Runder Geburtstag für Edek Bartz

Von Sinatra bis Falco: Pop-Mastermind Edek Bartz wird 80

Montag, 24. August 2026 | 07:35 Uhr

Von: importer

Wenige in Wien haben die Mechanik der Popkultur und der Gegenkultur so gleichzeitig zu bedienen gewusst wie Edek Bartz. Er war Musiker, Wiederentdecker des Klezmer, Autor, DJ, Kurator, Plattenverkäufer. Als Konzertveranstalter organisierte er die ersten Österreich-Konzerte von Jimi Hendrix oder Pink Floyd, als Tourmanager begleitete er Falco nach Japan. Bartz war immer Weltbürger und doch auch Wiener. Am Montag wird er 80 Jahre alt. Ö1 gratuliert mit einem “Menschenbild”.

“Hauptsache Kunst” heißt das 2019 entstandene, rund einstündige Radioporträt, das der Kultursender am Sonntag (14.05 Uhr) erneut ausstrahlt. Aus seinem Leben erzählte Bartz auch dem “Falter”-Journalisten Klaus Nüchtern. Daraus entstand das im Vorjahr erschienene Buch “Interessant, du, faktisch …”. Die dort festgehaltenen Anekdoten – von einer Begegnung mit dem späteren Malerstar Jean-Michel Basquiat bis zur “unabsichtlichen Entführung” Bartz’ durch Frank Sinatra – geben einen Eindruck von der aufregenden wie ereignisreichen Vita des Jubilars.

Hendrix und Hölzel

Geboren wurde Edek Bartz am 24. August 1946 in der Stadt Karaganda in Kasachstan, in einem russischen Internierungslager. Er wuchs später im polnischen Waldenburg auf. Seine Mutter war ursprünglich Wienerin, in der Nazi-Zeit geflohen, und kehrte 1958 mit ihrem Sohn zurück, als sie eigentlich auf dem Weg war, nach Israel zu emigrieren. Das Wienerische, insbesondere das Sudern und Keppeln, ist ihm stets fremd geblieben, sein Horizont erreichte auch beruflich rasch globale Dimension. Zurückgekehrt in die Heimat seiner Mutter ist er trotzdem immer.

Für seine persönliche Wichtigkeit seien Kunst und Musik etwa gleichzeitig in sein Leben getreten, sagte Bartz später. Beruflich wandte er sich zunächst der Musik zu, arbeitete bei einer Konzertagentur und betreute dort Größen wie Bob Dylan, Jimi Hendrix, die Rolling Stones oder Frank Sinatra, mit denen er auf Tour ging oder Wien-Aufenthalte managte. Als Fachmann für Massenerfolge wurde er später hinzugezogen, um einen gewissen Hans Hölzel zu Ruhm zu verhelfen und dessen Kunstfigur des Falco ästhetisch nachzuschärfen. Bartz wurde zum Tourmanager, zum Begleiter des Aufstiegs – und des Niedergangs.

Geburtshelfer des Klezmer-Booms

In den 1970ern war Bartz Mitbegründer des Duos Geduldig un Thimann. Edward Geduldig, das war sein Künstlername und Albert Thimann der seines Freundes Albert Misak – beide benutzten den Mädchennamen ihrer Mutter, um sich auf die Spuren chassidischer Musiktraditionen zu begeben. Der Klezmer-Boom kam später, Bartz und Misak leisteten Pionierarbeit.

Pop und Klezmertradition, Massen- und Gegenkultur wusste Bartz stets zu vereinen. Sein Plattengeschäft in der Ballgasse war in den 80er-Jahren Treffpunkt einer vielgestaltigen Avantgarde, gemeinsam mit dem späteren langjährigen Wien Museum-Direktor Wolfgang Kos konzipierte er ab den frühen 80ern das Musik-Festival “Töne – Gegentöne” im Rahmen der Wiener Festwochen und gründete mit ihm auch die New-Wave-Band “Leider Keine Millionäre”.

Zweite Laufbahn als Kurator und Kunstmessen-Chef

Irgendwann zog er sich mehr und mehr aus dem Musikbusiness zurück, als er gemerkt hatte, dass “Kollegen so nach und nach in den Wahnsinn abgedriftet sind”, wie er einmal sagte. Bartz organisierte die Vienna Jewish Festival Week, startete seine Laufbahn an der Angewandten als Assistent und später Lektor und baute sich als Naturtalent des Vernetzens ein zweites Standbein in der zeitgenössischen Kunst auf.

Von 2005 bis 2009 leitete er die zeitgenössische Wiener Kunstmesse Viennafair mit ihrem Schwerpunkt auf Mittel- und Osteuropa und bemühte sich in dieser Funktion umtriebig um Entdeckungen aus der osteuropäischen Szene. Als Kurator von Ausstellungen war er auch darüber hinaus tätig, etwa im Jüdischen Museum oder an der Angewandten.

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