Udo Lindenberg wird von A bis Z gewürdigt

Benjamin Stuckrad-Barre erzählt “Alles über Udo Lindenberg”

Donnerstag, 16. April 2026 | 00:01 Uhr

Von: APA/dpa

Benjamin von Stuckrad-Barre ist riesiger Udo-Lindenberg-Fan. Seit seiner Kindheit ist der gebürtige Bremer begeistert von dem konventionslosen Musiker, der so charmant wie erfolgreich auf Regeln pfeift. Seit etwa 25 Jahren sind der Schriftsteller und der “Panikrocker” auch befreundet. Kurz vor dem 80. Geburtstag Lindenbergs am 17. Mai bringt Stuckrad-Barre sein Buch “Udo Fröhliche. Alles über Udo Lindenberg – von Alkohol bis Zigarre” heraus.

2016 hat “Stuckiman” – wie Lindenberg den 51-Jährigen nennt – eine Biografie über Lindenberg veröffentlicht. Eine Art Udo-Lexikon von A bis Z – allerdings in einer sehr kleinen, schnell ausverkauften Auflage und die erschien auch nicht im regulären Buchhandel. Auch in seinem Bestseller “Panikherz” ging es viel um Udo. Jetzt hat Stuckrad-Barre seinem Buch quasi einen Neuanstrich verpasst und die Texte an einigen Stellen ergänzt und aktualisiert. Herausgekommen sind 256 Seiten ohne ablenkende Fotos und Illustrationen – und mit enorm vielen Fakten und Anekdoten über den berühmten Gast des Atlantic-Hotels an der Außenalster.

Wie kann man sich die Lexikon-Biografie vorstellen?

Auf jeden Fall alles andere als trocken. Benjamin von Stuckrad-Barre hat sich im “Udo-Versum” umgeschaut und vor allem die naheliegendsten Themen herausgesucht. Die Kapitel drehen sich also beispielsweise um Alkohol, Cello, Doppelgänger, Eierlikör, Hut, Jetlag, Panik, Reeperbahn, Rollschuhe, Sonnenbrille, Wortschöpfungen und Zigarre.

Natürlich reiht Stuckrad-Barre dabei nicht einfach nur Fakten aneinander. Im Gegenteil. Er verwebt die Daten aus der Vergangenheit Lindenbergs mit der ihm üblichen Sprache. Die ist verschnörkelt, durchaus anspruchsvoll und auch bewusst sprachlich aufgeladen. Gleichzeitig adaptiert er den typischen Udo-Slang, was sich nicht nur am “ne?!” bemerkbar macht.

Dass Udo und Nena mal etwas miteinander hatten und die Beziehung teils mit kuriosen Ideen verheimlicht haben. Dass Udo Rollschuhfahren in einem vollen Pool gelernt hat. Dass neongrüne Socken wohl zum Udo-Outfit genauso gehören wie Sonnenbrille und Hut. Dass Lindenberg nachts mit 310 Sachen über die Autobahn rast/gerast ist. Dass er im Fach Musik in seinem Schulzeugnis nur befriedigend geschafft hat. Dass der Musiker “seinen Leuten” rund 200 SMS am Tag schreibt – meist mit sehr vielen Emojis. Und dass Udo auf jeden Fall ein sehr abwechslungsreiches, selbstbestimmtes Udo-Leben lebt. Das macht ihm so schnell keiner nach.

“Ich bin immer noch Udo-Fan.”

Benjamin von Stuckrad-Barre und Udo Lindenberg sind seit langem befreundet. “Es ist erst einmal eine Fanbeziehung gewesen”, erinnert sich der 51-Jährige. “Und die ist es auch bis heute. Ich bin immer noch Udo-Fan.” Und beim Beobachten und sporadischen Mitleben des Udo-Lebens – von dem Stuckrad-Barre immer einen “Udo-Jetlag” bekommt, weil der Musiker erst am späten Nachmittag aufsteht und dementsprechend erst morgens ins Bett geht – hat er dann irgendwann Notizen gemacht.

“Ich habe vor elf Jahren damit begonnen, ihn nochmal detailliert zu all den Udo-Klassikern wie Hut, Eierlikör, Zigarre, Hotel und so weiter zu befragen. “Wie hieß das Kino in deiner Kindheit?”, “Warum magst du Sonntage nicht?”, “Was hat es in deinen Texten mit all diesen Detektiv-Figuren auf sich?”, “Warum kaust du immer Kaugummi?”, “Wo und warum hast du deinen ersten Hut gekauft?”. Und er erwies sich da nochmal als extrem guter Erzähler seiner eigenen Geschichte, konnte sich erstaunlich detailliert erinnern. Und das hielt ich für wertvoll, es aufzuschreiben.”

Durch die Nähe und die Freundschaft habe er das Gefühl, dass es fast seine Aufgabe sei, von Udo zu erzählen und festzuhalten, wer er ist. “Ich betrachte mich da fast als so eine Art Korrespondent. Udo ist nunmal eine Jahrhundertfigur.” Anhand von Udo könne man auch die Geschichte der BRD gut erzählen.

“Die verrückter klingenden Sachen stimmen.”

In “Udo Fröhliche” steht dazu der treffende Satz: “Und es klingt dermaßen ausgedacht, dass es die Wahrheit sein muss.” Er habe sich immer schon und auch für das Buch sehr intensiv mit Lindenberg beschäftigt und weitere Quellen wie Udos alte Schulhefte durchstöbert, sagt Stuckrad-Barre dazu. “Und da ist schon diese Erkenntnis: Die verrückter klingenden Sachen stimmen. Es stimmen eher die egalen mal nicht, das Langweilige wird ein bisschen verkleidet, im Interesse aller. Aber die sensationellen Sachen, die man für ausgedacht halten könnte, weil man sie sich kaum vorzustellen vermag, die sind alle wahr.”

Eine weitere Udo-Regel sei zudem: “Es so lange erzählen bis es stimmt.” So sei beispielsweise die Legende, dass Udo nachts um die Alster joggt, früher eher ein Spruch gewesen als die Wahrheit – bis er es dann doch regelmäßig tat.

(S E R V I C E – Benjamin von Stuckrad-Barre: “Udo Fröhliche. Alles über Udo Lindenberg – von Alkohol bis Zigarre”, Kiepenheuer & Witsch, 256 Seiten, 20,60 Euro)

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