängste. Meine Einstellung: Kunst darfst du nicht in Schubladen packen, bewerten, selektieren, in Grenzen oder in einen Käfig stecken. Das machen sie immer alle. Es gibt immer so Szenen. Wobei die Schlagerszene die offenste von allen ist. Die freuen sich über jeden, der kommt. Besonders in der Gothic-Szene habe ich für viel Furore gesorgt, weil die anscheinend dachten, meine Musik würde denen alleine gehören.”

Manche Acts haben Berührungsängste vor manchen Formaten. Das kostet den Grafen ein Kopfschütteln: “Wenn du Künstler bist, dann muss deine Kunst doch für jeden zugänglich sein. In einer Schlagershow sitzen doch nicht schlechtere Menschen, die deine Musik nicht hören dürfen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es das Schönste auf der Welt ist, wenn du überall hingehst, mit offenen Armen empfangen wirst – und du die Menschen ebenfalls mit offenen Armen empfängst. Das ist Kunst. Das ist Musik. Musik verbindet doch! Wir reden über Offenheit und alles zu akzeptieren, wie es ist. Dann lasst es uns doch bitte auch musikalisch tun.”

Ein Album als Lebensreflexion

“Liebe, Glaube, Monster”, so Der Graf, sei ein Rückblick von der Kindheit bis heute. “Ich hatte neun Jahre Zeit, über mein Leben nachzudenken. Das Album ist eine Reflexion über die Liebe, die ich erfahren habe, den Glauben an sich selbst nicht zu verlieren und diesen ewigen Kampf gegen die Monster, sich durchzusetzen.”

Und wenn man ihn fragt, was im vergangenen Jahrzehnt bei seiner Abwesenheit im Showbiz anders geworden ist? Dann würde er Gegenfragen stellen, antwortet Der Graf: “Wer hat denn dieses Spotify erfunden? Wer glaubt denn, dass das eine gute Idee ist? Musik ist doch ein Handwerk. Wenn ein Handwerker bei dir zu Hause 365 Tage im Jahr deine Wohnung renoviert und du bezahlst ihm 9,99 Euro im Monat, sagt der dann: ‘Dankeschön’? Das würde niemals funktionieren. Aber von uns Musikern wird das erwartet!”

Am 26. Juni treten Unheilig in Graz (Freiluftarena B) und am Tag darauf auf der Burg Clam in Klam auf. Die große “Liebe Glaube Monster Tour 2027” führt den Grafen und seine Musiker am 26. Februar in die Wiener Stadthalle.

(Das Gespräch führte Wolfgang Hauptmann/APA)

(S E R V I C E – www.unheilig.com )

Kommentare

Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen