Von: ka
Rom – Weil er seiner Frau und seinen Kindern extrem harte Regeln und eine streng vegane Ernährung aufgezwungen hat, riskiert ein Mann in Rom eine hohe Gefängnisstrafe. Für den Vater, dem Misshandlung und Körperverletzung vorgeworfen werden und der laut der Anklage dafür verantwortlich ist, dass im Haus der Familie jahrelang eine Atmosphäre der Angst und Einschüchterung herrschte, fordert der Staatsanwalt eine Haftstrafe von fünf Jahren.

Eiskalte Duschen, ausgelassene Mahlzeiten, Stunden absoluter Stille und vor allem eine strenge vegane Diät, die ohne Ausnahmen für die ganze Familie galt: Selbst kleine Pizzen und Süßigkeiten, die vielleicht von einem Freund der Kinder mitgebracht wurden, wurden in den Müll geworfen. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Rom handelt es sich hierbei nicht nur um übermäßig strenges Verhalten, sondern um Misshandlung, die strafrechtlich verfolgt werden muss.
Aus diesem Grund hat Staatsanwältin Vittoria Bonfanti für einen Vater, der beschuldigt wird, seine Frau und vor allem seine drei Kinder jahrelang schikaniert und zu Hause ein „militärisches Terrorregime” errichtet zu haben, in dem alle Angst hatten, ihm zu widersprechen, und die Strafen schweigend hingenommen haben, fünf Jahre Freiheitsstrafe beantragt.
Das Urteil wird im Oktober verkündet. Die Familie sei, so betont die Staatsanwältin, einer äußerst strengen Ernährungsordnung unterworfen gewesen, die keinerlei Speisen oder Produkte tierischen Ursprungs zuließ. Der Mann ging laut Anklageschrift sogar so weit, bereits zubereitetes Essen wegzuwerfen, damit niemand gegen die Regeln verstieß – nicht einmal die kleinsten Kinder.

Es gab nicht nur eine vorgeschriebene Diät, sondern auch die Verpflichtung, in absoluter Stille zu essen. Für diejenigen, die sich nicht an die vom Vater festgelegten Regeln hielten, waren strenge Strafen vorgesehen. Der Richter betonte, dass der Angeklagte „gegenüber der gesamten Familie ein obsessives, stark kontrollierendes und erniedrigendes Verhalten an den Tag legte und alle in einem Klima der Angst leben ließ, in dem ständigen vergeblichen Versuch, die plötzlichen Wutausbrüche des Mannes zu vermeiden“.
So soll der Vater beispielsweise mehrfach mit „körperlicher und verbaler Aggression gegenüber den Kindern“ reagiert haben, wenn diese es wagten, am Tisch zu sprechen. Die Kinder wurden tatsächlich gezwungen, eiskalte Duschen zu nehmen, Mahlzeiten auszulassen oder allein im Badezimmer zu essen. Bei einigen Gelegenheiten seien sie sogar nackt oder in Unterwäsche auf der Terrasse vor dem Haus ausgesperrt worden.

Laut Anklage sollen die Kinder auch „aus nichtigen Gründen“ geohrfeigt worden sein, beispielsweise, wenn sie sich zu langsam anzogen oder beim Verlassen des Hauses zu träge waren. Der Mann soll sie zudem mit Tritten, Schlägen auf den Nacken und Faustschlägen gegen den Körper misshandelt haben. Oft wurde die ganze Familie nachts geweckt, um die Fernbedienung des Fernsehers zu suchen. Oder die Kinder wurden – ebenfalls als Strafe – gezwungen, regungslos neben dem Bett ihres Vaters zu stehen, während dieser schlief, ohne sich bewegen zu dürfen.

Eines Morgens, als der 14-jährige Sohn sagte, dass er nicht zur Schule gehen wolle, und zu weinen begann, soll er an den Knöcheln gepackt und kopfüber gehalten worden sein. Dem Mann wird außerdem vorgeworfen, den Computer seiner 16-jährigen Tochter zerstört und die Jugendliche aus dem Haus ausgesperrt zu haben – „als Strafe für Sätze, die sie in ihr geheimes Tagebuch geschrieben hatte“.

In den Akten betont der Staatsanwalt, dass die Kinder solche Angst vor ihrem Vater hatten, der sie bei jedem Ungehorsam schikaniert haben soll, dass sie „jede Strafe schweigend ertrugen, nur um nicht geschlagen zu werden“. Der Mann sei „aus völlig belanglosen und unvorhersehbaren Gründen in Wut geraten“, so der Staatsanwalt weiter. Er habe mit Gegenständen geschmissen, das, was auf dem Tisch stand, zu Boden geschleudert und Einrichtungsgegenstände aus der Haustür geworfen. Dadurch habe er die gesamte Familie in Angst und Schrecken versetzt.

Einmal soll eines der Kinder von dem Vater mit einem Kochlöffel getroffen worden sein, den dieser warf. Zudem wird dem Mann Körperverletzung gegenüber seiner Ehefrau vorgeworfen. Sie wird von der Rechtsanwältin Ilaria Boiano von der Organisation Differenza Donna vertreten. Als er einem seiner Söhne hinterherlief, um ihn zu schlagen, verteidigte sie das Kind und wurde dabei gestoßen.
Auch bei einer anderen Gelegenheit soll die Frau mit Gewalt gegen die Wand gedrückt worden sein. Zudem soll die Tür zum Zimmer eines ihrer Söhne, den sie zu verteidigen versucht hatte, gewaltsam vor ihr zugeschlagen worden sein. In der Anklageschrift heißt es außerdem, dass der Mann ein absolutes Verbot erlassen habe, demzufolge niemand im Haus seine Sachen anfassen dürfe, „die er weiterhin unkontrolliert anhäufte“.

Prozessbeobachtern zufolge ist die Menge des belastenden Beweismaterials erdrückend. Wie die physischen und psychischen Misshandlungen ans Licht kamen, ist nicht bekannt. Offenbar hat die Mutter nach einem jahrelangen Leidensweg jedoch den Mut aufgebracht, sich an eine Frauenschutzorganisation zu wenden.




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