Von: Sophia Molitor
Meran – Am 26. August um 20.30 Uhr eröffnet das Pittsburgh Symphony Orchestra seine Europatournee im Meraner Kursaal und gibt damit in dieser Saison – einen Tag vor seinem Gastspiel bei den Salzburger Festspielen – beim südtirol festival meran sein einziges Konzert in Italien. Am Pult steht der Musikdirektor des mit Preisen überhäuften Klangkörpers, Manfred Honeck. Solist ist der französische Pianist Alexandre Kantorow.
„Ich habe eine außerordentliche Leidenschaft für modische Tänze, und es gibt Zeiten, da gehe ich Nacht für Nacht tanzen”, schreibt Erwin Schulhoff 1921 an Alban Berg. In den fünf Stücken für Streichquartett, mit denen das Konzert beginnt, kombiniert er Tänze aus mehreren Ländern zu einer ironisch-zeitgeistigen Suite. Es folgt eine Rhapsodie für Klavier und Orchester, in der Sergej Rachmaninoff das Thema des letzten der 24 Capricci für Solovioline verarbeitet, die Niccolò Paganini 1820 publiziert hatte.
Das Konzert endet mit Dimitri Schostakowitschs 5. Sinfonie, die 1937 – in einer Epoche der Schauprozesse und „Säuberungen” – entstand. Bis Ende 1938 „verschwanden” in der Sowjetunion 1,5 Millionen Menschen, und der Komponist hielt in seiner Wohnung stets einen gepackten Koffer für den Fall einer Verhaftung bereit, die – so schient es – unausweichlich war. Manfred Honeck bezeichnet das Werk als Ausdruck eines Menschen, der die Grausamkeiten seiner Zeit persönlich überlebt hat. Im dritten Satz erscheinen mir die Solo-Blasinstrumente in ihrem reduzierten Klang wie eine stille Anspielung auf jene, die unter dem Stalinismus gelitten haben und deportiert wurden”.
Alexandre Kantorow wurde 1997 in Clermont-Ferrand geboren und ist der erste französische Pianist, der die Goldmedaille des Tschaikowski-Wettbewerbs sowie den Grand Prix gewann, der in der Geschichte des Wettbewerbs zuvor nur dreimal verliehen worden war. 2024 erhielt er außerdem als erster französischer Künstler den Gilmore Artist Award, der als einer der renommiertesten internationalen Klavierpreise gilt, und ist damit der jüngste Preisträger dieser nur alle vier Jahre vergebenen Auszeichnung. Im Juli 2024 trat er bei der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in Paris auf.
130 Jahre Geschichte und die weltweit besten Musiker
Das Pittsburgh Symphony Orchestra zählt zu den traditionsreichsten Klangkörpern der Vereinigten Staaten und blickt auf eine mehr als 130-jährige Geschichte zurück, die durch die Zusammenarbeit mit den weltweit besten Musikerinnen und Musikern sowie mit renommierten Dirigentinnen und Dirigenten geprägt ist und dem Klangkörper einen herausragenden Platz unter den führenden Orchestern in den USA verschafft hat. Seit 2008 wird das Orchester von Manfred Honeck geleitet. Zu den früheren Musikdirektoren gehörten Fritz Reiner (1938 – 1948), William Steinberg (1952 – 1976), André Previn (1976 – 1 984), Lorin Maazel (1984 – 1996) und Mariss Jansons (1997 – 2004). Manfred Honeck und das Pittsburgh Symphony Orchestra wurden mehrfach für den Grammy in der Kategorie Best Orchestral Performance nominiert und erhielten den Preis 2018 für ihre Einspielung von Shostakovichs Fünfter Sinfonie und Barbers “Adagio for Strings”.
Manfred Honeck gilt als einer der weltweit führenden Dirigenten, dessen unverwechselbare und richtungsweisende Interpretationen weltweit große Anerkennung erfahren. Als Musikdirektor des Pittsburgh Symphony Orchestra steht er in seiner achtzehnten Spielzeit. Sein zuletzt 2021 verlängerter Vertrag läuft bis zum Ende der Saison 2032/2033. Unter seiner Leitung wird das Orchester sowohl in Pittsburgh als auch im Ausland gefeiert und hat sich durch zahlreiche Tourneeauftritte als kultureller Botschafter der Stadt Pittsburgh etabliert.
In Österreich geboren, absolvierte Manfred Honeck seine musikalische Ausbildung an der Hochschule für Musik in Wien. Seine langjährige Erfahrung als Mitglied der Wiener Philharmoniker und des Wiener Staatsopernorchesters war nachhaltig prägend für seine Arbeit als Dirigent. Seine Laufbahn begann er als Assistent von Claudio Abbado in Wien sowie als Leiter des Jeunesse Orchesters Wien. Anschließend wurde er als Erster Kapellmeister an das Opernhaus Zürich verpflichtet, wo er 1993 den Europäischen Dirigentenpreis erhielt.

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