Die Kollegenschaft wirft sich für Depardieu in die Bresche

Künstler beklagen “Lynchjustiz” an Depardieu

Dienstag, 26. Dezember 2023 | 14:44 Uhr

Rund 60 französische Kunstschaffenden haben öffentlich ihre Unterstützung für den Schauspieler Gérard Depardieu bekundet, gegen den Vergewaltigungs- und Missbrauchsvorwürfe erhoben wurden. In einem im “Figaro” veröffentlichten Text sprachen sie von einer “Lynchjustiz” und beklagten den “Hass, der sich über seine Person ergießt”. Es gebe im Fall Depardieu ganz klar eine “Missachtung der Unschuldsvermutung”.

Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem der Regisseur Bertrand Blier, der Schauspieler Pierre Richard und die Sängerin und ehemalige französische First Lady Carla Bruni. “Gérard Depardieu ist wahrscheinlich der größte aller Schauspieler. Der letzte Superstar des Kinos”, heißt es in dem Beitrag: “Wenn man Gérard Depardieu auf diese Weise angreift, ist das ein Angriff auf die Kunst.” Unsere Zeit sei für immer von der “unauslöschlichen Spur seines Werks” geprägt, schrieben Depardieus Unterstützer weiter. “Der Rest, alles andere, betrifft die Justiz; nur die Justiz. Ausschließlich.”

Die französische Kulturministerin Rima Abdul Malak hatte Depardieus Verhalten gegenüber Frauen erst vor einigen Tagen als “Schande für Frankreich” bezeichnet und seinen Ausschluss aus der Ehrenlegion eingeleitet. Auslöser der erneuten Entrüstung war ein Dokumentarfilm, in dem der Filmstar zu sehen ist, wie er auf einer Drehreise in Nordkorea zahlreiche vulgäre und sexistische Kommentare macht.

Gegen Depardieu – einen der berühmtesten französischen Schauspieler der Geschichte – läuft bereits seit Ende 2020 in Frankreich ein Ermittlungsverfahren wegen Vergewaltigungsvorwürfen. Die Schauspielerin Charlotte Arnould wirft dem Schauspieler vor, sie 2018 in seiner Pariser Wohnung zweimal vergewaltigt zu haben.

Vor kurzem zeigte zudem die Schauspielerin Hélène Darras Depardieu wegen sexueller Übergriffe bei Dreharbeiten 2007 an. Eine weitere Anzeige erstattete kürzlich die spanische Journalistin und Autorin Ruth Baza. Zahlreiche weitere Frauen haben Depardieu in der Vergangenheit sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Der Schauspieler, der am Mittwoch 75 Jahre alt wird, weist sämtliche Vorwürfe zurück.

Kurz vor Weihnachten hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron Depardieu in Schutz genommen. Er sei ein “großer Bewunderer” von Depardieu, der ein “großartiger Schauspieler” sei, sagte Macron. Er verabscheue “Menschenjagden”, es gelte die Unschuldsvermutung.

Depardieu ist einer der bekanntesten französischen Schauspieler. Er arbeitete mit den bedeutendsten Regisseuren und Schauspielerinnen Frankreichs zusammen und kommt auf mehr als 200 Filme. Darin verkörperte er den wortstarken Cyrano de Bergerac ebenso wie einen abgehalfterten Schlagersänger, einen Schlachthofarbeiter oder einen Alzheimer-Patienten. Im Gedächtnis bleiben nicht zuletzt seine Auftritte als Obelix.

Von: APA/AFP

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

11 Kommentare auf "Künstler beklagen “Lynchjustiz” an Depardieu"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 26 Tage

Wer aufmerksam Kommentare liest, muss feststellen, es ist anscheinend ganz normal ist wenn Menschen ohne Beweis verunglimpft, beschuldigt und sogar vorverurteilt werden dürfen. Sogar von Gefängnis ohne Urteil wird gesprochen.
Wo soll das hin führen?

