Spitzenprädatoren und outdoor-Aktivität

Wenn man beim Wandern einen Wolf trifft

Mittwoch, 25. November 2020 | 08:49 Uhr

Bozen – Wandern, Laufen, Radeln, Bergsteigen werden immer beliebter, immer mehr Menschen bewegen sich in den Lebensräumen von wildlebenden Tieren. Vor allem im Winter ist ein Zusammentreffen mit Vögeln oder Säugetieren sehr zum Nachteil der Tiere, die fliehen und viel Energie verlieren. Wie Braunbären und Wölfe auf menschliche Präsenz reagieren, stellt ein online-Seminar in italienischer Sprache des Naturmuseums Südtirol vor.

Aufnahmen von Wildtierkameras, die automatisch die Bewegungen von Bären, Wölfen und Luchsen registrieren, lassen diese sonst sehr selten sichtbaren Spitzenprädatoren beobachten. Studien zum Verhalten von Braunbären im Trentino zeigen, dass diese Tiere sehr genau wissen, wann und wo sich Läuferinnen oder Wanderer bewegen und meiden in diesen „Stoβzeiten“ Wege, die sie durchwegs benutzen, wenn sich die Menschen zurückgezogen haben. Es wurden sowohl Aufnahmen von Wildtierkameras ausgewertet als auch Satellitendaten der Bewegungsaktivität von Sportlern. Clara Tattoni analysiert die nahen Begegnungen zwischen Menschen und Bären im Trentino der letzten Jahre Fall für Fall.

Loris Calliari berichtet von einem ganz besonderen Zusammentreffen mit einem jungen Bären, als er mit seiner Familie im Mai 2020 oberhalb des Dorfs Sporminore am Nonsberg unterwegs war. Das Video, das den Buben Alessandro zeigt, wie er bedächtig und ohne Furcht zu seiner Familie absteigt, ist geradezu ein Lehrstück, wie sich Menschen in solchen Momenten verhalten sollen. Bären erschrecken bei einem Zusammentreffen genauso wie Menschen, wie Untersuchungen der Herz-Kreislauf-Aktivität belegen.

Julia Stauder vom Institut für Regionalentwicklung Eurac research stellt eine Studie vor, die unter anderem Wissen und Einschätzung von Touristinnen und Touristen zu Wölfen thematisiert. Wie wirkt sich ihre Einstellung zum Wolf auf ihr Südtirol-Bild und ihr Urlaubsverhalten aus?

In der Diskussion beantworten die Referentinnen Fragen aus dem Publikum und Fragen, die oft an das Naturmuseum Südtirol gerichtet werden: Wie können Menschen die Natur genieβen und mehr über wildlebende Tiere erfahren, ohne die Tiere und sich selbst in kritische Situationen zu bringen?

Das Seminar in italienischer Sprache „Grandi carnivori e attività outdoor“ findet am Samstag, 28. November von 15.00 bis 17.00 Uhr statt, Einstieg unter https://bbb.inf.unibz.it/b/joh-vxh-muh-vdu (Plattform BigBluBotton über die Universität Bozen). Keine Anmeldung nötig, bei technischen Schwierigkeiten Tel. 0471 412974.

Clara Tattoni hat an der Universität Insubrien (Varese) in Umweltwissenschaften und Biodiversität promoviert. Sie lehrt an der Universität Trient, forscht im Bereich Wildtiere und arbeitet mit verschiedenen Museen, Umweltinstitutionen und Nationalparks zusammen.

Julia Stauder absolvierte zwei Masterstudien an der Universität Wien (Naturschutz und Biodiversitätsmanagement und Wildtierökologie und -management) und ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Regionalentwicklung bei EURAC research.

Von: mk

Bezirk: Bozen

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