Trotzdem ist das Bienensterben vielerorts Realität

Aprilscherz: Eifrige Handbestäuber zurückgerufen – UPDATE

Montag, 02. April 2018 | 08:08 Uhr
Update

Aufruf zur Handbestäubung wegen Bienensterben in Südtirol? Kaum ein Leser auf Südtirol News ließ sich gestern den Aprilochsen aufbinden, wie aus den Kommentaren schnell deutlich wurde. In der Tat handelte es sich um eine als Aprilscherz gedachte, erfundene Story – zum Teil. Denn zu Recht wiesen manche Südtirol News-Leser darauf hin, dass es sich um ein reales und ernstes Problem handle.

In vielen Teilen der Welt ist in den letzten Jahrzehnten ein starker Rückgang in Anzahl und Dichte von Bienenvölkern, allen voran der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) festgestellt worden. Kritische Beobachter sehen die Hauptursache in einer mittlerweile stark industrialisierten Landwirtschaft, welche durch die Verbreitung von Monokulturen, den exzessiven Einsatz von Pestiziden sowie lange Transportwege für die ausbleibende Bestäubung der Pflanzen durch die fleißigen Insekten verantwortlich seien. Dies wiederum habe schwerwiegende Konsequenzen für die Lebensmittelproduktion insgesamt.

Diese Erklärung ist in der Fachwelt allerdings umstritten. Forscher führen die Bevölkerungsschwankungen etwa teils auf sozio-ökonomische Veränderungen zurück, welche Bienenhaltung für Imker mancherorts attraktiv, andernorts weniger attraktiv machen. In einigen Fällen wurden Verluste von Bienenvölkern eindeutig auf ein neues Auftreten eingeschleppter Parasiten wie die Varroamilbe zurückgeführt. Unabhängige Wissenschaftler gehen von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren aus, jedenfalls sei das Problem ernst zu nehmen und noch viel Forschungsbedarf gegeben.

 

(WAS AM 1. APRIL BERICHTET WURDE:)

Pflanzen müssen bestäubt werden, damit Obst gedeihen kann. Dies übernimmt in der Regel die Biene, die jedoch seit Jahren mit Krankheiten, Milben und dem rätselhaften Sterben ganzer Völker kämpft. Andere Insekten, die Bestäubungsarbeit leisten, sind ebenfalls bedroht.

Auch in Südtirol ist die Situation derzeit bedenklich, wie Südtirol News erfahren hat. So fürchten etwa die Obstbauern einen großflächigen Ernteausfall, weil es überraschend an natürlichen Bestäubern fehlt.

Um eine Katastrophe zu vermeiden, hat die Landesregierung nun zu einer ungewöhnlichen Maßnahme gegriffen. Menschen sollen einspringen und die Blüten der Apfelbäume per Hand bestäuben. Dazu wurden auch Gelder freigestellt. Fraglich ist, ob das ausreicht. Deshalb können auch Freiwillige in den Obstfeldern kurzfristig vorbeikommen und bei der Bestäubung helfen. Jede helfende Hand ist bei der Sisyphosarbeit erwünscht.

In einigen Regionen Chinas werden seit Jahren Obstblüten per Hand bestäubt, nachdem der Mensch die Biene zurückgedrängt hat. Dabei wird die Arbeit der Insekten sozusagen imitiert. Weil unzählige Blüten für eine reiche Ernte bestäubt werden müssen, ist es dort keine Seltenheit, dass Scharen von Arbeitern mit Pollen im Gepäck ausschwärmen und die Apfel- und Birnenblüten bearbeiten. Dazu benötigt jeder Arbeiter in etwa ein Kilogramm frische Blüten – und das täglich. Doch so effektiv wie Bienen sind die Menschen freilich nicht.

Was Südtirol betrifft, wird jedenfalls gehofft, dass dies ein einmaliges Ereignis bleibt.

 

 

Von: luk

Bezirk: Bozen