Von: apa
Der Wiener Singer-Songwriter Voodoo Jürgens hat am Dienstag im Innsbrucker Treibhaus den Tourauftakt zu seinem aktuellen Album “Gschnas” begangen. Voodoo und seine fünfköpfige Band “Anser Panier” boten altbekannte Band-Klassiker sowie viel Material vom neuen Werk. Der damit verbundene Musikspagat zwischen bewährtem Neo-Austropop und Songwritertum mit internationaler Anmutung funktionierte über weite Strecken glänzend.
Voodoo, wie seine Fans den gebürtigen Niederösterreicher nennen und wie er auch in Innsbruck beim Konzert vom Publikum oft lautstark “angerufen” wurde, wusste nämlich offenkundig, was seine treue Anhängerschaft von ihm erwartet. Gemeinsam mit einer für Tourauftakt-Umstände bereits bestens eingespielten Band warf er dem Auditorium im zum Bersten gefüllten, restlos ausverkauften Treibhaus-Keller gleich zu Beginn seinen unsterblichen Klassiker “Heite grob ma Tote aus” vor die noch wie am Boden angewurzelt wirkenden Füße. Letzteres sollte sich im Laufe des Konzertes ändern, denn so manch einer wagte im Laufe des Konzertes stolperndes Wienerlied-Tänzchen in bester Voodoo-Manier.
Weniger “Beisl-Poesie” und mehr Indie-Pop
Doch bevor es soweit kam, legten er und seine Band noch gehörig nach und ließen auf das Eröffnungslied einen weiteren Klassiker in spe folgen: “Vaschwindn” vom neuen Album. Das wiederum war wohl kein zufälliger Akt, denn besagtes Lied zeigte auch schon die schleichende Transformation seiner Musik, die sich auf “Gschnas” immer wieder manifestiert. “Vaschwindn” klang auch auf der Bühne deutlich weniger nach Wiener “Beisl”-Poesie mit dazu passender Instrumentierung, denn nach einem Versuch mit seinem eigenen Klischee und seiner eigenen Kunstfigur zu brechen. Hier kredenzte Voodoo klar hörbar Indie-Pop, der, abgesehen von dem Dialekt-Text, äußerst “international” daherkommt.
Selbiger Ansatz intensivierte sich noch mit “De An und de Aundan”, ebenfalls von “Gschnas”. Dennoch blieb es im Kern Voodoo in Reinkultur, denn die zarten elektronischen Spielereien auf dem Album fielen einer beherzt und oft auch ein bisschen rustikal musizierenden Band zum Opfer, die im Zweifelsfall zeitgenössische Bierseligkeit doch noch dem angedeuteten, konzentrierten Pop-Kleinoden vorzog. Selbiges lässt sich auch über Songs wie “Guade Stubn” sagen, die irgendwo zwischen diesen beiden Polen pendelten.
Zweifel, Angst und andere Töne
Gegen Ende des rund 90-minütigen Konzertes kam schließlich mit “Da Zweifl” das wohl gelungenste, zugleich aber auch ungewöhnlichste und abgründigste Lied des neuen Albums zu seinen Live-Ehren. In diesem beschrieb Voodoo Jürgens den Zweifel wahlweise als eine Flasche Schnaps oder auch als Parasit. Auch mit Zweifel an seinem eigenen Tun und Werken sparte er dort nicht. Ebenjene dunkle Geister trieb er dann wieder gesanglich völlig entfesselt mit einem Klassiker aus, nämlich mit “Angst haums”.
Bei der ersten Zugabe wiederum schlug man gänzlich andere Töne an und Voodoo wehrte zugleich Songwünsche damit ab, kein Wurlitzer zu sein. Mit “Kassiber” stand schließlich ein traumwandlerisch-schönes Lied am Programm, das ihn und seine Band abermals klar in Experimentierlaune zeigte. Dass er sich dann aber doch noch aufgrund von Zurufen dazu erweichen ließ, sein Lied “Tulln” zu spielen, belegte, dass er sich gegenwärtig zwischen den Stühlen bewegt: Fan-Vollbedienung auf der einen Seite, zarte und manchmal auch bestimmte Versuche, sich neu zu erfinden auf der anderen.
Beim Publikum kam dieser Spagat bestens an und dieses nahm Voodoo auch die eine oder andere musikalische Unebenheit angesichts des ersten Konzertes der Tour nicht weiter krumm. Langanhaltender Applaus und Begeisterungsrufe waren Ausdruck davon. Selbiges wird es wohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch am Mittwoch geben, wenn er sein zweites, ebenfalls ausverkauftes Konzert im Treibhaus spielen wird.
(Von Markus Stegmayr/APA)
(S E R V I C E – https://voodoojuergens.com/)




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