Von: APA/AFP/dpa
Die Sängerin Sarah Engels hat den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest (ESC) gewonnen. Damit kann die 33-Jährige im Mai Deutschland bei dem internationalen Musikwettbewerb in Wien vertreten. Sie setzte sich am Samstagabend gegen acht Acts durch, darunter den im Vorfeld als Favorit gehandelten Künstler namens wavvyboy. Die Show wurde vom SWR organisiert und begann wegen einer Sondersendung zum Krieg gegen den Iran etwas verspätet.
Für die vielen ESC-Fans in Deutschland dürfte nicht nur wegen des Senderwechsels vom NDR zum SWR das diesjährige ESC-Finale wegweisend werden. Nachdem in den Jahren 2019 bis 2023 ausschließlich Plätze am Ende des Teilnehmerfelds heraussprangen, reichte es in den vergangenen zwei Finals für Mittelfeldplatzierungen.
Zuletzt solides Mittelfeld
2024 wurde Isaak im schwedischen Malmö Zwölfter, im vergangenen Jahr belegte das Wiener Duo Abor & Tynna im schweizerischen Basel den 15. Platz. Damit war zwar der vom damaligen ESC-Chefjuror Stefan Raab zum Ziel erklärte Sieg in weiter Ferne – aber zweimal solides Mittelfeld ist für das beim ESC Niederlagen gewohnte Deutschland schon ein Erfolg.
Damit stellt sich nun die Frage, ob es noch weiter aufwärts geht oder ob Deutschland wieder zurück in die ESC-Bedeutungslosigkeit rutscht. Die auf der Internetseite esc-kompakt.de bereits vor dem Vorentscheid rege diskutierenden Fans machten für Samstag bereits einen Favoriten aus. Der aus Liechtenstein stammende und inzwischen in Köln lebende nichtbinäre Künstler wavvyboy, der sich weder als Mann noch als Frau fühlt, galt mit “Black Glitter” dort als Favorit.
Letztlich setzte sich dann aber die prominenteste Starterin Sarah Engels durch. Die mit der RTL-Show “Deutschland sucht den Superstar” und ihrer gescheiterten Ehe mit Pietro Lombardi bekannt gewordene Engels ging mit der Popnummer “Fire” ins Rennen. Weitere Teilnehmer des Vorentscheids waren der Sänger Bela mit “Herz”, die Gruppe Dreamboys The Band mit “Jeanie”, Sängerin Laura Nahr mit “Wonderland”, Sängerin Malou Lovis mit “When I’m with you”, Sängerin Molly Sue mit “Optimist (HaHaHa)”, der Sänger Myle mit “A OK” und die Band Ragazzki mit “Ciao Ragazzki”.
Jury sortiert aus, Publikum entscheidet
In der dreistündigen Show wählte eine 20-köpfige Jury aus 20 ESC-Teilnehmerländern zunächst drei Favoriten aus, über die dann das Publikum entschied. Somit gab es wieder einmal ein neues Prozedere für den Ablauf des deutschen Vorentscheids – schon in den vergangenen Jahren hatte es kaum Kontinuität gegeben.
Als Moderatorinnen traten Barbara Schöneberger und Hazel Brugger in Erscheinung. Letzere war im vergangenen Jahr Teil des Moderationsteams, das durch den ESC in Basel führte. “Ich bin bekannt dafür, dass ich oft nicht ganz nachvollziehbare Business-Entscheidungen treffe”, erklärte die Schweizer Komödiantin. “Nachdem ich den echten ESC moderiert habe, wollte ich ein Dreivierteljahr später unbedingt den Vorentscheid moderieren.” Vor Jahren sei sie aber ja auch aus der “steuerglücklichen” Schweiz nach Deutschland umgezogen. “Das sind alles Moves, um die Leute ein bisschen auf Trab zu halten.”
Moderatorin Brugger rät zu mehr Gelassenheit
Deutschland attestiert sie einen ausgeprägten Hang zum Pessimismus, wenn es um den ESC geht. Sie plädiert für mehr Gelassenheit angesichts der zuletzt oft schwachen Ausbeute. “Wir müssen alle mal den Druck rausnehmen und zeigen, dass Entertainment auch einfach nur Spaß machen darf.” Wenn das gelinge, glaube sie auch an einen positiven Schwung mit Blick auf das ESC-Finale.
Planbar sei ein Erfolg gleichwohl nicht, betonte die Moderatorin. Brugger glaubt sogar, dass zu viel Planbarkeit eher schadet. Als gutes Beispiel nannte sie die bisher letzte deutsche ESC-Gewinnerin Lena Meyer-Landrut (2010). “Sie hat während der Performance nicht krampfhaft an den Sieg gedacht”, sagte Brugger. In der Schweiz etwa sei Lena damals sehr gut angekommen. “Wir sind dort ja nicht unbedingt für unsere Deutschland-Affinität bekannt, aber wir haben uns damals wahnsinnig gefreut, dass Lena gewonnen hat”, berichtete sie.




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