Emanzipation der Frau noch in weiter Ferne

“Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann”

Donnerstag, 16. August 2018 | 08:13 Uhr

Wir leben im 21. Jahrhundert und dennoch: Den Löwenanteil der Hausarbeit erledigen nach wie vor Frauen. Dies bestätigen auch Statistiken. Frauen scheinen sich immer noch für die Haus- und Familienarbeit zuständig zu fühlen.

Selbst dann, wenn sie erwerbstätig sind, sogar Vollzeit arbeiten gehen, erledigen sie die Hausarbeit und ihr Partner macht ein Zehntel davon. Die althergebrachte Rollenaufteilung im Haus bleibt sogar dann noch bestehen, wenn der Mann arbeitslos ist. Selbst Akademikerinnen driften in einer Paarbeziehung schnell in die Rolle des Hausmütterchens ab. Nervenzehrende Diskussionen um eine gerechte Aufteilung der Hausarbeit und nutzlose Putzpläne, treiben die meisten Frauen in die Resignation. Als Singlefrauen und Studentinnen kümmerten sie sich noch um sich selbst, nun tragen sie die Last eines Partners, der sich wie ein unselbständiges Baby aufführt.

Frauen leisten neben der bezahlten Erwerbsarbeit, viel unbezahlte Haus- und Familienarbeit. Jene unter ihnen, die der Ungerechtigkeit ein Ende setzen wollen, werden schnell von der Schwiegermutter schief angesehen, ist doch eine “richtige” Frau, eine Frau, die sich um ihren Sohn aufopfernd kümmert.

Männer sind gut darin, sich vor der unbezahlten, lästigen und nicht-gewinnbringenden Arbeit zu drücken. Sie haben es Zuhause bei “Mama”, die sie verhätschelte und von Kopf bis Fuß bediente, von klein auf gelernt.

Wenn frau Männer danach fragt, ob sie im Haushalt mithelfen, so bejahen sie das: Sie würden den Müll runtertragen, kleine Reparaturen machen, das Auto in die Waschanlage bringen. Was haben diese Tätigkeiten gemein? Sie sind leicht und schnell zu erledigen und finden relativ selten statt. Es sind dies Rosinenarbeiten, die sich die Männerwelt herauspickt.

Die lästigen und täglichen Arbeiten, das heißt das Kochen, das Wäschewaschen, das Wäscheaufhängen, das Bügeln, das Abspülen, das Putzen und dergleichen, werden von den Männern als Arbeiten bezeichnet, für die es “Spezialistinnen” – Frauen – braucht, denen diese Tätigkeiten leicht von der Hand gehen.

Währenddessen kümmern sich die Männer – besonders im relevanten Alter zwischen 30 und 44 Jahren – um ihre Karriere und um ihr Bankkonto. Sie lassen sich nicht von Hausarbeit und schreienden Kindern abhalten. Sie verbringen auch mehr Lebenszeit mit Muße: Vereinsleben, Sport, Spielen und Musizieren.

Nun kommt die spannende Frage: Woher kommt die viele übrige Zeit? Genau: Von der Zeit, die sie ihrer Partnerin/Frau gestohlen haben. Diese arbeitet wahrscheinlich in Teilzeit und hält dem Mann den Rücken frei. All das rechnet sich am Ende nicht: nicht für die eigene Karriere, die ökonomische Situation, die Rente und wohlgemerkt das eigene Nervenkostüm. Steht dann auch noch eine Trennung an, die heute jede/n Dritte/n erwischt, sieht es dann existentiell gar nicht mehr so gut aus. Die Aufopferung, die falsch verstandene Liebe, erweist sich als ein zerstörerischer Boomerang.

Mittlerweile gibt es mehr Akademikerinnen als Akademiker und dennoch sind die Hausarbeit, die Erziehung der Kinder und die Pflege alter Angehöriger, unbezahlte Arbeiten, die nach wie vor auf die Frauenwelt abgewälzt werden.

Angesichts dieser Tatsache wundert sich wohl kaum mehr jemand über Burnout.

Das Lied “Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann”, das Johanna von Koczian 1977 sang, thematisierte schon damals die ungerechten Verhältnisse in den heimischen vier Wänden. Die Themen und Dynamiken, welche angesprochen werden, haben jedoch nicht an Aktualität verloren.

https://www.youtube.com/watch?v=RzPkjqjWrfU

Dieselbe Thematik hat die Sängerin Jennifer Lopez im Jahr 2016 aufgegriffen: Im Song “Ain’t your Mama” (“Ich bin nicht deine Mutter”) rechnet sie mit jenen Männern ab, die die Frauen für dumm verkaufen:

Was ist zu tun?

Mütter, Väter, Lebenspartner und -partnerinnen können dem ungerechten Aufhalsen von unbezahlter Haus- und Familienarbeit ein Ende bereiten. Eine Beziehung auf Augenhöhe ist auf jeden Fall für beide Seiten befriedigender.

Von: bba