Wie die Musikbranche Gewalt und Zerstörung zur Marke macht

Ozzy Osbourne zeigt uns die Abgründe der Sucht

Samstag, 18. Juli 2026 | 08:04 Uhr

Von: som

London – Ozzy Osbourne, auch Fürst der Finsternis genannt, hinterließ mit seinem Tod im Jahr 2025 nicht nur eine schonungslose Autobiografie über seine extremen Suchtverhalten, seinen zwanghaften Lebensstil, sein Getriebensein und die unerschütterliche Rolle seiner Ehefrau Sharon Osbourne, sondern auch ein Mahnmal für die zerstörerische Natur des Menschen.

In seiner Autobiografie „Last Rites“ beschreibt Ozzy Osbourne seinen Lebensweg als ständigen Kampf gegen innere Konflikte und eine Suchtpersönlichkeit, die weit über Alkohol und Drogen hinausging. Nach eigenen Worten war er „nach fast allem süchtig“, was ihm intensive Erlebnisse verschaffte – von Sex und Ruhm bis hin zu Autos, Süßigkeiten oder exzessiven Alltagsgewohnheiten. Um an verschreibungspflichtige Medikamente zu gelangen, simulierte er Krankheiten und eignete sich medizinisches Wissen an, um Symptome glaubhaft nachzuahmen.

Selbst scheinbar harmlose Vorlieben konnten zwanghafte Ausmaße annehmen. Nach einem Urlaub entwickelte Osbourne zum Beispiel eine regelrechte Sucht für französische Weinbergschnecken und konsumierte sie exzessiv. Ähnlich erging es ihm später mit Pink-Lady-Äpfeln, von denen er zeitweise bis zu zwölf Stück pro Abend aß.

Die Kindheit des Rockstars wird als traumatisierende Phase seines Lebens beschrieben. Aufgewachsen in bitterer Armut, litt Ozzy unter unerkannter Legasthenie. Das Gefühl der Scham, in der Schule nicht lesen zu können, verfolgte ihn bis ins Alter. Er nutzte Drogen laut eigenen Angaben vor allem, um die Dunkelheit der Vergangenheit zu vergraben. Er litt unter einer fundamentalen inneren Leere, die er permanent mit Exzessen füllen musste.

Keine Nachsicht für Ozzy Osbourne

Kritiker loben zwar seine schonungslose Radikalität, betonen jedoch gleichzeitig, dass Ozzy bewusst durch seine infantile Persönlichkeitsstruktur, seine traumatische, von Armut geprägte Kindheit jahrzehntelang als universellen Freifahrtschein nutzte, um sein verantwortungsloses, zerstörerisches Verhalten zu rechtfertigen. Noch als 70-jähriger Millionär nutzte er dieses Kindheitstrauma, um zu rechtfertigen, warum er trank, log und betrog. Sharon war für Ozzy oft weniger eine Ehefrau auf Augenhöhe, sondern eine strenge Mutterfigur. Sie musste seine Drogenverstecke suchen, seine Termine koordinieren, seine Affären aufdecken und ihn disziplinieren. Er lagerte die Verantwortung für sein psychisches Überleben komplett an sie aus. Ozzy ist zwar hochgradig eloquent darin, zu analysieren, warum er so kaputt ist, ist aber zu keinerlei Veränderung bereit.

Aus psychologischer Sichtweise kann sich ein solches Verhaltensmuster in impulsiven Entscheidungen, anschließender Reue und ausbleibender langfristiger Veränderung zeigen. Der Kreislauf aus Verletzen, Bereuen und Wiederholen kann das Vertrauen des sozialen Umfelds dauerhaft belasten, ohne jemals zu einer tiefen Veränderung zu führen.

Besonders bedauerlich ist die Verharmlosung dieses Verhaltens in der Musikbranche. Ozzys exzessiver Lebensstil wurde häufig als „lustige Rock’n’Roll-Anekdote“ vermarktet, obwohl dahinter schwere Gewalt und ein offensichtlich selbstzerstörerisches Verhalten standen. Als besonders gravierend gilt der Vorfall aus dem Jahr 1989, bei dem Osbourne im Vollrausch versucht haben soll, seine Ehefrau Sharon zu erwürgen. Ein solches Verhalten hätte außerhalb des Showgeschäfts erhebliche strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen können, wurde im Rock-Business jedoch vielfach als Teil seines Images wahrgenommen.

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