Hustinettenbaer
1 Monat 26 Tage
@N. G. Diese (MeToo-)Fälle sind m. M. diffizil. Aber Herr Depardieu wird von 16 Frauen beschuldigt. Und “„Die französische Kulturbranche kannte das problematische Verhalten von Depardieu“, räumte der Produzent Marc Missonier … zugleich der Präsident des Verbandes der französischen Filmproduzenten [ein] und sagt heute, dass alle mitschuldig seien, die Depardieus Ausfälle so lange toleriert hätten. Sein Status als Star habe Depardieu geschützt. „Das war ein Fehler.“ “In den USA bezahlte er bereits 1991 für die Aussage in einem Interview, er habe ab dem Kindesalter an zahllosen Vergewaltigungen teilgenommen. „Da war nichts Schlechtes dabei“, die Mädchen „wollten vergewaltigt werden“, so Depardieu.… Weiterlesen »
N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 26 Tage

@Hustinettenbaer Mag alles sein und bestreite ich nicht, da bekannt. Nichtsdestotrotz ist es eine mediale Hexenjagd da offiziell nichts bewiesen ist.
Mir geht es dabei allein um Rechtsstaatlichkeit. Man ist unschuldig bis…! Und was liest man? Man ist schuldig bis das Gegenteil bewiesen wird und kann sich nicht dagegen wehren. Man ist egal wie es ausgeht, abgestempelt. Es gab jüngste solche Fälle!
Die Vergangen von der du sprichst, die gabs überall, Deutschland, USA, Italien.. und in allen Branchen. Da sollten dann alle gemeinsam ganz STILL sein!

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 26 Tage

@Hustinettenbaer Nun, sind nicht alle etwas schuldig? Der Fall Roman Polanski. Wer hat ihm Schutz vor den US amerikanischen Justiz geboten?

pingoballino1955
pingoballino1955
Universalgelehrter
1 Monat 25 Tage

N.G. Depardieu mit russischem Pass,das sagt alles,N.G wen wollen sie noch verteidigen mit ihren lächerlichen Argumenten? Er muss aufpassen bevor er nach Amerika einreist,zu Russland und mit Putin als Freund passt das besser.Vieleicht kriegt er von Putin noch eine ” Datsha” geschenkt! Anscheinend hat er auf Druck der ” GRAND NATION” den russischen Pass zurückgegeben und lebt wieder vollgefressen in Frankreich,sorry,dieser Mann für mich ist ein NO GO,da ist mir eine verstorbene Legende wie Jean Gabin schon lieber!

Hustinettenbaer
1 Monat 25 Tage

@N. G.
Bei Roman Polanski stand, so weit ich mich erinnere, Aussage gegen Aussage.
Anders bei Depardieu. 16 gegen 1. Klar gilt die Unschuldsvermutung.

Albern ist der Anwurf, Depardieu sei eine “Schande für Frankreich”.

Genauso grotesk schwülstig die Verteidiger: “Wenn man Gérard Depardieu auf diese Weise angreift, ist das ein Angriff auf die Kunst. Unsere Zeit sei für immer von der “unauslöschlichen Spur seines Werks” geprägt”.

Sie überschätzen sich und Depardieus Schauspielfähigkeiten.
Und unterschätzen Filmliebhaber: die private Person Roman Polanski hat (für mich) nix mit “Tanz der Vampire” zu tun.

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 25 Tage

@N.G. man kann auch wegen dem, was man sagt, schlecht dastehen, da braucht es kein Gerichtsurteil.
Und Vorwürfe gegen ihn gab’s schon lange vor Me2.

Skandalös ist eher, dass er so lange gefeiert wurde, dass es so viele Jahrzehnte gedauert hat.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 26 Tage

Die moderne Form der Hexenjagd an der Medien den größten Teil dazu beitragen!

So ist das
1 Monat 26 Tage

Wollte dieser Herr nicht nach Russland zu Freunden auswandern 🤔

pingoballino1955
pingoballino1955
Universalgelehrter
1 Monat 25 Tage

Gerard Depardieu,der Putinfreund mit russischem Pass??

TirolerSued
TirolerSued
Superredner
1 Monat 25 Tage

Achso. Er liebäugelt mit Russland? Und da fragt sich noch eer warum er beschuldigt wird?

wpDiscuz