Von: apa
Der Presserat rügt den “Kurier” für ein Ende Mai des Vorjahres erschienenes “Interview” mit Clint Eastwood, das in dieser Form nie stattgefunden hat. Die Autorin – die freie Journalistin Elisabeth Sereda – hatte es laut eigenen Angaben aus alten Aussagen des Hollywood-Stars zusammengesetzt. Allerdings wurde dies nirgendwo kenntlich gemacht. Der Senat 3 des Presserats ortet einen “groben journalistischen Fehler” und einen Verstoß gegen Punkt 2 des Ehrenkodex (Genauigkeit).
Die Aufregung war groß, als Eastwood mitteilen ließ, dass das Interview im “Kurier” mit ihm “frei erfunden” sei. Es erschien anlässlich seines 95. Geburtstags – in Form eines Frage-Antwort-Interviews. Dass dadurch der Anschein eines aktuellen Gesprächs erweckt wurde, zeigt nicht zuletzt, dass zahlreiche Medien wie die international tätige Nachrichtenagentur Reuters Zitate aus dem Interview übernahmen. Dadurch verbreiteten sich die Aussagen rasch. Eastwood meldete sich daraufhin zu Wort und gab an, in den Wochen zuvor keine Interviews geführt zu haben.
Leser in die Irre geführt
Sereda meinte, dass es üblich sei, zu Anlässen wie Geburtstagen ein “Best-of von mehreren Interviews” zu verwenden. Im konkreten Fall habe sie Zitate aus mehreren ihrer Interviews mit Eastwood herangezogen.
Der Senat 3 des Presserats teilt die Ansicht nicht, dass es üblich sei, Aussagen aus mehreren Interviews zu einem neuen Interview zusammenzufügen. Dass es sich um einen Zusammenschnitt von früheren Aussagen des Schauspielers handle, hätte den Leserinnen und Lesern transparent gemacht werden müssen. “Das Publikum wurde in die Irre geführt”, stellte das Selbstkontrollorgan der Branche in einer Aussendung am Freitag fest.
Der “Kurier” reagierte im Juni des Vorjahres mit einer Stellungnahme der Chefredaktion auf den Vorfall. So sei leider nicht klargestellt worden, dass es sich um kein aktuelles Interview handle. Das entspreche nicht den Qualitätsstandards der Tageszeitung, weshalb man nicht mehr mit Sereda zusammenarbeiten werde. Auch teilte Chefredakteur Martin Gebhart damals mit, dass man frühere Berichte der verantwortlichen Hollywood-Korrespondentin prüfen wolle. Sereda selbst bestritt, die Redaktion des “Kurier” getäuscht zu haben. Vielmehr hielt sie fest, dass sie auch schon beim Interview zum 90. Geburtstag von Eastwood sowie bei anderen Hollywoodlegenden mit solchen “Best-Of”-Interviews vorgegangen sei.
Fehler der Journalistin dem Medium zuzurechnen
In der Verhandlung über den Fall hielt Gebhart fest, dass die Redaktion nicht damit rechnen habe können, dass die Aussagen für das Interview aus älteren Gesprächen stammen. Der Presserat stellte aber klar, dass das Fehlverhalten der freien Mitarbeiterin dem Medium zuzurechnen sei. “Andernfalls könnte ein Medium immer damit argumentieren, dass das Verschulden bei der (freien) Journalistin liege und nicht unmittelbar beim Medium. Selbst bei einem Gastkommentar muss das Medium für etwaige journalistische Fehler der Autorin oder des Autors einstehen”, hieß es.
Der Senat begrüßt die bereits gesetzten Schritte des “Kurier” und fordert die Tageszeitung auf, die Entscheidung freiwillig zu veröffentlichen.
(S E R V I C E – www.presserat.at)




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