Album ante portas: Peter Cornelius geht mit 75 wieder auf Tour

Peter Cornelius feiert 75. Geburtstag: Tour und Album kommen

Donnerstag, 29. Januar 2026 | 05:00 Uhr

Von: apa

Mit mehr als 50 Jahren im Geschäft gehört Peter Cornelius nicht nur zu den gut gereiften Proponenten des österreichischen Musikschaffens, sondern hat mit “Reif für die Insel” oder “Du entschuldige, i kenn’ di” auch noch unverwüstliche Evergreens geschaffen. Mit dem Austropop hadert er dennoch – und an den Erfolg hat er nicht nur gute Erinnerungen. Am Donnerstag feiert Cornelius seinen 75. Geburtstag. Zum Start seiner “Zeitlos”-Tour Ende März kommt das gleichnamige Album.

“Mir geht’s gut”, freut sich der gebürtige Wiener und Wahl-Purkersdorfer im APA-Gespräch. “Viel früher hätte ich mit dieser Zahl methusalemartige Zustände verbunden. Davon ist aber jetzt überhaupt keine Rede”, versichert er mit Blick auf den 75er: “Ich glaube nicht, dass ich mich groß anders fühle als mit 50.” Nur manchmal, wenn er auf sein Alter angesprochen werde, reiße es ihn – aber was soll’s: “Die Zeit ist ein ‘One-Trick-Pony’ – sie kann nichts, außer zu vergehen”, gibt sich der Jubilar gelassen.

Den großen Durchbruch hatte Peter Cornelius in den 80ern. Dabei war der am 29. Jänner 1951 geborene Sänger und Gitarrist schon davor recht umtriebig gewesen. Mit 15 spielte er in seiner ersten Band, The Black Sheep. 1973 veröffentlichte er dann “Die Wolk’n”. Der Song war aus Peter Rapps “Showchance” hervorgegangen und aus dem Bankkaufmannslehrling, der mit vollem Namen Peter Cornelius Korunka heißt, sollte endgültig der Musiker Peter Cornelius werden.

Figl und Lennon als lebenswichtige Weichensteller

Die Rolling Stones, die Kinks, Jimi Hendrix oder den frühen Elton John nennt er rückblickend als wichtige Einflüsse. “Das sind die Ursprünge, mit denen mein Film belichtet ist”, wobei derlei Vorbilder freilich Fluch und Segen zugleich seien: “Ihren Vorgaben kann man nie gerecht werden.” Und dann sind da natürlich die Beatles – und ein österreichischer Politiker. “Es waren zwei Personen, ohne die mein Leben einen ganz anderen Verlauf genommen hätte: Leopold Figl und John Lennon”, ist sich Cornelius sicher: “Hätte Figl nicht mit seinem Team die Russen dazu überredet, den Osten Österreichs freizugeben, wäre ich in so etwas wie in einer Miniatur-DDR aufgewachsen. Da wäre nichts gewesen mit einer elektrischen Gitarre. Und Lennon durch die Gründung der Beatles. Er war der Kopf dieser Band. Die Musik, die in den 60ern aus England gekommen ist, hat mich ins Mark getroffen.”

Was seine eigene Historie betrifft, waren sicher die 80er-Jahre das erfolgreichste Jahrzehnt des Peter Cornelius – nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit Produzent Michael Cretu. Ab 1980 erschienen die Alben “Der Kaffee ist fertig”, “Zwei”, “Reif für die Insel” und “Bevor i geh'”, daneben unterstützte Cornelius seinen Kollegen Cretu bei dessen Projekt Enigma, wofür er eine Grammy-Nominierung als bester Gitarrist erhielt. 1992 sollte noch das gemeinsame Album “Cornelius + Cretu” folgen. “Der Erfolg war da, aber das Lebensgefühl war unterm Hund. Zum Teil war das eine maximale Herausforderung. Später ist mir klar geworden, dass ich meinen Erfolg nie genießen konnte. Dafür war keine Zeit”, sieht die Musiklegende keinen Anlass zur Verklärung dieser Ära, die ihm auch in Deutschland riesigen Zuspruch brachte.

