Houchang Allahyari zeichnete ein rührendes Porträt lebenslanger Liebe

“Und täglich frisch verliebt”: Liebe ist nicht zu vergessen

Samstag, 03. Februar 2024 | 14:00 Uhr

Houchang Allahyari ist ein unermüdlicher Arbeiter des heimischen Kinos, der mit “Der letzte Tanz” oder Würdigungen von Ute Bock (etwa “Ute Bock Superstar”) sehr persönliche Werke auf die Leinwand brachte. In seinem neuesten Projekt widmet sich der 83-Jährige nun in unprätentiöser Weise einem ebenso heiklen wie sensiblen Thema: Demenz und der Frage, was sie mit Menschen und ihren Lieben macht. Ab Donnerstag ist “Und täglich frisch verliebt” in ausgewählten Kinos zu sehen.

Dabei hatte Allahyari eigentlich anderes im Sinn, als er mit dem Dreh begann. So wollte der Filmemacher ursprünglich den einstigen Wiener “Automatenkönig” Ferry Ebert porträtieren, der älteren Semestern noch heute ein Begriff ist dank seiner Apparaturen, die von Kondomen bis zu Süßigkeiten alles parat hielten. Doch dabei lernte er Eberts Frau Amalia kennen, die seit längerem an Demenz erkrankt ist – und aus dem Soloporträt über eine markante Persönlichkeit wurde das Porträt einer jahrzehntelangen Liebe.

So begleitete Allahyari den heute 89-Jährigen Ebert und seine Partnerin über Monate hinweg. Er zeigt die Schwierigkeiten des Alltags, die sich unweigerlich ergeben, zeigt die Verzweiflung von Amalia als Betroffener und Ferry als indirekt Betroffenem. Vor allem aber zeigt “Und täglich frisch verliebt”, wie diese beiden seit langem verbundenen Menschen ihren Alltag mit Liebe meistern.

Nicht zuletzt Amalia bleibt ungeachtet der ihr bewussten Veränderungen – “Es ist mir etwas entschwommen”, wie sie es einmal nennt – eine unverbesserliche Optimistin, die das Leben genießt und nicht nur einmal klarstellt: “Ich mache so vieles gerne.” Insofern ist Amalia Ebert wohl kein vollkommen typischer “Fall” für eine demenzkranke Person, ebenso wenig wie das Ehepaar Ebert pars pro toto für andere stehen kann.

Und doch zeigt Allahyari mit “Und täglich frisch verliebt” etwas, das vielen Menschen bekannt ist und vielen im Laufe ihres Lebens bekannt werden wird. Er nähert sich seinen Gegenübern mit Muße, lässt ihnen Zeit. Dabei kommt das Werk letztlich ohne großes Ornament aus, auch wenn hie und da Cartoons von Hans Binder etwas aus dem Leben von Ferry Ebert illustrieren oder etwas inkonsequent kurze Tonstörungen Amalias Wahrnehmung spiegeln.

“Es war eine schöne Zeit” formuliert es Ebert aus Anlass des 65. Hochzeitstages, den beide selbstredend im großen Rahmen feiern. Eine schöne Einstellung zum Leben.

(Von Martin Fichter-Wöß/APA)

(S E R V I C E – www.moviemento.at/film/und-taeglich-frisch-verliebt)

Von: apa

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