„Motiviert, nicht müde“

17-jähriger Südtiroler widerspricht Klischees über die Jugend

Mittwoch, 11. Februar 2026 | 10:51 Uhr

Von: Ivd

Bozen – Viele Debatten über junge Menschen kreisen um mangelndes Engagement und fehlende Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Kevin Pichler, 17 Jahre alt und in Südtirol sowohl ehrenamtlich als auch politisch aktiv, zeichnet im Gespräch ein anderes Bild. Für ihn passt ein Satz besonders gut: „Motiviert, nicht müde.“

Auf die Frage, ob sich Jugendliche heute tatsächlich zu wenig einbringen, antwortet Pichler klar: „Ganz anders, als manche denken. Die Jugendlichen hier sind sehr aktiv – in Vereinen, bei sozialen Projekten oder auch in der Politik.“ Das Engagement sei zwar nicht immer auf den ersten Blick sichtbar, aber vorhanden. „Wir wollen etwas bewegen und Verantwortung übernehmen, auch wenn das nicht immer sofort sichtbar ist“, sagt er.

Gerade das Ehrenamt spiele in Südtirol eine zentrale Rolle – auch für junge Menschen. „Sehr wichtig“, nennt Pichler dessen Bedeutung. Er verweist auf die Vielzahl an Möglichkeiten: „Es gibt viele Angebote – Sportvereine, Musik, Feuerwehr, Umweltprojekte – und die Jugendlichen nutzen sie.“ Für ihn ist ehrenamtliche Arbeit mehr als Pflicht: „Ehrenamt macht nicht nur Sinn, sondern verbindet auch und macht Spaß.“

Dass dennoch oft behauptet werde, die Jugend sei faul, erklärt sich Pichler so: „Weil man meistens nur das Negative sieht oder Jugendliche mit früheren Generationen vergleicht.“ Viel Engagement finde abseits der Öffentlichkeit statt. „Viele investieren viel Zeit im Stillen – das sieht man oft nicht, aber es hat Wirkung.“

Pichler selbst engagiert sich auch politisch. Seine Motivation beschreibt er deutlich: „Entscheidungen von heute bestimmen unsere Zukunft. Ich möchte mitreden und mitgestalten, statt später zu sagen: ‚Hätte man damals anders machen sollen‘.“ Politische Arbeit bedeute für ihn auch persönliche Entwicklung: „Außerdem macht es Spaß, Ideen einzubringen und Projekte voranzubringen.“

Der Spagat zwischen Schule, Freizeit und Engagement sei allerdings nicht immer einfach. „Das ist manchmal ein Spagat“, sagt der 17-Jährige. Entscheidend seien Organisation und klare Prioritäten: „Man muss sich gut organisieren, Prioritäten setzen – und lernen, auch mal ‚Nein‘ zu sagen.“ Dennoch überwiege für ihn der Nutzen: „Aber es lohnt sich, weil man dabei viel lernt und andere unterstützen kann.“

Besonders aktiv seien Jugendliche laut Pichler in klassischen Bereichen des Ehrenamts, aber nicht nur dort. „Besonders sichtbar ist das in Vereinen, in der freiwilligen Feuerwehr und im sozialen Bereich“, erklärt er. Darüber hinaus nennt er weitere Felder: „Aber auch in Umweltprojekten, Kulturinitiativen und politischer Arbeit engagieren sich viele, oft neben Schule oder Ausbildung.“

Mit Blick auf die Zukunft sieht Pichler mehrere Herausforderungen für junge Menschen in Südtirol. „Themen wie leistbares Wohnen, Perspektiven nach der Schule, Ausbildungs- und Jobmöglichkeiten“, zählt er auf. Ein weiterer Punkt sei politische Beteiligung: „Außerdem wollen wir mehr Mitsprache – wir möchten nicht nur gehört werden, sondern Verantwortung übernehmen.“

Sein Wunsch an Politik und Gesellschaft fällt entsprechend aus: „Mehr Vertrauen in junge Menschen und die Bereitschaft, uns ernsthaft einzubeziehen.“ Kritik sei legitim, betont er, reiche aber nicht aus: „Kritik ist okay, aber Mitsprache würde viel bewegen.“

Am Ende fasst Kevin Pichler seine Generation in drei Worten zusammen: „Engagiert, verantwortungsbewusst – und motiviert, nicht müde.“

Bezirk: Bozen

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