Jahrelange Pause nach Riesenerfolg in den 80ern

Gab es bis 1993 jedes Jahr eine Veröffentlichung, legte Cornelius dann eine künstlerische Pause ein, um 2001 mit dem Album “Lebenszeichen” ein ebensolches in die Welt zu schicken. Sein 30-jähriges Bühnenjubiläum im Jahr 2005 feierte er mit einem Konzert vor 100.000 Fans auf der Wiener Donauinsel. 2012 erschien sein 21. Studioalbum “12 neue 12”, das stark von New York – das er mit seiner Frau eine Zeit lang jährlich besuchte und dort auch arbeitete – beeinflusst war. Dann kamen “Unverwüstlich” (2017) und “Tageslicht” (2021). Einen Blick hinter die Kulissen seines Tuns konnten Fans in der 2018 veröffentlichten Biografie “Reif für die Insel” werfen, die Cornelius gemeinsam mit Andy Zahradnik verfasst hat.

Welchen Stellenwert haben die eigenen Hits für den Künstler selbst angesichts des umfangreichen Werkkatalogs? “Die bedeuten mir schon etwas, denn das sind musikalische Hauptdarsteller. Es gibt Leute, die die Stones auf ‘Satisfaction’, McCartney auf ‘Yesterday’ und Lennon auf ‘Imagine’ reduzieren. Das ist verrückt.” Bei ihm sei das halt bei “Segel im Wind”, “Reif für die Insel”, “Du entschuldige, i kenn di” so – und “bei Leuten, die mein Songwriting besser kennen”, noch bei “Ganz Wien hat den Blues”, “Streicheleinheiten” oder “Der Kaffee ist fertig”. “Natürlich gibt es einige Titel, bei denen ich mir gewünscht hätte, dass sie bekannter geworden wären wegen ihrer Texte, ihrer Musik oder ihrer Eigenart, aber das ist halt nicht der Fall”, meint Cornelius.

“Schrebergarten” Austropop

Allein Singer-Songwriter lässt er als Bezeichnung für sich gelten – anders als etwa Liedermacher. “Bei der typischen Liedermacherei werden Texte geschrieben und die Musik ist nur das Transportmittel. Das ist überhaupt nicht meine Prägung. Meine Prägung ist in erster Linie die Musik”, erklärt er. Wenig Spaß versteht Cornelius, wenn er irgendwie mit dem Austropop in Verbindung gebracht wird. “Dafür habe ich überhaupt nichts über. Warum? Da antworte ich mit einer Gegenfrage: Haben Sie gerne zu enges Gewand an?” Und er setzt nach: “Man stellt hier einen Schrebergartenzaun auf und tut dann so, als wäre das, was innerhalb dieses Zauns ist, unsere gesamte musikalische Welt? Nein, das ist nichts für mich.” Kreativität brauche absolute Freiheit und grenzenlose Fantasie. “Die Plattenfirmen haben den Begriff ‘Austropop’ übernommen, um aus dem Repertoire den letzten Cent herauszuholen. Eine für die Musikindustrie absolut verständliche logische Vorgehensweise”, analysiert er.

Sich eine Tour mit 75 anzutun, ist auch nicht selbstverständlich – aber: “Vor Leuten zu spielen und zu singen ist der Kern und der Ursprung meines Lebenstuns”, gerät Cornelius ins Schwärmen. Auftakt ist am 25. März im niederösterreichischen Oberwaltersdorf, danach geht es bis in den Spätherbst in zahlreiche Städte in Deutschland und Österreich, wo mit einem Doppelkonzert am 6. und 7. November in der Halle F der Wiener Stadthalle der vorläufige Schlusspunkt gesetzt ist.

Die konstant glühende Holzkohle

Und was hat es mit dem Tour- und Albumtitel “Zeitlos” auf sich? “Ich bin über die Jahre immer wieder darauf angesprochen worden, dass meine Person zeitlos sei, meine Songs zeitlos seien. Inzwischen verschlingt dieses Metier ja Menschen en masse und spuckt sie wieder aus. Denken wir nur an die ganze Boygroup-Phase. Es werden Stars generiert und wieder ausrangiert in einem unglaublichen Tempo”, bemüht Cornelius das Bild eines trockenen Heuhaufens, der abgebrannt werde. “Das bin ich nicht. Das ist nicht mein Schicksal. Ich bin die Holzkohle. Die glüht lange und konstant.”

(Das Gespräch führte Thomas Rieder/APA)

(S E R V I C E – www.petercornelius.com)

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